Über 50% Wachstum mit diesem KI-Trend!
(Lars Erichsen) Künstliche Intelligenz bleibt eines der zentralen Themen an den Börsen, wobei sich der Fokus zunehmend von reinen KI-Modellen auf konkrete Anwendungen und Automatisierung verlagert. Ein Bereich, der dabei stärker in den Vordergrund rückt, ist die sogenannte agentische KI, bei der KI-Agenten nicht nur auf einzelne Anfragen reagieren, sondern selbstständig mehrstufige Aufgaben planen, Entscheidungen treffen und dafür externe Programme oder Datenquellen nutzen können.
Enormes Wachstumspotenzial
Agentische KI befindet sich 2026 noch in einer frühen Phase der kommerziellen Verbreitung, die aktuellen Prognosen gehen für die kommenden Jahre allerdings von stark steigenden Investitionen aus. Besonders deutlich wird das bei Unternehmens-Software. Gartner erwartet in einer im Februar 2026 veröffentlichten weltweiten Prognose, dass der Markt für funktionsübergreifende KI-Agenten und Assistenten bis 2030 auf mehr als 23 Mrd. US-Dollar anwachsen wird.
Für den Zeitraum bis 2030 entspricht das laut Gartner einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 59%. Dabei geht es um Systeme, die nicht nur Informationen erzeugen, sondern Arbeitsabläufe über verschiedene Unternehmensfunktionen hinweg unterstützen und zunehmend selbstständig ausführen können.
Noch wesentlich größer fällt eine zweite Gartner Prognose aus, die einen deutlich breiteren Teil des Software-Marktes betrachtet. Gartner beziffert die Ausgaben für Software mit agentischen KI Funktionen bis 2030 auf 985 Mrd. US-Dollar und erwartet zwischen 2025 und 2030 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 62,7%.

KI-Agenten in der Praxis
Ein US-Konzern, der auf agentische KI setzt, ist Circle, ein Finanztechnologie-Unternehmen und Herausgeber des an den US-Dollar gekoppelten Stablecoins USDC. Das Unternehmen baut seine Produkte zunehmend darauf aus, dass künftig nicht nur Menschen, sondern auch KI-Programme selbstständig Zahlungen ausführen können. CEO Jeremy Allaire hat mehrfach betont, dass KI-Agenten eine wichtige Rolle in der digitalen Wirtschaft spielen sollen, weshalb Circle unter anderem digitale Geldbörsen und Zahlungslösungen speziell für solche Systeme entwickelt.
Bei Airbnb wird KI bereits konkret im Kundenservice eingesetzt und kann dort viele Anfragen selbstständig bearbeiten, ohne dass ein Mitarbeiter eingreifen muss. Im 2. Quartal 2026 konnten laut Airbnb rund 45% der Anfragen, die über den KI Assistenten gestartet wurden, vollständig automatisiert gelöst werden, gleichzeitig sanken die Kosten für den Kundenservice pro Buchung um rund 16%t gegenüber dem Vorjahr.
Zwei Kandidaten
Salesforce und Microsoft gehören zu den großen Software-Konzernen, die den Einsatz agentischer KI bereits aktiv vorantreiben. Dabei geht es nicht mehr nur um klassische Assistenzfunktionen, sondern um KI-Systeme, die Aufgaben selbstständig planen, ausführen und innerhalb bestehender Unternehmens-Software Prozesse übernehmen können. Beide Unternehmen verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze.
Salesforce
Bei Salesforce steht vor allem Agentforce im Mittelpunkt. Das Unternehmen meldete für das 1. Quartal des Geschäftsjahres 2027 bereits einen annualisierten wiederkehrenden Umsatz von 1,2 Mrd. US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Wachstum von 205%.

Microsoft
Microsoft ist mit Copilot Studio, Foundry Agent Service und weiteren KI-Agenten ebenfalls breit in diesem Markt positioniert. Einen separaten Umsatz nur für dieses Geschäft weist Microsoft bislang allerdings nicht aus. Die Größenordnung des gesamten KI-Ökosystems ist dennoch erheblich. Microsoft verfügt über mehr als 30 Millionen zahlende Microsoft-Copilot-Nutzerplätze. Zudem teilt der Konzern mit, dass fast 90% der 500 größten US-Unternehmen KI-Agenten einsetzen, die mit Microsofts Werkzeugen erstellt wurden und selbstständig bestimmte Aufgaben und Arbeitsabläufe übernehmen können.

Mein Fazit
Agentic-AI gehört für mich zu den spannendsten Bereichen innerhalb des großen KI-Trends. Ich sehe hier auch für die kommenden Jahre erhebliches Wachstumspotenzial, da KI-Agenten zunehmend selbstständig Aufgaben und komplette Arbeitsabläufe in Unternehmen übernehmen können.
Wer das Thema Agentic-AI breiter über einen ETF abdecken möchte, hat es derzeit allerdings nicht leicht. Einen reinen Agentic-AI-ETF, der als UCITS ETF für deutsche Anleger verfügbar ist, gibt es aktuell nicht. In den USA ist man bereits einen Schritt weiter: Dort hat SoFi mit dem Agentic AI ETF AGIQ einen speziell auf dieses Thema ausgerichteten ETF aufgelegt.
Aktuell bin ich im aktiven „Lars Erichsen“-Depot bei den „Rendite-Spezialisten“ nach Teilgewinn-Mitnahmen in Microsoft investiert. Hierbei handelt es sich aber nicht um eine längerfristige Position.
| Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: Microsoft | Diese Position ist Bestandteil des „Rendite-Spezialisten“-Depots. Die Informationen in diesem Newsletter stellen keine Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar. |