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ProSiebenSat1: Dividendenstar mit Turnaround?

Die Medienaktie steht seit langem unter Verkaufsdruck. Doch nun deutet sich eine Wende an, die zumindest kurzfristig orientierte Trader nützen können.

ProSiebenSat1 Media

(Dr. Detlef Rettinger) Um es gleich an den Anfang zu stellen: Von den langfristigen Aussichten des Medienkonzerns ProSiebenSat1 bin ich nicht überzeugt, das gilt auch für die anderen Unternehmen der Branche. Mit dieser Einschätzung stehe ich nicht allein, die meisten Experten fragen sich, ob die von Werbeeinnahmen abhängigen Medienkonzerne flexibel genug sind, um auf die massiven Veränderungen durch die Digitalisierung, das Video-Streaming und das veränderte Konsumentenverhalten zu reagieren.

Trotzdem könnte der Kursrückgang der ProSieben-Aktie um mehr als 40 Prozent in den letzten beiden Jahren übertrieben sein. Auch 2017 bildet ProSieben mit einem Minus von 20 Prozent das Schlusslicht im DAX.

Ende August äußerte sich der Vorstand erneut skeptisch über die Entwicklung im TV-Werbemarkt, was einen weiteren Abwärtsschub auslöste, die Aktie fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit Anfang 2013. Auf diesem Kursniveau besteht mittelfristig sogar die Gefahr, aus dem DAX zu fliegen.

ProSieben bietet die höchste Dividendenrendite im DAX

Auch von Seiten der Aktienanalysten hagelte es in den letzten Wochen weitere Downgrades, wobei die Kursziele oftmals dennoch über dem aktuellen Kurs liegen. Aber nicht nur das spricht dafür, dass es bei der Medienaktie zu einer Gegenbewegung kommen könnte.

Sieht man sich die nackten Zahlen an, dann scheint der Kurssturz nicht gerechtfertigt, jedenfalls nicht in dieser Größenordnung: Der Gewinn pro Aktie soll 2017 bei 2,35 Euro liegen und die Prognosen der Analysten gehen im Durchschnitt für die nächsten Jahre von einem weiteren Anstieg aus – trotz aller strukturellen Probleme und Umbaupläne.

Damit liegt der Gewinn mehr als 30 Prozent über dem des Jahres 2014, der Aktienkurs ist aber aktuell tiefer als vor drei Jahren. Da ist sehr viel Skepsis in Bezug auf die Zukunft eingepreist.

Noch wichtiger: Der Cashflow – die entscheidende Basis für die Ausschüttung an die Aktionäre – erwies sich in den letzten Jahren als sehr stabil. Das spricht dafür, dass auch die Dividende stabil bleibt. In den letzten Jahren ist sie sogar kontinuierlich gestiegen. Die Ausschüttung auch in Zukunft hoch zu halten, ist eines der zentralen Versprechen des Vorstands.

Aktuell ist die Dividendenrendite mit 6,7 Prozent bei weitem die höchste im DAX. Das gilt, wenn die Ausschüttung für 2017 auf dem Niveau des Vorjahres bleibt – und das scheint relativ sicher, denn schließlich verzeichnet ProSieben bislang keinen Einbruch der Geschäftszahlen. Alle Skepsis bezieht sich auf die Zukunft und ob der Konzernumbau gelingt.

Großanleger stocken ihre Anteile auf

Das sehen offenbar auch manche professionellen Anleger so: Zwei US-Großinvestoren haben vor kurzem ihre Anteile erhöht. Capital Research&Managment hält inzwischen über 15 Prozent an ProSieben, Capital World Growth über 5 Prozent.

Möglicherweise rechnen die Investoren mit einer positiven Überraschung bei den Quartalszahlen am 9. November oder bauen zumindest auf eine hohe Ausschüttung im nächsten Jahr. Auch Mitglieder aus Vorstand und Aufsichtsrat haben in den letzten Monaten ihre Aktienbestände erhöht.

Volatil wird die Aktie aber vermutlich bleiben, denn der Konzernumbau wird in nächster Zeit so manche Neuigkeiten bringen. Auf der einen Seite sind Zukäufe geplant, auf der anderen Seite kann es auch Verkäufe geben. Selbst Börsengänge von Tochterunternehmen sind möglich.

Chart & Info
ProSiebenSat1
  • WKN / ISIN
    PSM777 / DE0000PSM7770
  • Aktueller Kurs
    30,00 Euro
  • KGV 2017e / 2018e
    12,2 / 11,6
  • Dividendenrendite 2017e
    6,7 Prozent
  • Meine Einschätzung
    kurzfristig auf langfristig seitw

Fazit

sprechblase Kurz und kompakt

Die ProSieben-Aktie ist meiner Ansicht nach durchaus eine Turnaround-Spekulation wert. Allerdings sollten Sie dann unbedingt eine Stop-Loss-Marke setzen, am besten unterhalb des bisherigen Jahrestiefs bei 27,30 Euro.

Wer etwas mehr auf Nummer Sicher gehen will, kann auf das charttechnisch positive Signal eines Anstiegs über den Widerstand bei 30,00 Euro und die bei 30,60 Euro verlaufende Abwärtstrendlinie warten.

Allerdings ist ProSiebenSat1 trotz der aktuell hohen Dividendenrendite keine Aktie, die Sie sich ins Depot legen und dann nicht mehr anschauen sollten. Der Medienmarkt befindet sich stark im Umbruch und das kann die Aktie in den nächsten Jahren durchaus weiter belasten.

Dr. Detlef Rettinger
Wenig Zeit?
Wertpapier: ProSiebenSat1 Media
Themen: Turnaround, Dividendenaktie, Medienbranche
Bildquellen:
@ ProSiebenSat1
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