Das sind die besten Halbleiter-Aktien!
(Lars Erichsen) Nvidia, AMD, Intel, Micron, SK Hynix oder Samsung. An der Börse werden diese Unternehmen gerne unter dem Begriff Halbleiter-Aktien zusammengefasst. Dabei könnten ihre Geschäftsmodelle teilweise kaum unterschiedlicher sein. Die einen entwickeln Prozessoren, andere produzieren Speicher-Chips, wieder andere stellen Halbleiter im Auftrag her oder liefern die Maschinen, die für die Produktion benötigt werden.
Aus diesem Grund möchte ich heute in meinem Report etwas näher auf die verschiedenen Bereiche der Halbleiter-Industrie eingehen, die Unterschiede möglichst einfach erklären und zeigen, welche Unternehmen von welchen Entwicklungen profitieren.
Welche Arten von Chips gibt es eigentlich?
• CPU – der klassische Prozessor
Eine CPU ist praktisch das Gehirn eines Computers. Sie verarbeitet Befehle, führt Programme aus und sorgt dafür, dass die verschiedenen Abläufe funktionieren. Solche Prozessoren finden sich in nahezu jedem Computer, Notebook oder Server. Zwei der bekanntesten Hersteller sind Intel mit seinen Core- und Xeon-Prozessoren sowie AMD mit Ryzen und EPYC.
Je leistungsfähiger die Prozessoren, desto schneller können bestimmte Aufgaben erledigt werden. Besonders in Rechenzentren werden leistungsfähige CPUs benötigt, um große Datenmengen und zahlreiche Programme gleichzeitig zu verwalten.
• GPU – der Grafikprozessor
GPU steht für Graphics Processing Unit. Ursprünglich wurden diese Chips vor allem für Computerspiele und aufwendige Grafiken entwickelt.
Mittlerweile spielen sie eine entscheidende Rolle bei künstlicher Intelligenz. Der Grund ist relativ einfach. Während klassische Prozessoren viele unterschiedliche Aufgaben erledigen, können GPUs besonders viele gleichartige Berechnungen gleichzeitig durchführen. Die bekanntesten Anbieter sind Nvidia und AMD. Auch Intel entwickelt eigene Grafikprozessoren.
• ASIC – der Spezial-Chip
Neben den klassischen Prozessoren gibt es spezielle Chips, die für ganz bestimmte Aufgaben entwickelt werden. Diese werden ASIC genannt. Ein einfaches Beispiel sind große Technologie-Konzerne, die eigene Chips entwickeln lassen, um ihre KI-Anwendungen möglichst schnell und stromsparend betreiben zu können.
Ein wichtiger Anbieter in diesem Bereich ist Broadcom. Das Unternehmen unterstützt große Kunden bei der Entwicklung solcher Spezial-Chips. Der Vorteil ist, dass diese Chips für bestimmte Anwendungen besonders effizient sein können. Der Nachteil ist, dass sie weniger vielseitig einsetzbar sind als klassische Prozessoren.
• DRAM – der klassische Arbeitsspeicher
DRAM ist eine Form von Arbeitsspeicher. Jeder Computer benötigt ihn, um Daten kurzfristig bereitzuhalten. Man kann sich das wie einen Schreibtisch vorstellen. Alles, was gerade bearbeitet wird, liegt griffbereit auf dem Tisch. Je größer der Arbeitsspeicher, desto mehr Daten können gleichzeitig bereitgehalten werden.
Wird der Computer ausgeschaltet, gehen die im DRAM gespeicherten Daten verloren.
DRAM wird in PCs, Smartphones und Servern eingesetzt. Die drei wichtigsten Hersteller sind Samsung, SK Hynix und Micron.
• GDDR – der Grafikspeicher
GDDR ist ebenfalls eine Form von Arbeitsspeicher, wurde aber speziell für Grafikprozessoren entwickelt. Während ein klassischer PC-Arbeitsspeicher viele unterschiedliche Aufgaben unterstützt, ist GDDR darauf ausgelegt, möglichst schnell große Datenmengen an einen Grafikprozessor zu liefern.
