Die schleichende Enteignung...

(Lars Erichsen) Es ist ein Phänomen, das wir alle spüren, sobald wir den Wocheneinkauf bezahlen oder die Energierechnung öffnen: Unser Geld verliert an Wert. Die offizielle Konsumentenpreis-Inflation (CPI) mag sich laut aktuellen Daten der Zentralbanken scheinbar einpendeln, so liegt die Kerninflation in den USA und Europa derzeit hartnäckig zwischen 2,5% und 3,3%.

Doch diese Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit. Sie bilden lediglich einen künstlichen Warenkorb ab, der die wahre Entwertung unseres Geldsystems verschleiert. Wer in den letzten Jahren geglaubt hat, sein Erpartes auf dem Tagesgeldkonto oder in vermeintlich sicheren Staatsanleihen inflationsgeschützt anzulegen, stellt fest, dass die reale Kaufkraft wegschmilzt wie Eis in der Sonne.

Der Debasement-Effekt

Der Grund dafür ist ein fundamentaler, psychologischer und ökonomischer Mechanismus: der sogenannte Debasement-Effekt. Es handelt sich hierbei um eine mathematische Enteignung. Während die breite Bevölkerung auf die Nominalwerte starrt und sich in falscher Sicherheit wiegt, enteignet das System die Sparer durch eine massive Ausweitung der Geldmenge und die daraus resultierende Assetpreis-Inflation.

Um das eigene Vermögen über die nächsten 10 Jahre zu retten, reicht es nicht mehr aus, nominell „keine Verluste“ zu machen. Wir müssen den Unterschied zwischen bloßen Geldwerten und echten Sachwerten verstehen. Denn während der Zeit der Geldentwertung gilt: Wer im Geldwert bleibt, gehört zu den Verlierern.

Die Illusion des Nominalwerts

Um die Tragweite dieser Entwicklung zu begreifen, müssen wir die Grenze zwischen zwei Anlageklassen ziehen: Geldwerte (Nominalwerte) und Sachwerte (Realwerte).

Unter Geldwerten verstehen wir alle Forderungen, die auf einen festen Nennwert lauten. Dazu gehören das klassische Bargeld, Sparguthaben, Tagesgeldkonten, aber auch Festgelder, Staats- und Unternehmens-Anleihen sowie vertraglich zugesicherte Pensions- und Rentenansprüche. Auf Ihrem Rentenbescheid steht z.B., dass Sie in Zukunft 2.000 Euro im Monat erhalten, auch wenn Sie eine Staatsanleihe im Wert von 10.000 Euro halten, dann bleibt diese Zahl unverändert.

Nominal steht dort die gleiche Summe, aber nicht die damit verbundene Kaufkraft. Steigt die Inflation schneller als die Verzinsung dieser Geldwerte, schrumpft der reale Gegenwert dieser Papiere. Rentenansprüche und Lebensversicherungen werden so zu einem Verlustgeschäft, weil sie den Kaufkraftverlust der realen Welt nicht ausgleichen können. Das ist besser, als nichts zu machen, aber schlechter, als es möglich wäre.

Demgegenüber stehen die Sachwerte. Ein Sachwert hat einen echten inneren Wert, weil er entweder physisch existiert oder einen konkreten Nutzen hat und zwar unabhängig davon, welche Währung betrachtet wird. Typische Beispiele sind Aktien, Rohstoffe, Immobilien, Edelmetalle sowie digitale, mathematisch begrenzte Güter wie Bitcoin.

Sachwerte zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei einer Verwässerung der Geldmenge im Preis steigen. Sie passen sich der inflationären Realität an. Ein Unternehmen erhöht bei steigenden Kosten seine Preise, wodurch der nominale Umsatz und der Aktienwert steigen. Gold kann nicht einfach unbegrenzt neu geschaffen werden wie etwa Geld per Knopfdruck durch Zentralbanken. Genau deshalb gilt Gold seit Jahren als verlässlicher Schutz für Kaufkraft und Vermögen.

