Eli Lilly
Mehr als nur der Abnehm-Boom!
(Lars Erichsen) Fettleibigkeit ist heute eine riesige globale Herausforderung. Etwa jeder sechste Erwachsene, also über 890 Mio. Menschen, und rund jedes zwölfte Kind leiden darunter, und die Zahlen steigen weiter, laut WHO. Im Kampf dagegen gibt es zahlreiche Player am Markt. Dies sind unter anderem Novo Nordisk, Pfizer, Roche, Viking Therapeutics und Eli Lilly.
Ich habe mir dazu eine aktuelle Studie von Grand View Research angesehen: Demnach wird der weltweite Markt für Adipositas-Medikamente derzeit auf rund 14 bis 34 Mrd. US-Dollar geschätzt. Bis 2030 soll er auf etwa 48 bis 77 Mrd. US-Dollar anwachsen. Das Geschäft könnte sich also innerhalb weniger Jahre verdoppeln oder sogar verdreifachen.

So weit, so gut...
Novo Nordisk und Eli Lilly werden an der Börse regelmäßig miteinander verglichen, insbesondere wenn es um Medikamente gegen Fettleibigkeit geht. In diesem Segment ist es korrekt festzuhalten, dass Eli Lilly bei den jüngsten Studiendaten derzeit die Nase vorn hat. Dennoch erzählen beide Unternehmen unterschiedliche Geschichten mit unterschiedlichen Profilen und strategischen Ansätzen.
Novo Nordisk ist historisch eher der klassische Dividendenwert mit solider Bilanzstruktur, moderatem Wachstum und sehr niedriger Verschuldung. Theoretisch hätte der Konzern seine gesamten Schulden innerhalb eines Geschäftsjahres zurückführen können. Eli Lilly hingegen hat sein Wachstum deutlich aggressiver finanziert, was jedoch bislang operativ durch entsprechend dynamische Ergebnisse untermauert wurde; zurück zum Kern meines Reports.
Zum Kern der Geschichte
Eli Lilly steht heute nicht nur für Adipositas und Diabetes. Natürlich dominieren die Gewichtsreduktions-Medikamente die Schlagzeilen, aber der Konzern verfügt über eine breite Pipeline in Bereichen wie Onkologie, Immunologie und Neurowissenschaften. Gleichzeitig muss man festhalten, dass die Bewertung inzwischen ambitioniert wirkt.
Aus meiner Sicht notiert die Aktie eher leicht über dem, was ich als fair bezeichnen würde. Das heißt nicht, dass sie unattraktiv ist. Es heißt nur, dass das Chance-Risiko-Verhältnis auf dem aktuellen Niveau weniger Spielraum nach oben bietet als in früheren Phasen. Korrekturen erscheinen daher durchaus kaufenswert, sofern sich am operativen Momentum nichts ändert. Der US-Konzern ist aggressiver finanziert, darf sich das aber auch leisten, weil das Wachstum deutlich dynamischer ist.
Diese unterschiedliche Kapitalstruktur ist kein Qualitätsurteil, sondern Ausdruck zweier verschiedener Geschäftsmodelle. Wer in den vergangenen Jahren investiert war, hat eine außergewöhnliche Entwicklung erlebt. Das ist kein Anlass für rückblickende Reue oder Überhöhung, sondern eine nüchterne Feststellung. Es geht nicht darum, verpasste Chancen zu beklagen, sondern den Status quo sauber einzuordnen.
Was mir an Eli Lilly gefällt
Die US-Firma setzt künstliche Intelligenz längst nicht nur als Schlagwort ein, sondern bindet sie konkret in die Medikament-Enentwicklung ein. Gemeinsam mit Nvidia wurde ein KI-Innovationslabor aufgebaut, um mithilfe leistungsfähiger Rechenmodelle neue Wirkstoffe schneller zu identifizieren und Entwicklungsprozesse effizienter zu gestalten.
Zusätzlich kooperiert Lilly mit Insilico Medicine, einem Spezialisten für KI-gestützte Wirkstoffsuche, sowie mit OpenAI bei der Entwicklung neuer Therapien, unter anderem gegen resistente Bakterien. Ziel all dieser Partnerschaften ist es, Forschung schneller, präziser und letztlich kosteneffizienter zu machen.

Mein Fazit ist daher klar:
Für mich bleibt Eli Lilly ein Unternehmen, das operativ überzeugt und strategisch klug positioniert ist. Das Wachstum ist real, die Pipeline breit, und die Einbindung von KI zeigt, dass der Konzern auch methodisch nach vorne denkt. Ja, die Bewertung ist kein Schnäppchen mehr, aber sie ist aus meiner Sicht nachvollziehbar, wenn man die Dynamik berücksichtigt. Wer bereit ist, kurzfristige Schwankungen auszuhalten, bekommt hier in meinen Augen weiterhin eine langfristig interessante Qualitäts-Aktie.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: Novo Nordisk | Die Informationen in diesem Newsletter stellen keine Empfehlungen im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar.
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