Öl-ETFs im Check

(Lars Erichsen) Öl rückt derzeit wieder stärker in den Fokus der Märkte. Spätestens seit dem Angriff der USA auf den Iran ist das Thema Energie-Versorgung erneut hochaktuell. Entsprechend heftig reagierten auch die Märkte: Die Preise für Brent-Futures sind innerhalb einer Woche zeitweise um rund 20% gestiegen. Solche Bewegungen zeigen einmal mehr, wie sensibel der Öl-Markt auf geopolitische Spannungen reagiert und wie stark sich diese Entwicklungen auch auf andere Anlageklassen auswirken können.

Von steigenden Öl-Preisen profitieren

Für Anleger stellt sich damit zwangsläufig die Frage, wie man sinnvoll in dieses Thema investieren kann. Zwar gibt es Produkte wie ETCs, die direkt auf den Brent-Future setzen, doch diese eignen sich aus meiner Sicht meist eher für kurzfristige Spekulationen als für langfristige Investments. Gerade durch Mechanismen wie Rollgewinne oder Rollverluste können solche Produkte stark von der eigentlichen Ölpreis-Entwicklung abweichen.

Mein Investmentansatz

Mein Ansatz ist daher ein anderer: Für langfristige Investments schaue ich weniger auf den kurzfristigen Öl-Preis, sondern vielmehr auf den gesamten Sektor. Besonders interessant sind dabei ETFs auf Öl- und Gasproduzenten sowie auf Dienstleister der Branche.

Sie profitieren langfristig von hohen Energiepreisen, sind zugleich breiter aufgestellt und bieten damit aus meiner Sicht eine solidere Möglichkeit, am Thema „schwarzes Gold“ zu partizipieren.

Anbei 2 ETFs mit Fokus auf Europa:


2 ETFs mit Fokus auf Europa


Der iShares STOXX Europe 600 Oil & Gas ETF bildet den STOXX® Europe 600 Oil & Gas Index nach. Gut 39% der Unternehmen stammen aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Deutschland kommen jeweils auf 17%. Zu den Top-Holdings des ETFs gehören Shell, TotalEnergies, Eni und BP.

Der Invesco European Oil & Gas Sector ETF bietet Zugang zu einer Auswahl sehr liquider Titel aus dem europäischen Öl- und Gas-Sektor. Länderschwerpunkte sind Frankreich mit 20%, gefolgt von Deutschland mit 19%. Unter den Top-Holdings befinden sich Konzerne wie Repsol, Equinor, Shell und Eni.

Wer auf den US-Energiemarkt setzen möchte, findet ebenfalls passende ETFs. 2 interessante Beispiele habe ich hier einmal zusammengestellt:


US-Energiemarkt



Der iShares Oil & Gas Exploration & Production ETF bietet Zugang zu Aktien der größten börsennotierten Unternehmen, die in die Exploration und Förderung von Öl und Gas weltweit involviert sind. Etwa 60% der Unternehmen stammen aus den USA. Unter den Top 10-Positionen befinden sich Konzerne wie Conocophilips, Devon Energy und EQT.

Der VanEck Oil Services UCITS ETF bietet Zugang zu Unternehmen, die in die Exploration und Förderung von Öl involviert sind. Das maximale Gewicht eines Unternehmens im Index ist auf 10% begrenzt. 70% der Unternehmen stammen aus den USA. Dazu zählen Konzerne wie Schlumberger, Baker Hughes und Halliburton.

Der iShares S&P 500 Energy Sector ETF bietet Zugang zum US-Energiesektor. Das Gewicht des größten Unternehmens im Index ist auf 35% begrenzt, das Gewicht aller weiteren Unternehmen auf 20%. Zu den Top-Positionen des ETFs zählen ExxonMobil, Chevron und Conocophillips.


Mein Fazit:

Der Öl-Sektor hat in den vergangenen Monaten eine starke Rallye hingelegt. Viele Öl-Aktien notieren inzwischen nahe ihrer Allzeithochs, obwohl der Öl-Preis selbst noch deutlich darunter liegt. Um das mal hier genau zu bennen: Aktuell notiert der Brent Öl bei etwa 90 US-Dollar, Anfang März 2022 lag der Preis bei etwa 125 US-Dollar.

Für langfristig orientierte Anleger erscheint deshalb ein Investment in Öl- und Energie-Unternehmen ein sinnvoller Einstieg zumal hier zusätzlich Dividendenzahlungen eine Rolle spielen können.

Gleichzeitig sollte man im Hinterkopf behalten: Jede geopolitische Entspannung oder ein Rückgang der Risikoprämie könnte daher kurzfristig Druck auf Öl-Aktien und entsprechende ETFs ausüben. Für langfristige Investoren können solche Rücksetzer jedoch eher interessante Einstiegsgelegenheiten darstellen.



Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: - - - | Diese Position ist kein Bestandteil des exklusiven „Lars Erichsen“-Echtgeld-Depots. Die Informationen in diesem Newsletter stellen keine Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar.


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