Die besten Momentum-ETFs!

(Lars Erichsen) Das Momentum-Konzept basiert auf der Beobachtung, dass Wertpapiere, die über einen Zeitraum von 6-12 Monaten eine überdurchschnittliche relative Stärke gegenüber dem Gesamt-Markt gezeigt haben, diese Entwicklung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit fortsetzen. Im Folgenden möchte ich daher die mechanischen Wirkungsweisen dieser Strategie sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken genauer beleuchten.

Das ist die Urspungsannahme

Der Momentum-Faktor nimmt eine besondere Rolle ein: Eigentlich geht man an der Börse davon aus, dass alle Informationen bereits in den Kursen stecken und man keinen Vorteil mehr hat. In der Praxis zeigt sich aber seit vielen Jahren, dass Aktien, die gut laufen, oft noch eine Zeit lang weiter steigen. Es gibt also wiederkehrende Muster, die Anleger nutzen können. Die besten ETFs, die genau auf dieses Phänomen setzen, stelle ich Euch in einer Übersicht vor.

Warum Momentum existiert

Das Momentum-Phänomen beschreibt die Tendenz von Wertpapieren, einen bestehenden Kurstrend beizubehalten. Wissenschaftlich wird dies oft durch 2 Haupteffekte erklärt:

1. Die verzögerte Informationsaufnahme: Marktteilnehmer reagieren oft zu langsam auf fundamentale Nachrichten (z.B. überraschend gute Quartalszahlen). Der Kurs steigt daher nicht abrupt, sondern graduell über einen längeren Zeitraum.

2. Die Übertreibungsphase: Sobald ein Trend etabliert ist, ziehen technische Kaufsignale und FOMO (Fear Of Missing Out) weitere Anleger an. Dies führt dazu, dass die Kurse über ihren fairen Wert hinaus steigen können.

Die Vorteile

• Systematische Trendpartizipation: Momentum-ETFs sind darauf programmiert, dort investiert zu sein, wo das Kapital hinfließt. In Phasen, in denen bestimmte Sektoren den Markt anführen, gewichtet der ETF diese Titel automatisch höher. Man investiert somit stets in die "Gewinner" des aktuellen Marktzyklus.

• Emotionslose Sektorrotation: Der größte Vorteil gegenüber einem diskretionären Ansatz ist die Regelgebundenheit. Der ETF und der zugrunde liegende Index schichten konsequent um, wenn die relative Stärke eines Titels nachlässt.

• Potenzial für Outperformance: Historisch betrachtet konnte der Momentum-Faktor über lange Zeiträume den breiten Markt (z.B. den MSCI World) schlagen. Besonders in ausgeprägten Bullen-Märkten fungiert Momentum oft als Renditebeschleuniger.


Momentum-ETFs

Quelle: www.justetf.com

Die Nachteile

• Anfälligkeit für Trendwenden: Dies ist das signifikanteste Risiko. Wenn der Gesamt-Markt plötzlich und heftig korrigiert oder ein schneller Sektorenwechsel stattfindet (Rotation von Growth zu Value), bricht Momentum oft überproportional ein.

• Pfadabhängigkeit des Rebalancings: Die Wirksamkeit der Strategie hängt stark vom Zeitpunkt der Index-Anpassung ab. Findet das Rebalancing nur halbjährlich statt, kann der ETF wichtige Marktbewegungen verpassen oder zu spät auf neue Trends reagieren. Bei den meisten Momentum-Indizes passiert die Anpassung der Index-Mitglieder halbjährlich.

• Konzentrationsrisiko: Da Momentum-ETFs nur die stärksten Titel wählen, kann es zu einer starken Klumpenbildung in einzelnen Branchen kommen. Dies reduziert die Diversifikation im Vergleich zu einem Welt-Index erheblich.


Momentum-ETFs


Bei den MSCI World und MSCI Europe Momentum Indizes erfolgt die tatsächliche Anpassung der Index-Mitglieder in der Regel halbjährlich, während der First Trust US Momentum ETF deutlich dynamischer vorgeht und seine Zusammensetzung quartalsweise neu festlegt.


Mein Fazit:

Momentum ist kein „Free Lunch“, sondern eine klar definierte Strategie, die darauf basiert, dass sich Verhaltensmuster der Marktteilnehmer immer wiederholen und Trends oft länger anhalten als viele erwarten. Für Anleger eröffnet sich damit die Chance auf eine Outperformance gegenüber dem Gesamt-Markt, gleichzeitig erfordert der Ansatz jedoch die Bereitschaft, Phasen zu akzeptieren, in denen der Faktor deutlich hinterherhinkt oder abrupt korrigiert.

Richtig eingesetzt kann Momentum dennoch eine sinnvolle Ergänzung im Depot sein, da es oft andere Marktphasen adressiert als klassische Strategien und dadurch zur Stabilisierung beitragen kann. Ich finde solche Momentum-ETFs durchaus spannend, vor allem im aktiven Handel, um gezielt von laufenden Trendphasen zu profitieren.



Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:

Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: - - - | Diese Position ist kein Bestandteil des exklusiven „Lars Erichsen“-Echtgeld-Depots. Die Informationen in diesem Newsletter stellen keine Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar.


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