Das ist beispielsweise bei modernen Computer-Spielen entscheidend. Hochauflösende Bilder, aufwendige Grafiken und komplexe Berechnungen benötigen große Datenmengen.
Zu den wichtigsten Herstellern solcher Grafikspeicher gehören Samsung Electronics, SK Hynix und Micron Technology.
• HBM – der Hochleistungsspeicher für künstliche Intelligenz
HBM steht für High Bandwidth Memory. Das ist eine besonders leistungsfähige Form von DRAM. Anders als bei herkömmlichem Arbeitsspeicher werden hier mehrere Speicher-Chips übereinandergestapelt. Dadurch lassen sich sehr große Datenmengen besonders schnell zwischen Speicher und Prozessor übertragen.
Man kann sich das wie eine breite Autobahn vorstellen. Je mehr Fahrspuren vorhanden sind, desto mehr Fahrzeuge können gleichzeitig transportiert werden.
Die drei entscheidenden Hersteller sind auch hier SK Hynix, Samsung und Micron.
• NAND – der dauerhafte Datenspeicher
NAND ist eine andere Speicher-Technologie. Im Unterschied zu DRAM bleiben die gespeicherten Daten auch dann erhalten, wenn der Strom abgeschaltet wird.
NAND steckt beispielsweise in SSD-Festplatten, Smartphones und USB-Sticks.
Während DRAM die Daten bereithält, die gerade benötigt werden, übernimmt NAND die dauerhafte Speicherung. Man kann sich DRAM als Schreibtisch vorstellen und NAND als Aktenschrank, in dem Dokumente langfristig aufbewahrt werden.
Zu den wichtigen Herstellern gehören Samsung, SK Hynix, Micron und Sandisk.

9 Halbleiter-Aktien und die Geschäftsmodelle
1. Nvidia – Grafikprozessoren und KI-Beschleuniger
Nvidia gehört zu den bekanntesten Unternehmen der Halbleiter-Industrie. Der Konzern entwickelt leistungsfähige Grafikprozessoren, KI-Beschleuniger und komplette Systeme für Rechenzentren. Nvidia stellt die modernen Rechen-Chips allerdings nicht selbst her, sondern lässt sie überwiegend von Auftragsfertigern wie TSMC produzieren. Den benötigten Hochleistungsspeicher liefern wiederum Unternehmen wie SK Hynix, Samsung oder Micron. Nvidia profitiert damit in erster Linie vom Bedarf an zusätzlicher KI-Rechenleistung.
2. AMD – Prozessoren und KI-Chips
AMD ist einer der wichtigsten Konkurrenten von Intel im Geschäft mit klassischen Prozessoren. Das Unternehmen entwickelt mit Ryzen Prozessoren für PCs und mit EPYC leistungsfähige Prozessoren für Server. Daneben bietet AMD mit seiner Instinct-Produktfamilie spezielle Beschleuniger für künstliche Intelligenz an und konkurriert damit auch mit Nvidia.
AMD profitiert folglich gleich von zwei Entwicklungen. Einerseits von der Nachfrage nach klassischen Computern und Servern, andererseits vom zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz.
3. Intel – Prozessoren und eigene Chip-Fabriken
Das Unternehmen verdient einen großen Teil seines Geldes mit Prozessoren für Computer und Server. Anders als AMD und Nvidia besitzt Intel allerdings auch umfangreiche eigene Chip-Fabriken. Intel versucht außerdem, sein Geschäft als Auftragsfertiger auszubauen. Das bedeutet, dass künftig verstärkt auch Chips für andere Unternehmen produziert werden sollen.