Das könnte in der Zukunft passieren

Warum aber wird der Debasement-Effekt in den nächsten 10 Jahren noch verheerender wirken als in den vergangenen Dekaden? Die Antwort liegt in der strukturellen Überschuldung der globalen Staaten. Um die gigantischen Schuldenberge, die maroden Rentensysteme und die Kosten der demografischen Wende überhaupt noch finanzieren zu können, sind die Notenbanken weltweit gezwungen, die Zinsen real, also nach Abzug der Inflation, dauerhaft tief oder sogar negativ zu halten.

Wenn die Zentralbankgeldmenge schneller wächst als die reale Wirtschaftsleistung, kommt es unweigerlich zum „Debasement“. Das verhindert den Zusammenbruch der Systeme und hat somit auch einen nützlichen Effekt, wer aber bei diesem Prozess nur die Rolle des Zuschauers einnimmt, wird die negativen Auswirkungen spüren.

Das zeigt die Historie

Historisch betrachtet ist diese Art der monetären Verwässerung kein neues Phänomen, sondern ein wiederkehrendes Muster im Endstadium von ungedeckten Papierwährungssystemen.

Ein klassisches Beispiel ist das Römische Reich: Im 1. Jahrhundert n. Chr. bestand der römische Denarius noch zu über 90% aus reinem Silber. Um militärische Handlungen und Staatsausgaben zu finanzieren, minderten die Kaiser über die Jahrzehnte hinweg den Edelmetall-Anteil immer weiter ab, bis der Denarius im 3. Jahrhundert n. Chr. weniger als 5% Silber enthielt. Das Resultat war eine sehr hohe Inflation und der Vertrauensverlust der Bevölkerung in das Geldwesen.

Ein moderneres Beispiel ist die Weimarer Republik im Jahr 1923: Um die Kriegsschulden und Reparationen zu begleichen, druckte der Staat unbegrenzt Papiergeld. Während die Sparer, die ihr Geld auf Bankkonten oder in Kriegsanleihen (Nominalwerten) hielten, sprichwörtlich über Nacht alles verloren, konnten diejenigen, die rechtzeitig in Sachwerte investierten, ihr Vermögen sichern oder durch die Entwertung ihrer nominalen Schulden sogar profitieren.

Heute erleben wir eine andere Form davon. Gemeint ist die Entwicklung immer weiter steigender Assetpreise. Das wirkt wie eine schleichende Entwertung und kann langfristig ähnliche Folgen haben.

Während die offizielle Konsumentenpreis-Inflation (die Brötchen und Energie misst) durch statistische Anpassungen oft moderat gerechnet wird, explodieren die Preise für Vermögenswerte (Assets) wie erstklassige Immobilien, Aktien und alternative Investments. Das Geld verliert gegenüber diesen knappen Gütern rasant an Wert. Wer spart, schaut zu, wie die Hürde für Wohneigentum oder den Aufbau eines echten Vermögens jedes Jahr höher hängt.


Debasement-Effekt


Der wirksame Schutz

Ein wirksamer Schutz gegen diesen schleichenden Kaufkraftverlust ist neben der Allokation in Immobilien auch die gezielte Beimischung weiterer Sachwerte wie:

Aktien: Sie verbriefen den Anteil an der globalen Wertschöpfung. Erstklassige Unternehmen besitzen Preissetzungsmacht und können die Inflation an die Endverbraucher weitergeben.

Edelmetalle wie Gold und Silber gelten seit Jahren als Vermögenswerte, die nicht beliebig vermehrbar sind und kein klassisches Gegenparteirisiko tragen.

Bitcoin bietet durch seine mathematische Limitierung auf 21 Millionen Einheiten einen guten Schutz gegen die Geldmengenausweitung.


Mein Fazit

Der „Debasement Effekt“ ist aus meiner Sicht kein kurzfristiges Phänomen, sondern ein fester Bestandteil unseres heutigen Finanzsystems. Staaten haben sich historisch immer wieder über Inflation und Geldentwertung entschuldet und am Ende trifft das vor allem diejenigen, die auf die Stabilität des Geldwerts vertrauen.

Wer Vermögen über viele Jahre hauptsächlich in Bargeld, Tagesgeld oder langfristigen Anleiheforderungen hält, verliert oft schleichend an realer Kaufkraft, auch wenn der nominale Wert zunächst stabil aussieht.




Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
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