Ist Strategy die bessere Bitcoin-Wette?

(Lars Erichsen) Strategy ist längst kein klassisches Software-Unternehmen mehr, wie man es von früher noch kennt. Ja, die Firma verdient operativ weiterhin ihr Geld mit Datenanalyse Software für Unternehmen. Im Geschäftsjahr 2025 lagen die Erlöse aus diesem Softwaregeschäft bei 477,2 Mio. US-Dollar. Das ist das laufende operative Geschäft, also das, womit Strategy im Alltag tatsächlich Umsatz macht.

Trotzdem greift dieses Bild heute zu kurz. Denn gemessen an der gesamten Bilanz spielt das Softwaregeschäft inzwischen nur noch eine Nebenrolle. Zum Jahresende 2025 wies Strategy Vermögenswerte von insgesamt 61,64 Mrd. US-Dollar aus. Setzt man die 477,2 Mio. US-Dollar Umsatz dazu ins Verhältnis, entspricht das nur rund 0,77 Prozent. Anders gesagt: Das operative Softwaregeschäft ist da, aber im Gesamtbild des Unternehmens praktisch unbedeutend.

Das ist der Geschäftsschwerpunkt

Der eigentliche Schwerpunkt hat sich klar verschoben. Strategy bezeichnet sich heute selbst als weltweit größte Bitcoin Treasury Company und verfolgt klar das Ziel, langfristig immer mehr Bitcoin als strategische Reserve aufzubauen. Das Unternehmen sammelt über Aktien, Vorzugsaktien und andere Finanzierungs-Instrumente Kapital ein, um damit vor allem Bitcoin zu kaufen.

Das waren die letzten Maßnahmen

Die Dynamik dieser Strategie zeigt sich besonders in den jüngsten Käufen. Zwischen Ende Februar und Mitte März 2026 wurden in mehreren Tranchen zehntausende Bitcoin erworben, finanziert unter anderem über sogenannte At-the-Market-Programme, also fortlaufende Kapitalerhöhungen über den Markt.

Wenn man den März isoliert betrachtet, wird erst richtig deutlich, wie aggressiv Strategy in dieser Phase vorgegangen ist. Das Unternehmen hat seine Bitcoin-Position in kurzer Zeit massiv ausgebaut und dabei gezielt unterhalb des bisherigen Durchschnittspreises nachgekauft.

In Summe hat Strategy im März 2026 rund 44.000 Bitcoin zusätzlich erworben. Der Kapitaleinsatz lag dabei bei knapp 3,1 Mrd. US-Dollar. Die einzelnen Käufe fanden überwiegend im Preisbereich zwischen etwa 67.000 und 71.000 Dollar statt, also bewusst unterhalb des bestehenden Durchschnitts. Dadurch konnte das Unternehmen seinen durchschnittlichen Einstiegspreis leicht senken beziehungsweise stabilisieren.

Nach Abschluss dieser Kaufserie lag der Gesamtbestand Ende März bei 762.099 Bitcoin. Die gesamten Anschaffungskosten beliefen sich auf rund 57,69 Mrd. US-Dollar, was einem durchschnittlichen Kaufpreis von etwa 75.700 US-Dollar je Bitcoin entspricht. Diese Zahlen stammen direkt aus den veröffentlichten 8-K-Pflichtmitteilungen an die SEC und gelten damit als belastbare Referenzgröße.

Das fällt auf

Neben den Käufen gab es im März noch eine zweite, mindestens genauso wichtige Entwicklung: Strategy hat parallel seine Finanzierungsstruktur weiter ausgebaut. Das Unternehmen nutzte weiterhin konsequent At-the-Market-Programme, also fortlaufende Aktienverkäufe, um Kapital für die Bitcoin-Käufe einzusammeln. Gleichzeitig wurden Anpassungen an bestehenden Finanzierungs-Instrumenten vorgenommen, unter anderem bei Vorzugsaktien, um die Kapitalaufnahme weiter zu flexibilisieren.

Unterm Strich zeigt der März ein sehr klares Bild: Strategy kauft nicht nur weiter Bitcoin, sondern skaliert diese Strategie aktiv über den Kapitalmarkt. Die Kombination aus hohem Kaufvolumen, gezieltem Nachkaufen unterhalb des Durchschnittspreises und parallel laufender Finanzierung ist der zentrale Mechanismus hinter der gesamten Investmentstory.


Strategy

Quelle: www.tradingview.com

Mein Fazit

Die Aktie ist ein strukturiertes, kapitalmarktgetriebenes Konstrukt, dessen Entwicklung von mehreren Faktoren gleichzeitig abhängt: Bitcoin-Preis, Refinanzierungsfähigkeit, Verwässerung und Finanzierungskosten. Die jüngsten Zahlen und Maßnahmen bestätigen dieses Bild. Massive Kapitalprogramme, steigende Dividendenverpflichtungen und gleichzeitig hohe Buchverluste im Krypto-Portfolio erhöhen die Komplexität und das Risiko.

Es gab Phasen, in denen sich die Aktie deutlich stärker entwickelt hat als Bitcoin selbst, weil dieser Hebel vom Markt gespielt wurde. In anderen Phasen, zuletzt eher, lief die Aktie schwächer oder reagierte deutlich sensibler auf Themen wie Verwässerung oder Finanzierung.

Wer gezielt Bitcoin-Exposure sucht, bekommt dieses bei Strategy nicht isoliert, sondern mit zusätzlicher Volatilität und strukturellem Risiko durch die Kapitalstruktur. Genau deshalb ist die Aktie aus meiner Sicht kein überzeugendes Investment.



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