Steigende Zinsen

Banken wieder im Fokus!

(Lars Erichsen) Nachdem Bank-Aktien noch Anfang Februar teilweise neue Allzeithochs markiert hatten, hat sich das Umfeld zuletzt spürbar eingetrübt. Neben der allgemeinen Marktunsicherheit hat insbesondere die geopolitische Eskalation im Nahen Osten für neue Nervosität gesorgt, was sich auch im Banken-Sektor bemerkbar macht. Viele Titel befinden sich seit mehreren Wochen in einer klaren Konsolidierungsphase, nachdem die zuvor starke Rallye erst einmal ausgebremst wurde.

Genau das macht die aktuelle Situation aber umso spannender, denn nach der Dynamik der vergangenen Monate ist es ein guter Zeitpunkt, den Sektor wieder genauer unter die Lupe zu nehmen. Vor diesem Hintergrund habe ich meinen Blick gezielt auf 2 Schwergewichte aus dem Banken-Sektor gerichtet: Goldman Sachs auf der US-Seite und die spanische Großbank Banco Santander in Europa.

Big in America

Die US-Investmentbank Goldman Sachs gehört zu den bedeutendsten Instituten der Welt und weist mit einem Kursplus von etwa 155% auf Sicht von 3 Jahren sowie einem Zuwachs von gut 37% im letzten Jahr eine überdurchschnittliche Performance auf.

Das Hauptgeschäft der Bank gliedert sich primär in die Bereiche Global Banking & Markets sowie Asset & Wealth Management, wobei die höchsten Erträge traditionell im Bereich Global Banking & Markets durch den Handel mit Wertpapieren und die Beratung bei Fusionen sowie Übernahmen generiert werden. Geografisch betrachtet erzielt das Unternehmen den mit Abstand höchsten Umsatz im Heimatmarkt, den Vereinigten Staaten.

Goldman Sachs zahlt regelmäßig Dividenden an seine Aktionäre aus und hat diese im 1. Quartal 2026 auf 4,50 US-Dollar pro Stammaktie erhöht. Im März 2026 äußerten sich Analysten überwiegend positiv zur Aktie, da die Bank von einer anziehenden Aktivität bei Börsengängen und Firmenzusammenschlüssen profitiert und die Eigenkapitalrendite deutlich steigern konnte.

Goldman Sachs zahlt regelmäßig Dividenden an seine Aktionäre

Big in Europe

Die spanische Banco Santander zählt zu den bedeutendsten Finanzinstituten Europas und weist mit einem Kursplus von rund 217% auf Sicht von 3 Jahren sowie einem Zuwachs von gut 49% im letzten Jahr eine exzellente Performance auf. Das Hauptgeschäft der Bank basiert auf dem klassischen Privat- und Firmenkundengeschäft sowie dem Bereich Wealth Management & Insurance, wobei die Erträge maßgeblich durch den Nettozinsertrag und das Provisionsgeschäft generiert werden.

Die meisten Erträge erzielt das Institut in seinen Kernmärkten in Europa und Südamerika, wobei Brasilien und Spanien traditionell zu den wichtigsten Ertragssäulen gehören. In geografischer Hinsicht wird der mit Abstand höchste Umsatz im Heimatmarkt Spanien sowie in Brasilien erwirtschaftet.

Die Banco Santander schüttet regelmäßig Dividenden an ihre Aktionäre aus und hat für das Geschäftsjahr 2025 eine finale Bardividende von 12,50 Euro-Cent pro Aktie angekündigt, die im Mai 2026 ausgezahlt werden soll.

Im März 2026 äußerten sich Analysten mehrheitlich positiv, wobei Institute wie Barclays die Aktie weiterhin mit „Overweight“ einstufen und auf die starke Eigenkapitalrendite sowie die umfangreichen Aktienrückkaufprogramme verweisen. Die Experten betonen in ihren Berichten besonders die erfolgreiche digitale Transformation und die robuste Profitabilität in einem stabilen Zinsumfeld.

Die Banco Santander schüttet regelmäßig Dividenden an ihre Aktionäre aus

Rückenwind für Banken

Die anhaltend angespannte geopolitische Weltlage und die daraus resultierenden hohen Energiepreise schüren erneut die Sorge vor einem Inflationsschub, was die Zentralbanken derzeit eher über weitere Zinserhöhungen als über baldige Zinssenkungen nachdenken lässt.

Historisch lässt sich belegen, dass steigende Zinsen die Zinsmargen von Banken deutlich erhöhen, da die Institute die höheren Kreditzinsen für Kunden meist sofort anpassen, während sie die Zinsen für Spareinlagen nur verzögert weitergeben.

Laut Analysen der BaFin und der Deutschen Bundesbank zur Zinswende ab 2022 stieg die Rentabilität europäischer Banken signifikant an, weil der Abstand zwischen den Einnahmen aus Ausleihungen und den Refinanzierungskosten (Net Interest Margin) durch den steilen Anstieg der Leitzinsen massiv ausgeweitet wurde.

Ein konkreter Beweis ist der Anstieg der Eigenkapitalrendite im EU-Bankensektor auf über 10% im Jahr 2024/2025, was direkt auf die verbesserte Zinssituation im Vergleich zur vorherigen Nullzinsphase zurückzuführen ist.


Anstieg der Eigenkapitalrendite im EU-Bankensektor



Mein Fazit
Unterm Strich blicke ich auf den Banken-Sektor aktuell mit einer vorsichtig konstruktiven Haltung, ohne daraus jetzt eine konkrete Handlung abzuleiten. Was ich dabei nicht ausblende: Banken gehören zu den wenigen Sektoren, die in einem Umfeld erhöhter Inflation und länger anhaltend höherer Zinsen strukturell profitieren können, insbesondere über ihre Zinsmargen, auch wenn das nie gleichmäßig und ohne Rückschläge verläuft.

Die aktuelle Korrektur fühlt sich für mich deshalb weniger wie ein strukturelles Problem an, sondern eher wie eine gesunde Konsolidierung nach einer sehr starken Phase in den vergangenen Jahren. Genau deshalb habe ich das Gefühl, dass sich hier im weiteren Verlauf wieder eine interessante Ausgangslage entwickeln könnte, die man aufmerksam begleiten sollte, ohne vorschnell Schlüsse zu ziehen.



Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
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