CoreWeave
Eine heiße KI-Wette!
(Lars Erichsen) Die Künstliche Intelligenz ist weiterhin ein beherrschendes Investment-Thema an den Aktien-Märkten. Milliarden-Investitionen in Rechenzentren, Chips, Stromversorgung und Cloud-Infrastruktur zeigen, dass die großen Technologie-Konzerne ihre KI-Strategien konsequent weiter ausbauen. Gleichzeitig richtet sich der Blick der Investoren zunehmend auf die Unternehmen, die diese Infrastruktur überhaupt erst ermöglichen.
Genau hier setzt auch mein heutiges Investment-Thema an. Während Namen wie Nvidia, Microsoft oder Meta inzwischen jedem Anleger ein Begriff sind, rücken immer stärker die Unternehmen in den Fokus, die im Hintergrund die technische Grundlage für den KI-Boom liefern. Eines dieser Unternehmen ist CoreWeave, ein Konzern, der in kurzer Zeit zu einem wichtigen Partner vieler führender KI-Unternehmen geworden ist. Deshalb möchte ich mir CoreWeave heute einmal genauer ansehen.
Was macht CoreWeave?
CoreWeave unterscheidet sich grundlegend von klassischen Hyperscalern wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure oder Google Cloud. Während diese Anbieter ein breites Spektrum an IT-Diensten für Unternehmen abbilden, betreibt CoreWeave eine sogenannte „Purpose-Built AI Cloud“. Das Unternehmen vermietet hochspezialisierte Rechenzentrumskapazitäten, die von Beginn an auf die massiv parallele Rechenleistung von Grafikprozessoren (GPUs) ausgelegt sind.
Das Kerngeschäft basiert darauf, großflächig Hochleistungs-GPUs von NVIDIA aufzukaufen, diese in eigenen oder angemieteten Rechenzentren zu bündeln und die Rechenleistung über langfristige Verträge an Entwickler von KI-Modellen sowie Großkonzerne zu vermieten. CoreWeave agiert hierbei als eine Art „AI Factory“ und profitiert von einer tiefen strategischen Partnerschaft mit NVIDIA, die sich unter anderem in direkten Kapitalbeteiligungen des Chip-Giganten an CoreWeave widerspiegelt.
So lief das 1. Quartal:
• Umsatz: Im 1. Quartal 2026 kletterte der Umsatz auf 2,08 Mrd. US-Dollar – ein Plus von 111,6% gegenüber dem Vorjahresquartal (982 Mio. US-Dollar).
• Nettoverlust: Der Quartalsverlust weitete sich auf 740 Mio. US-Dollar aus. Haupttreiber waren die immensen Investitionen sowie ein Netto-Zinsaufwand von 536 Mio. US-Dollar allein in diesen drei Monaten.
• Capex: Für den Kauf von Immobilien, Maschinen und Server-Infrastruktur gab CoreWeave im 1. Quartal 2026 rund 7,7 Mrd. US-Dollar aus.
Die Kundenstruktur
Die gesamte Wachstumsstory von CoreWeave stützt sich auf einen gigantischen Auftragsbestand. Zum 31. März 2026 wies das Unternehmen einen vertraglich zugesicherten Umsatz-Backlog (Remaining Performance Obligations, RPO) von 99,4 Mrd. US-Dollar aus.
Die Analyse dieses Backlogs offenbart jedoch ein erhebliches Klumpenrisiko, da die Einnahmen fast ausschließlich von einer Handvoll Großkunden getragen werden. Zu den größten und wichtigsten Partnern, deren Verträge den Großteil der künftigen Erlöse sichern, gehören:
• Microsoft: Der Software-Riese nutzt CoreWeave-Infrastrukturen als strategische Ergänzung zu seiner eigenen Azure-Cloud, um den enormen Rechenbedarf seiner KI-Projekte zu decken. Schätzungen und Marktdaten beziffern das kumulierte Vertragsvolumen von Microsoft bei CoreWeave und vergleichbaren Neoclouds auf rund 60 Mrd. US-Dollar.
• Meta Platforms: Der Facebook-Mutterkonzern schloss jüngst eine massive, auf 5 Jahre ausgelegte Rahmenvereinbarung ab, die ein fest zugesagtes Kapazitätsvolumen von mindestens 12 Mrd. US-Dollar beinhaltet und über Optionen auf bis zu 27 Mrd. US-Dollar anwachsen kann.
• OpenAI: Als führender Entwickler von Foundation-Modellen hält OpenAI direkte Zusagen über Rechenkapazitäten im Wert von rund 22,4 Mrd. US-Dollar im CoreWeave-Netzwerk.
Ergänzt wird dieser Kundenkreis durch führende KI-Pioniere und Tech-Unternehmen wie Anthropic, Cognition, Cursor, Midjourney und Runway.
Analysten-Schätzungen

Quelle: MarketScreener
Der zweiseitige Hebel
Das Geschäftsmodell setzt auf eine schnelle Expansion, die zu einem großen Teil über Fremdkapital finanziert wird. Das Prinzip dahinter: CoreWeave schließt langfristige, unkündbare Abnahmeverträge („Take-or-Pay-Verträge“) mit den Modellbauern und Hyperscalern ab. Diese Verträge dienen als Kreditsicherheit. Auf Basis dieser zukünftigen Einnahmen nimmt das Unternehmen in enormem Umfang Fremdkapital auf, oft besichert durch die physischen GPUs selbst.
Per 31. März 2026 beliefen sich die Gesamtschulden des Unternehmens auf rund 25,1 Mrd. US-Dollar. Um die Expansion weiter voranzutreiben, wurden allein im Frühjahr 2026 zusätzliche Kreditlinien über insgesamt mehr als 11 Mrd. US-Dollar sowie hochverzinsliche Anleihen begeben, deren Zinssätze im Bereich von 8,5% bis 9,6% liegen.
Daraus ergibt sich eine massive Hebelwirkung:
1. Das bullische Szenario: Solange die Nachfrage nach GPU-Rechenleistung in den nächsten Jahren ungebrochen hoch bleibt und Kunden wie Meta, Microsoft und OpenAI ihre Zahlungsverpflichtungen plangemäß bedienen, wandelt sich der 99-Milliarden-Backlog sukzessive in hochrentablen Umsatz um. Das Unternehmen wächst aus seinen Schulden heraus.
2. Das bärische Szenario: Sollten die großen KI-Konzerne ihre Investitionen drosseln müssen oder fundamentale wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommen, bricht das Kartenhaus zusammen. Da CoreWeave die Kredite gegen die Rechenzentren und Serverstrukturen aufgenommen hat, droht eine klassische Überschuldungssituation, falls der reale Marktwert dieser Hardware bei einem Nachfrageeinbruch unter den Wert der besicherten Kredite fällt („Stressed Debt“).

Quelle: www.prorealtime.com
Mein Fazit
CoreWeave zählt ohne Zweifel zu den spannenden Unternehmen im Bereich der KI-Infrastruktur. Das Wachstum ist außergewöhnlich hoch, gleichzeitig sind aber auch die Investitionen, die Verschuldung und die Abhängigkeit von wenigen Großkunden erheblich. Damit bleibt die Aktie aus meiner Sicht ein Wert mit überdurchschnittlichen Chancen, aber auch entsprechend hohen Risiken. Ich selbst bin nicht in CoreWeave investiert.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: - - - | Diese Position ist Bestandteil des exklusiven „Lars Erichsen“-Echtgeld-Depots. Die Informationen in diesem Newsletter stellen keine Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar.
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