Dividendenaktien: So finden Sie die richtigen!

Dividendenwerte sind beliebt. Doch sie sollten bei der Auswahl vorsichtig sein. So mancher Dividendenstar ist nur eine Sternschnuppe.

Dividendenaktien

(Dr. Detlef Rettinger) Dividendenaktien sind derzeit sehr in Mode. Das können Sie auch daran sehen, dass viele Fondsgesellschaften mit Produkten werben, deren Titel auf "Dividenden-Aristokraten", "Maximum Dividend" oder ähnlichem lauten. "Dividende ist der neue Zins" ist ein Werbespruch, der in Zeiten von Niedrigstzinsen auf sicheren Anlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder Sparbüchern offenbar viele Anleger lockt.

Kurz gesagt: Das ist Unsinn! Denn es werden Äpfel mit Birnen verglichen. Das dient vor allem dem Marketing-Zweck, auf Sicherheit fokussierte Festgeld-Anleger in vermeintlich ebenso sichere Aktienanlagen zu locken. Die regelmäßige Ausschüttung einer Dividende und die sich daraus ergebende Rendite wirken solider, als wenn Sie bei Aktien nur auf Kurssteigerungen setzen würden.

In Teilen stimmt das sogar, denn die Unternehmen, die hohe Ausschüttungen an ihre Aktionäre bieten, sind meist in reifen Märkten tätig, auf denen sie ihre Erlöse gut kalkulieren können. Während die Unternehmen, die auf eine Ausschüttung verzichten, oftmals in stark wachsenden Märkten tätig sind. Sie erzielen entweder keine Gewinne oder benötigen diese für Investitionen.

Das bringt meist ein größeres Risiko mit sich und führt zu stärkeren Schwankungen beim Aktienkurs.

Die "Dividendenaktie" E.ON brachte hohe Verluste

Dennoch geht diese Rechnung oft nicht auf. Aktien, die als vermeintlich sichere "Dividenden-Bank" gelten, stürzen ab, während sich andere als Renditebringer erweisen.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Versorger E.ON und RWE. Beide Unternehmen galten lange Zeit als solide Dividendentitel aus dem DAX mit einer jährlichen Dividendenrendite von um die 5 Prozent. Den Chemiekonzern BASF dagegen hat kaum jemand als Dividendenaktie auf dem Schirm. Zum einen weil die Dividendenendite mit in der Regel um die 3 Prozent nicht beeindruckend war und ist, zum anderen weil die Aktie wegen ihrer Konjunkturabhängigkeit starken Schwankungen unterworfen ist.

Doch nicht erst in den letzten Jahren, sondern bereits seit 2009 war die BASF-Aktie für Anleger die weit bessere Wahl. Trotz aller Schwankungen legte der Aktienkurs in den letzten 10 Jahren um etwa 100 Prozent zu, während die E.ON-Aktie etwa 75 Prozent an Wert verloren hat:

Der Chart spiegelt nur die Kursentwicklung wider, die Dividendenzahlungen sind in die Performance nicht mit eingerechnet, würden aber am Ergebnis grundsätzlich wenig ändern.

Risiken bei Dividendenaktien werden oft ausgeblendet

Wer bei E.ON darauf vertraute, dass die hohe Dividende allein für die Rendite aus seinem Aktieninvestment sorgen kann, sitzt nun auf hohen Verlusten. Sie mögen nun einwenden, dass E.ON und RWE Opfer des Atomausstiegs wurden. Das war sicher ein überraschendes Ereignis.

Aber dass die Versorger in einem stark regulierten Markt tätig sind und sich darauf Risiken ergeben, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, war bereits vorher bekannt. Viele Anleger haben dieses Risiko nur ausgeblendet, wie es häufig bei vermeintlich sicheren Dividendenaktien geschieht.

Und es gibt sogar im DAX mit seinen nur 30 Aktien noch weitere Beispiele dafür, dass eine Aktienauswahl, die nur auf die höchste Dividendenrendite schielt, in die Irre führen kann. So stieg die Bayeraktie in den letzten 10 Jahren um etwa 120 Prozent, während die Münchener Rück als ausgewiesener Dividendenwert (und durchaus solides Unternehmen) mit einer Rendite von meist um die 5 Prozent nur um etwa 30 Prozent zulegte. Bayer bietet immerhin ebenfalls eine Dividendenrendite von 2,5 bis 3 Prozent:

Die Bayeraktie erlebte gerade in den letzten Jahren starke Schwankungen, entwickelte sich aber trotzdem deutlich besser als die Münchener Rück.

Was macht eine gute Dividendenaktie aus?

Bei der Aktienauswahl allein auf eine hohe Dividendenrendite zu schauen, kann Ihnen viel Rendite kosten. Und wenn diese Dividendenaktien als vermeintlich sicherer Altersvorsorge dienen sollen, kann sogar ein böses Erwachen erfolgen. Zur Auswahl einer guten Dividendenaktie gehört eben mehr als eine einzelne Kennzahl.

Man muss sich auch ansehen, wie stabil der Cashflow ist, aus dem die Dividende gespeist wird. Kann die Ausschüttung auch in schwierigen Marktphasen konstant gehalten werden, dann ist das ein gutes Zeichen.

Werden die hohen Ausschüttungen dagegen durch Kreditaufnahme (ja, das gibt es!) oder aus dem Vermögensbestand finanziert, dann sollten Sie die Finger von solchen Aktien lassen. Und natürlich gilt es, das Geschäft und die Bilanz insgesamt unter die Lupe zu nehmen.

Wichtige Fragen sind unter anderem: Können Änderungen der Rahmenbedingungen (wie bei E.ON und RWE) das Geschäft gefährden, gibt es eine große Abhängigkeit von einzelnen Produkten und Märkten oder sind die Produkte besonders anfällig für das Auftreten neuer Konkurrenz

Fazit

sprechblase Kurz und kompakt

Nicht jeder kann solche Analysen vornehmen, es gehört auch viel Erfahrung dazu. Wie immer sollten Sie aber gerade bei der langfristigen Aktienanlage auf die Streuung achten. Nehmen Sie mehrere Dividendenaktien aus verschiedenen Branchen ins Depot, dann sinkt das Verlustrisiko.

Und setzen Sie auch auf Aktien mit niedrigen oder ganz ohne Dividenden, wenn Sie von den Unternehmen überzeugt sind. Die Kurssteigerungen werden langfristig den vermeintlichen Nachteil bei der Dividendenrendite ausgleichen. Schauen Sie auch über den Tellerrand des deutschen Aktienmarktes hinaus, international gibt es oft viel aussichtsreichere Aktien.

Wenn Sie sich so langfristig ein Aktiendepot aufbauen, dann können Sie so der Niedrigzins-Falle entkommen. Ohne sich von hohen Dividendenrenditen blenden zu lassen.

Dr. Detlef Rettinger
Wenig Zeit?
Wertpapier: BASF, Bayer, E.ON, Münchener Rück
Themen: Divindendenaktien, Dividendenrendite, Dividendenstrategie
Bildquellen:
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