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Aktienanlage – Immer auf die Gewinner setzen?

Welche Unternehmen liegen in Zukunft an der Spitze?

Aktienanlage – Immer auf die Gewinner setzen?

(Lars Erichsen) Wer an der Börse investiert, der möchte gerne auf die Gewinner von morgen und auf die Marktführer setzen. Was sind in fünf Jahren die wertvollsten Unternehmen der Welt?

Aktuell wird die Liste der Top 10 dominiert von US-Aktien und ganz an der Spitze stehen die Global Player aus den Branchen Technologie und Internet wie Apple, Amazon, Microsoft, Facebook und Alphabet (Google).

Es ist schwer zu glauben, dass diese fünf Aktien nicht auch in fünf oder zehn Jahren bei der Börsenbewertung ganz vorne stehen. Denn schließlich sind die Produkte und Dienstleistungen dieser Unternehmen weltweit Teil des Alltags der Menschen geworden. Die Aktien gehören daher in jedes Depot, oder nicht?

Die 10 Unternehmen mit der aktuell höchsten Börsenbewertung weltweit:

Die 10 Unternehmen mit der aktuell höchsten Börsenbewertung weltweit

Noch 2010 schien der Aufstieg der China-Aktien klar:

Doch mit Prognosen ist das so eine Sache. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie leicht man mit Vorhersagen danebenliegen kann. Im Jahr 2010 z.B. gingen viele davon aus, dass in zehn Jahren – also 2020 – zahlreiche chinesische Unternehmen in den Top 10 der Aktien mit der höchsten Marktkapitalisierung auftauchen werden.

Damals befanden sich mit dem Ölkonzern Petrochina, den Banken ICBC und China Construction Bank sowie dem Mobilfunkkonzern China Mobile bereits vier Aktien aus China in den Top 10. Aus den USA stammten nur vier Top-10-Aktien nämlich Exxon Mobil, Apple, Microsoft und Berkshire Hathaway.

Die 10 Unternehmen mit der höchsten Börsenbewertung 2010:

Die 10 Unternehmen mit der höchsten Börsenbewertung 2010

Chinas Wirtschaft ist seitdem sehr viel stärker gewachsen als die der USA und so schien es klar, dass der Anteil der chinesischen Aktien in den Top 10 weiter zunimmt.

Zu diesem Schluss kam auch Christian Kempe von der Focam AG in einer damals veröffentlichten Studie. Viele hätten zudem damit gerechnet, dass auch Aktien aus anderen Schwellenländern in die Top 10 aufsteigen.

Die Internet-Konzerne stürmen die Top 10

Doch wie wir heute wissen, kam es anders. Der rasante Aufstieg der großen Internet-Konzerne hat deren Marktkapitalisierung explodieren lassen. Exxon Mobil, das gemessen am Börsenwert teuerste Unternehmen im Jahr 2010, ist heute in etwa so viel wert wie 2010, Apple und Amazon sind allerdings inzwischen dreimal so wertvoll wie der Ölkonzern.

Und die beiden China-Aktien, die heute unter den Top 10 zu finden sind, nämlich Tencent und Alibaba, waren vor acht Jahren gerade einmal in der Gründungsphase. Nur wenige hätten erwartet, dass sie bei der Börsenbewertung solche Riesen wie Petrochina oder ICBC abhängen.

Aber wenn selbst Börsenprofis in einem Zeitraum von acht Jahren mit ihren Prognosen so danebenliegen können, was ist dann erst in längeren Zeiträumen der Fall?

Schließlich liegt unserer Fokus auf der langfristigen Anlage für die Altersvorsorge, da sprechen wir von einem Anlagehorizont von 20 bis 30 Jahren oder sogar mehr.

1990 dominierten noch japanische Aktien

Besonders skurril wird es, wenn wir uns die Liste der wertvollsten Unternehmen der Welt im Jahr 1990 ansehen. Damals befanden sich sechs japanische Konzerne unter den Top 10!

Das teuerste Unternehmen der Welt war Nippon Telegraph & Telephone. Nach einigem Auf und Ab liegt deren Börsenbewertung heute in etwa so hoch wie vor 28 Jahren. Die japanischen Banken in der Liste sind überwiegend durch Fusionen in anderen Instituten aufgegangen.

Die 10 Unternehmen mit der höchsten Börsenbewertung 1990:

Die 10 Unternehmen mit der höchsten Börsenbewertung 1990

Rückblickend erscheint es klar, dass in Japan damals eine durch extreme Steigerungen bei den Immobilienpreisen getriebene Börsenblase im Gange war. Aber zu der Zeit selbst rechneten die meisten Experten damit, dass japanische Unternehmen noch lange weltweit Spitze bleiben.