4. Broadcom – Spezial-Chips und Netzwerktechnik
Broadcom ist ein wichtiger Anbieter von Spezial-Chips für große Technologie-Unternehmen. Besonders interessant ist das Geschäft mit maßgeschneiderten KI-Chips. Große Cloud-Anbieter lassen zunehmend eigene Prozessoren für ihre Rechenzentren entwickeln. Hinzu kommen Netzwerk-Chips, die dafür sorgen, dass riesige Rechenzentren Daten schnell zwischen den einzelnen Rechnern austauschen können.
5. Micron – Arbeitsspeicher, Grafikspeicher und NAND
Micron ist einer der bedeutendsten Speicher-Hersteller der Welt. Das amerikanische Unternehmen produziert klassischen Arbeitsspeicher, Grafikspeicher, HBM und NAND-Flash. Micron profitiert damit nicht nur von der steigenden Nachfrage nach besonders schnellem KI-Speicher, sondern auch von höheren Preisen für gewöhnlichen Arbeitsspeicher und SSD-Speicher. Gerade bei Micron sollte man allerdings wissen, dass das Speichergeschäft starken Schwankungen unterliegt. Wenn Speicher-Chips knapp sind, können die Preise und Gewinne deutlich steigen. Bei einem Überangebot kann sich das schnell wieder umkehren.
6. SK Hynix – der Spezialist für Speicher-Chips
SK Hynix aus Südkorea gehört zu den wichtigsten Herstellern von Speicher-Chips. Eine besonders große Rolle spielt das Unternehmen bei HBM, also jenem Hochleistungsspeicher, der in vielen leistungsfähigen KI-Beschleunigern benötigt wird. Zusätzlich produziert SK Hynix gewöhnlichen Arbeitsspeicher, Grafikspeicher und NAND-Speicher.
Je mehr KI-Systeme gebaut werden und je größer deren Speicherbedarf wird, desto interessanter ist dieses Geschäft.
7. Samsung Electronics – ein breit aufgestellter Technologie-Konzern
Samsung wird häufig vor allem mit Smartphones und Fernsehern in Verbindung gebracht. Tatsächlich zählt der südkoreanische Konzern aber auch zu den weltweit wichtigsten Speicher-Herstellern. Samsung produziert DRAM, Grafikspeicher, HBM und NAND. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen eigene Halbleiter-Fabriken und fertigt auch Chips für andere Unternehmen.
8. TSMC – die Chip-Fabrik für die großen Entwickler
TSMC aus Taiwan ist einer der wichtigsten Auftragsfertiger der Halbleiter-Industrie. Das Unternehmen entwickelt normalerweise nicht die Prozessoren seiner Kunden, sondern stellt diese nach deren Vorgaben her. Zu den Kunden gehören beispielsweise Nvidia und AMD. TSMC profitiert damit von der steigenden Nachfrage nach modernen Chips, unabhängig davon, welcher seiner Kunden am Ende besonders erfolgreich ist.
9. ASML – die Maschinen für die Chip-Produktion
ASML aus den Niederlanden stellt selbst keine Speicher-Chips oder Grafikprozessoren her. Das Unternehmen liefert vielmehr hochkomplexe Maschinen, die für die Herstellung moderner Halbleiter benötigt werden. Besonders wichtig sind die sogenannten EUV-Lithografiesysteme. Mit ihnen lassen sich extrem feine Strukturen auf Chips herstellen.
Mein Fazit
Der KI-Boom sorgt für eine enorme Nachfrage in der Halbleiter-Industrie. Allerdings profitieren die einzelnen Unternehmen auf ganz unterschiedliche Weise davon. Für Anleger ist es wichtig zu verstehen, welche Unternehmen von der steigenden Nachfrage nach Rechenleistung profitieren und welche vor allem von höheren Speicherpreisen oder zusätzlichen Investitionen in Chip-Fabriken abhängig sind. Besonders spannend finde ich derzeit den Bereich der Speicher-Chips, auch wenn man die teilweise starken Preisschwankungen und die damit verbundenen Risiken nicht unterschätzen sollte.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
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