Das sind die größten Small-Cap-ETFs!
(Lars Erichsen) Neben den bekannten Großkonzernen wie SAP, Bayer oder BASF gibt es an der Börse eine zweite Reihe, die oft weniger im Fokus steht, aber nicht weniger spannend ist: Die Small Caps und Nebenwerte. Gemeint sind damit kleinere börsennotierte Unternehmen, also Firmen mit vergleichsweise niedriger Marktkapitalisierung.
Eine feste Grenze gibt es nicht, aber als grobe Orientierung kann man sagen: Viele Investoren sprechen häufig von Small Caps, wenn Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung unter etwa 1 Mrd. US-Dollar oder Euro bewertet sind. Das ist keine harte Regel, sondern eher ein Praxiswert.
Small Caps: Darauf kommt es an
Der entscheidende Punkt ist aber nicht die Definition, sondern das Profil dieser Unternehmen. Small Caps sind oft früher in ihrer Entwicklung. Genau darin liegt der Reiz. Während große Konzerne häufig nur noch moderat wachsen, können kleinere Firmen ihre Umsätze und Gewinne deutlich schneller steigern, wenn das Geschäftsmodell funktioniert. Das ist der Kern der Story. Wer früh in ein wachsendes Unternehmen investiert, kann überproportional profitieren.
Aber hier kommt der wichtige Haken. Dieses Wachstum ist kein Selbstläufer. Viele kleine Unternehmen brauchen Kapital, um zu wachsen. Und genau hier wird es heikel. Je stärker ein Unternehmen auf Fremdkapital angewiesen ist, desto anfälliger wird es in schwierigen Phasen. Steigen die Zinsen oder verschlechtert sich die Finanzierungslage, wird Wachstum plötzlich teuer.
Wichtig zu wissen ist, dass Small Caps häufig stärker von kurzfristiger Finanzierung und variablen Zinsen abhängig sind als große Konzerne. Deshalb ist Qualität im Small Cap-Bereich entscheidend. Nicht jedes kleine Unternehmen ist automatisch ein gutes Investment.
Wann laufen Small Caps gut
Das Umfeld macht bei Nebenwerten einen riesigen Unterschied. Small Caps performen typischerweise dann stark, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. Erstens eine stabile oder wachsende Wirtschaft. Zweitens sinkende oder zumindest nicht weiter steigende Zinsen. Drittens eine hohe Risikobereitschaft am Markt.
Warum ist das so wichtig? Weil kleine Unternehmen stärker auf Finanzierung angewiesen sind und weniger Puffer haben. Wenn Kredite günstiger werden und die Nachfrage stabil bleibt, können sie ihr Wachstum voll ausspielen. In solchen Phasen sieht man oft, dass sich die Marktbreite verbessert. Die Rallye wird nicht mehr nur von wenigen Mega Caps getragen, sondern breitet sich auf viele kleinere Titel aus.
Wann wird es bei Small Caps schwieriger?
Das Gegenteil ist genauso klar. In unsicheren Phasen, bei steigenden Zinsen oder Rezessions-Ängsten, meiden viele Investoren Nebenwerte. Kapital fließt dann in große, liquide Unternehmen mit stabilen Cashflows. Small Caps geraten unter Druck. Ihre Kurse reagieren oft stärker und schneller.
Ein weiterer Punkt ist die Liquidität. Small Cap-Aktien werden oft weniger gehandelt. Das führt dazu, dass Kurse stärker schwanken können. Ein größerer Verkaufsauftrag kann den Preis deutlich bewegen. Für Anleger bedeutet das ganz praktisch: Schwankungen sind höher und Einstiege oder Ausstiege können schwieriger sein.
Diese Indizes kommen infrage
Wenn man gezielt in Small Caps investieren möchte, bieten sich verschiedene Indizes an, die dieses Segment gebündelt abbilden und so einen breiten, diversifizierten Zugang zu Nebenwerten über eine einzige Index-Lösung ermöglichen.
• Russell 2000
Klassischer US-Small-Cap-Index mit rund 2.000 kleineren Unternehmen und damit einer der wichtigsten Gradmesser für Nebenwerte in den USA.
• MSCI Europe Small Cap Index
Bildet kleinere börsennotierte Unternehmen aus entwickelten europäischen Märkten ab und deckt damit gezielt das Small-Cap-Segment in Europa ab.
• STOXX Europe Small 200
Enthält die 200 kleineren Unternehmen aus dem STOXX Europe 600 und bietet damit eine fokussierte Auswahl europäischer Nebenwerte.
• SDAX
Deutscher Nebenwerte-Index mit 70 Unternehmen und damit die zentrale Benchmark für Small und Mid Caps in Deutschland.
Das sind passende ETFs dazu
Persönliche Einordnung
Aktuell ist das Umfeld für Small Caps und Nebenwerte alles andere als einfach und das hat einen klaren Grund: Das gestiegene Zinsniveau. Trotzdem sollte man das Bild nicht zu einseitig sehen. Langfristig haben Small Caps immer wieder gezeigt, dass sie überdurchschnittliches Wachstum liefern können und historisch sogar häufig besser abgeschnitten haben als große Unternehmen – allerdings nur, wenn das Umfeld stimmt. Wir sind gerade in einer Übergangsphase. Hohe Zinsen bremsen Small Caps noch aus, aber genau diese Phase legt oft den Grundstein für die nächste Outperformance. Sobald Geld wieder günstiger wird und die Risikobereitschaft zurückkommt, drehen Nebenwerte oft schneller und stärker als die großen Namen.
Mein Fazit
Für mich bleibt das Segment der Small Caps und Nebenwerte ein sehr spannendes Thema an der Börse. Es gibt mehrere Wege, in diesen Sektor zu investieren: Breit gestreut über Indizes und ETFs oder gezielt über Einzel-Aktien, wenn man bereit ist, tiefer zu analysieren.
Gerade Einzel-Titel bieten oft die Chance, echte Wachstums-Stories früh zu entdecken, während ETFs das Risiko deutlich besser streuen. Am Ende ist es eine Frage des Ansatzes und der Risikobereitschaft. Ich sehe Small Caps nicht als Selbstläufer, aber als starken Hebel auf Wachstum, wenn das Umfeld passt.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: - - - | Diese Position ist Bestandteil des exklusiven „Lars Erichsen“-Echtgeld-Depots. Die Informationen in diesem Newsletter stellen keine Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar.
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