Cash – So nutzt man es clever!
(Lars Erichsen) Aktuell ist die Situation an den Börsen von geopolitischer Unsicherheit, schwankenden Märkten und einer insgesamt schwer einschätzbaren Konjunkturlage geprägt. In diesem Kontext taucht oft die Frage nach dem Sinn einer Cash-Quote auf. Viele Anleger fragen sich dann ganz grundsätzlich, ob es nicht sinnvoll wäre, einen Teil des Kapitals einfach auf der Seitenlinie zu parken.
Ich verstehe dieses Bedürfnis nach Sicherheit vollkommen und möchte heute mit Euch darüber sprechen, wie wir dieses Kapital nicht einfach nur liegen lassen, sondern es clever und strategisch sinnvoll bewirtschaften können, ohne dabei die notwendige Flexibilität für den Markt zu verlieren.
Ist eine Cash-Quote sinnvoll?
Aus meiner Sicht muss man zunächst klar zwischen zwei Anlagewelten unterscheiden. In der langfristigen Vermögensanlage arbeite ich persönlich nicht mit einer festen Cash-Quote. Mein Ansatz ist hier relativ klar strukturiert. Kapital soll produktiv arbeiten. Historisch betrachtet sind es Aktien-Märkte, die langfristig die stärksten realen Renditen geliefert haben.
Studien von Credit Suisse und UBS zur langfristigen Entwicklung globaler Kapitalmärkte zeigen immer wieder, dass Aktien über Jahrzehnte hinweg deutlich höhere reale Renditen erzielen als Anleihen oder reine Geldmarktanlagen. Deshalb bin ich im langfristigen Portfolio überwiegend investiert.
Anders sieht die Situation im aktiven Handel aus. Hier kann eine Cash-Quote sogar sehr dynamisch sein. Wenn ich kurzfristige Marktbewegungen ausnutzen möchte, dann kann es durchaus sinnvoll sein, zeitweise einen größeren Anteil des Kapitals liquide zu halten.
Allerdings hat diese Liquidität einen ganz bestimmten Zweck. Das Geld muss jederzeit verfügbar sein, weil sich neue Chancen manchmal sehr schnell ergeben. In solchen Fällen geht es weniger um Rendite auf das Cash, sondern um maximale Flexibilität. Im YouTube-Video am Montag bin ich noch detaillierter auf das Thema eingegangen.
Parkplätze für euer Geld
Wenn wir über Zeiträume von einigen Monaten sprechen, sind Geldmarkt-ETFs eine durchaus interessante Wahl. Diese Instrumente bilden in der Regel den kurzfristigen Euro-Zinssatz ab. Der große Vorteil dabei ist die tägliche Verfügbarkeit bei gleichzeitiger Verzinsung auf dem Niveau der aktuellen Zentralbankpolitik. Man partizipiert hier fast 1:1 an den Einlagenzinsen, ohne das Geld fest binden zu müssen.
Das technische Fundament dieser ETFs ist ein Tauschgeschäft, ein sogenannter Swap, bei dem der ETF Anbieter die Wertentwicklung des Geldmarktzinses gegen die Rendite eines fest definierten Korbs aus Staatsanleihen eintauscht.
Für mich ist das ein sinnvoller Weg, um die tägliche Liquidität zu wahren und gleichzeitig von einem Zinssatz zu profitieren, der über dem liegt, was die meisten klassischen Banken ihren Kunden auf dem normalen Sparkonto anbieten. Der Clou dabei ist die extrem geringe Volatilität, da sich der Preis des ETFs fast linear nach oben bewegt, solange die Zinsen positiv sind.

Eine zweite Möglichkeit sind klassische Tagesgeld-Angebote oder kurzfristige Festgeld-Produkte in Euro. Gerade im Wettbewerb um neue Kunden bieten einige Banken und Broker für bestimmte Zeiträume deutlich attraktivere Zinsen als der Markt im Durchschnitt.
Wichtig ist dabei immer der Blick auf die Einlagensicherung, denn nur wenn das Kapital durch nationale Sicherungssysteme geschützt ist, haben Anleger im Fall einer Banken-Insolvenz einen rechtlichen Anspruch darauf, dass eure Einlagen bis zur gesetzlich festgelegten Grenze erstattet werden. Zuletzt habe ich im Fernsehen Festgeld-Angebote der VW Bank und der UmweltBank gesehen, die aktuell wieder etwas Aufmerksamkeit bekommen.
Die VW Bank bietet für Neukunden beim Tagesgeld derzeit etwa 2,75% Zinsen pro Jahr für 6 Monate, danach fällt der Satz auf rund 1,0% p.a. zurück. Die UmweltBank wirbt dagegen häufig mit einem Einstiegszins von bis zu 3,0% p.a. für bevor der Zinssatz anschließend deutlich niedriger auf etwa 0,60% p.a. variabel sinkt.
Ähnliche Fest- und Tagesgeldkonten gibt es auch in Fremd-Währungen. Diese bieten je nach Land stellenweise höhere Renditen und haben dementsprechend ein nicht zu unterschätzendes Währungsrisiko. Auch Zinsen von 4 oder 5 Prozent nützen mir nichts, wenn im gleichen Zeitraum der Euro gegenüber der Fremd-Währung stark aufwertet.
Mein Fazit:
Am Ende bleibt die Cash-Frage für mich also weniger eine strategische Grundsatzentscheidung als vielmehr eine Frage des Zeithorizonts und meiner persönlichen Anlage-Strategie. In meiner langfristigen Vermögensanlage sehe ich persönlich nur wenige Gründe für eine dauerhafte Cashquote, denn ich bin der Meinung, dass Kapital arbeiten sollte.
Langfristige Aktien-Anlage braucht kein Timing. Wer die 10 besten Börsentage in einem Zeitraum von 20 Jahren verpasst, halbiert seine Rendite, wer die besten 20 besten Börsentage verpasst kann sogar eine negative Rendite erzielen, die Studien dazu sind eindeutig.
Ebenso eindeutig ist die Tatsache, dass sich viele dieser besonders starken Tage an eine Phase der Korrektur anschließen. Nicht investiert zu sein, ist also ohne richtig gutes Timing eine riskante Strategie.
Im aktiven Handel hingegen steigt die Liquiditätsquote von ganz allein, wenn bestehende Positionen verkauft werden, durch Gewinnmitnahmen, nachgezogene Stopps oder auch Verlustbegrenzungen. Finden sich in gewissen Marktphasen nicht genügend Chancen mit passendem Chance-Risiko-Verhältnis, dann ist Cash eine strategische Position.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: - - - Die Informationen in diesem Newsletter stellen keine Empfehlungen im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar.
Bildquellen: © Adobe Stock - photoschmidt - Nr. 410604679