Das kann man von Investment-Profis lernen...

(Lars Erichsen) Ray Dalio gehört zu den sehr bekannten Investoren der vergangenen Jahrzehnte. 1975 gründete er Bridgewater Associates zunächst in seiner New Yorker Wohnung und entwickelte das Unternehmen später zu einem der weltweit sehr renommierten Hedgefonds-Manager. Dalio ist heute allerdings nicht mehr für die Anlageentscheidungen bei Bridgewater verantwortlich. Er zog sich bereits 2020 aus dem operativen Investmentprozess zurück und verkaufte 2025 auch seine verbliebenen Anteile an der Gesellschaft.

Trotzdem wird das Portfolio von Bridgewater häufig weiterhin als „Ray-Dalio-Portfolio“ bezeichnet. Das ist verständlich, aber nicht mehr ganz korrekt. Die heutige Anlage-Strategie baut zwar auf vielen von Dalio entwickelten Grundsätzen auf, die konkreten Entscheidungen werden inzwischen jedoch vom aktuellen Bridgewater-Team getroffen.

Das US-Aktienportfolio von Bridgewater umfasst per Ende März 2026 insgesamt mehr als 900 Positionen mit einem Gesamtwert von rund 20 Mrd. US-Dollar.

Die folgende Tabelle listet die 40 größten Positionen auf, die das Herzstück der US-Aktienstrategie bilden:

Die Top 40 Positionen (Q1/2026)

Die Top 40 Positionen (Q1/2026)

1. Die größten Positionen sind keine Einzelaktien

Die mit Abstand größten Positionen sind der SPDR S&P 500 ETF und der iShares Core S&P 500 ETF. Zusammen machen beide Produkte rund 21% des veröffentlichten 13F-Portfolios aus.

2. Deutlicher Schwerpunkt auf Technologie und Halbleitern

Unter den größten Einzelpositionen befinden sich Amazon, Nvidia, Alphabet, Broadcom, Micron Technology, Microsoft, Taiwan Semiconductor, Lam Research, AMD, Marvell, Applied Materials, Meta, Arista Networks und KLA.

Damit ist das veröffentlichte Portfolio stark von Technologie, Halbleitern, Rechenzentren und KI-Infrastruktur geprägt. Allein unter den ersten 21 Positionen finden sich zahlreiche Unternehmen, die direkt oder indirekt vom Ausbau der weltweiten Rechenleistung profitieren.

Das Portfolio ist damit auf den ersten Blick technologielastiger, als viele Anleger bei Ray Dalio vermuten würden. Dieser Eindruck muss jedoch eingeschränkt werden: Das 13F zeigt weder mögliche Short-Positionen gegen Technologie-Aktien noch Positionen in Anleihen, Währungen, Rohstoffen oder anderen internationalen Märkten.

3. Goldproduzenten als Gegengewicht

Mit Newmont und Barrick gehören zwei große Goldproduzenten zu den bedeutenderen Positionen. Gold und Goldminen können in bestimmten Marktphasen anders reagieren als Technologie-Aktien, insbesondere bei Inflationsrisiken, geopolitischen Spannungen oder einer schwächeren Entwicklung des US-Dollars.

4. Breite Streuung

Die größten 40 Positionen vereinen rund 62% des veröffentlichten Portfoliowerts. Dahinter folgen mehrere Hundert kleinere Beteiligungen.

Diese hohe Zahl ist typisch für einen breit angelegten, systematischen Investmentansatz.

Diversifikation nach Risiken

Dalios Grundidee lautet nicht einfach, möglichst viele verschiedene Wertpapiere zu besitzen. Entscheidend ist, dass die zugrunde liegenden Risiken möglichst unterschiedlich auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren.

Zwei Aktien aus verschiedenen Branchen können beispielsweise trotzdem stark miteinander korrelieren, wenn beide von einem kräftigen Wirtschaftswachstum und niedrigen Zinsen abhängig sind. Eine echte Diversifikation entsteht daher erst, wenn ein Portfolio auf unterschiedliche wirtschaftliche Szenarien vorbereitet ist.

Dazu gehören beispielsweise:

• steigendes Wachstum
• fallendes Wachstum
• steigende Inflation
• fallende Inflation
• steigende Zinsen
• fallende Zinsen

Bridgewaters All-Weather-Konzept wurde mit dem Ziel entwickelt, ein Portfolio nicht von einer einzigen wirtschaftlichen Entwicklung abhängig zu machen.

Mein Fazit

Das aktuelle 13F-Filing von Bridgewater zeigt ein breit aufgestelltes Portfolio, das gleichzeitig deutliche Schwerpunkte bei US-Aktien, Technologie, Halbleitern und KI-Infrastruktur besitzt.

Die wichtigste Erkenntnis liegt jedoch nicht in der Frage, ob Anleger einzelne Bridgewater-Positionen kopieren sollten.

Interessanter ist die grundlegende Denkweise hinter Bridgewater: Risiken breit verteilen, wirtschaftliche Szenarien durchdenken, Annahmen systematisch überprüfen und das Portfolio nicht von einer einzigen Prognose abhängig machen.

Ray Dalios Ansatz zielt nicht darauf ab, in jedem Börsenjahr die höchstmögliche Rendite zu erzielen. Im Mittelpunkt steht ein Portfolio, das unter unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen möglichst stabil bleibt. Die Ergebnisse von Pure Alpha zeigen allerdings auch, dass selbst ein sehr aufwendiger und breit diversifizierter Ansatz längere schwache Phasen durchlaufen kann.

Das vielleicht wichtigste Learning lautet deshalb: Diversifikation ist keine Garantie für Gewinne. Sie ist vor allem ein Instrument, um Fehler, unerwartete Entwicklungen und falsche Prognosen besser überstehen zu können.

Kleiner Wermutstropfen: In Bridgewaters Pure Alpha können vor allem institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Staatsfonds, Versicherungen, Stiftungen und große Family Offices sowie ausgewählte sehr vermögende Privatanleger investieren. Voraussetzung ist regelmäßig der Status als „Qualified Purchaser“, bei Privatpersonen typischerweise mindestens 5 Mio. US-Dollar an anrechenbaren Investments, sowie die individuelle Zulassung durch Bridgewater.

Datenquellen: SEC 13F-Filings, Reuters Financial Data, Bloomberg Terminal, Institutional Investor


Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:

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