Sicher hätte kaum jemand erwartet, dass 28 Jahre später japanische Aktien global gesehen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

Zehn Jahre vorher, im Jahr 1980, dominierten die Aktien aus der Ölbranche die Top 10. In den 1970er Jahren war der Ölpreis stark gestiegen und das hatte die Titel der Branche – von Exxon Mobil über Chevron und BP bis Royal Dutch Shell – nach oben gespült.

Spitzenplätze sind selten von Dauer

Der Blick in die Geschichte zeigt: Ein Platz an der Spitze der wertvollsten Unternehmen der Welt ist keine Garantie, dass die jeweilige Aktie auch in Zukunft ein attraktives Investment ist – aber es spricht auch nicht unbedingt dagegen.

Der Ölkonzern Exxon Mobil z.B. konnte sich über Jahrzehnte unter den Top 10 behaupten, ebenso übrigens wie z.B. General Electric und IBM. Aber General Electric stürzte zuletzt auf den tiefsten Stand seit 2009 ab und die IBM-Aktie ist aktuell gerade einmal so viel wert wie 1999.

Auch Apple kann sich nun schon mehr als sieben Jahre ganz vorne behaupten und es ist auch nicht auszuschließen, dass der iPhone-Konzern auch in 10 Jahren noch in den Top 10 oder zumindest im erweiterten Kreis zu finden ist. Aber irgendwann folgt auf den Aufstieg der Abstieg, das ist der Regelfall.

China steigt auf – Europa fällt weiter zurück?

Wie sehen also die Top 10 in zehn Jahren aus? Wahrscheinlich werden tatsächlich einige chinesische Aktien in der Liste vertreten sein. Internet-Unternehmen wie Alibaba und Tencent wachsen noch schneller als ihre US-amerikanischen Pendants. Die chinesische Börse zeigte zwar in den letzten Monaten eine Underperformance, das wird aber vermutlich langfristig nichts so bleiben.

Sehr wahrscheinlich wird auch in zehn Jahren kein europäisches Unternehmen in den Top 10 zu finden sein. Das ist aber kein Grund als Europäer in Sack und Asche zu gehen. China muss immer noch aufholen und wächst deutlich schneller als der "alte Kontinent". Wegen des großen chinesischen Binnenmarktes ist es nur natürlich, dass dort große Unternehmen entstehen.

Sicher hat Europa aber auch viele Trends verschlafen, z.B. den zu Quasi-Monopolen im Internet. Diese wurden von US-Konzernen wie Amazon, Google oder Facebook errichtet. Aber solche Monopolstellungen bergen auch Gefahren, wenn sie durch staatliche Regulierung angegriffen werden (Beispiel Facebook) oder wenn sie von innen verfaulen.

Nichts ist sicher

In die Liste der Top 10-Aktien nach Marktkapitalisierung aufzusteigen, ist meist auch ein Hinweis auf unternehmerischen Erfolg. Doch der muss nicht von Dauer sein und hängt manchmal auch von Zyklen ab. So lagen 1980 z.B. Öl-Aktien an der Spitze und 1990 japanische Aktien. Heute sieht das ganz anders aus.

Es ist daher alles andere als sicher, dass in zehn Jahren immer noch dieselben Internet- und Tech-Aktien vorne zu finden sind – auch wenn man sich das angesichts der Größe von Apple, Amazon & Co. im Moment nur schwer vorstellen kann.

Fazit

sprechblase Kurz und kompakt

Es kommt nicht darauf an, dass Sie die größten Aktien des Planeten im Portfolio haben, sondern die Aktien erfolgreicher Unternehmen. Das können auch kleine Titel sein, z.B. von Unternehmen, die in Nischenmärkten tätig sind und dort eine herausragende Stellung besitzen. Solche Unternehmen finden sich auch in Europa.

Sicher ist es gut, sich zu überlegen, welche Produkte und Dienstleistungen auch in zehn Jahren noch gefragt sein werden, aber den technologischen Fortschritt kann niemand wirklich prognostizieren.

Technologische Veränderungen können Unternehmen nach oben spülen, die heute noch keiner kennt und etablierte Großkonzerne können den Anschluss verlieren. Eastman Kodak oder Nokia sind prominenten Beispiele dafür aus den letzten Jahrzehnten.

Es kommt daher darauf an, dass Sie sich von aktuellen Erfolgen nicht allzu sehr blenden lassen. Wichtig ist es natürlich auch, dass Sie Aktien aus verschiedenen Branchen im Portfolio haben, denn so lassen sich Rückschläge bei einzelnen Titeln gut verdauen. Ganz verkehrt wäre es, heute nur oder überwiegend auf Internet-Aktien zu setzen.

Und auch wenn hektisches Hin und Her in der langfristigen Aktienanlage falsch ist: An einer regelmäßigen Überprüfung des Aktienportfolios führt kein Weg vorbei.

Lars Erichsen
Wenig Zeit?
Bildquellen:
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