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ThyssenKrupp nach den Quartalszahlen: Ist die Aktie nun ein Kauf?

Ausgerechnet das Stahlgeschäft hat sich als Aktivposten erwiesen. Was heißt das für die Aktie?

Stahlproduktion

(Stefan Böhm) Nicht erst seit gestern gibt es hitzige Diskussionen über die Zukunft und die richtige Geschäftsstrategie beim ThyssenKrupp-Konzern. Der Konzernumbau hin zu einem Industriedienstleister und die geplante Fusion des europäischen Stahlgeschäfts mit Tata Steel sind durchaus umstritten. Ausgerechnet das Stahlgeschäft hat im letzten Geschäftsquartal jedoch zu den Aktivposten im Konzern gehört. Dennoch sieht Vorstandschef Hiesinger keinen Grund, am nun eingeschlagenen Kurs zu rütteln und etwa die Strategie nochmals auf den Prüfstand zu stellen.

Doch zunächst zu den Zahlen: Mit dem bereinigten Ergebnis von 1,91 Mrd. Euro auf Konzernebene und von 1,722 Mrd. Euro für die fortgeführten Aktivitäten ohne das verkaufte Stahlwerk in Brasilien hat ThyssenKrupp seine eigenen Ergebnisziele übertroffen. Durch den Verkauf gab es jedoch einmalige Belastungen, die zu einem Fehlbetrag von 591 Mio. Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 führten.

Der Trend beim bereinigten operative Gewinn (EBIT) unterschied sich in den verschiedenen Geschäftsbereichen doch recht deutlich. Beim stark zyklischen Steel Europe (+74 Prozent auf 547 Mio. Euro) schlugen sich die positiven Preiseffekte in einer deutlich verbesserten Marge nieder. Auch in den anderen Bereichen gab es gute Entwicklungen, nur bei Industrial Solutions musste ein rückläufiges Ergebnis bilanziert werden. Die Netto-Finanzschulden gingen von 3,5 Mrd. Euro im Vorjahr auf knapp zwei Mrd. Euro zurück. Diese erfreuliche Entwicklung auf den Verkauf des brasilianischen Stahlwerks und die Kapitalerhöhung im 4. Quartal zurückzuführen.

Stahlfusion: Erhoffte Synergien zu optimistisch?

Trotz des zuletzt wieder besseren Geschäfts in der Stahlsparte soll also an der Fusion mit Tata Steel festgehalten werden. Davon lasse man sich nicht blenden, so Konzernchef Hiesinger. Die strukturellen Probleme der Stahlbranche in Europa seien nach wie vor ungelöst, vor allem im Flachstahlbereich gäbe es immer noch erhebliche Überkapazitäten. Sicherlich wäre es wenig vorausblickend, nun die mit großem Aufwand und viel Zeiteinsatz herbeigeführte Lösung für die Stahlsparte wieder über den Haufen zu werfen, auch wenn diese für die Arbeitnehmerseite zweifelsohne große Belastungen verursacht.

Die ThyssenKrupp-Aktie reagierte am Donnerstag sehr positiv auf die Quartalsbilanz. Am Freitag setzte sich der Kursaufschwung fort, so dass es zum einem Ausbruch über den seit September andauernden Abwärtstrend kam. Dennoch sind nicht alle Aktionäre zufrieden. Der schwedische Finanzinvestor Cevian ist der zweitgrößte ThyssenKrupp-Aktionär. Cevian-Mitgründer Förberg hat im Handelsblatt gegen ThyssenKrupp-Chef Hiesinger eine Breitseite abgefeuert. "Die Strategie hat bisher nicht das geliefert, was man versprochen hat", so Förberg. Wenn es nach Cevian ginge, solle ThyssenKrupp nach der Stahlfusion mit dem Konzernumbau weitermachen. Konglomerate alten Stils würden nicht mehr funktionieren. Es gäbe viele Möglichkeiten, auch bei anderen Sparten aktiv zu werden.

Dabei sind sich die Analysten nicht unbedingt einig, ob die erwarteten Synergien der Stahlfusion überhaupt zu erzielen sind. Die Analysten der Barclays Bank sind der Meinung, dass die möglichen positiven Auswirkungen überschätzt würden. Die Stahlfusion würde viel Geld kosten und längerfristig trotzdem zu Problemen führen. Barclays hat das Kursziel für die ThyssenKrupp-Aktie daher von 21 auf 20 Euro gesenkt. Zugegeben, das ist eine Minderheitenmeinung, das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei 28,90 Euro.

Chart & Info
  • WKN / ISIN
    750000 / DE0007500001
  • Aktueller Kurs
    23,03 EUR
  • KGV 2018e / 2019e
    14,3 / 12,2
  • Dividendenrendite 2018e
    1,2 Prozent
  • Meine Einschätzung
    kurzfristig auf langfristig seitw

Fazit

sprechblase Kurz und kompakt

Die ThyssenKrupp-Aktie hat nach Wochen der Korrektur mit positiven Unternehmenszahlen endlich wieder ein bullisches Chartsignal geliefert. Wie lange die gute Stimmung anhält, ist jedoch fraglich. Aus charttechnischer Sicht gilt die Fortsetzung des breiten Seitwärtstrends zwischen 22 und 26 Euro als das wahrscheinlichste Szenario – für Langfristanleger keine besonders erfreulichen Aussichten. Für kurzfristig orientierte Trader eröffnen sich dagegen durchaus Gelegenheiten.

Stefan Böhm
Wenig Zeit?
Wertpapier: ThyssenKrupp
Themen: Stahl, Industriedienstleistungen, Tata Steel, Konzernumbau, Gewinn, Umsatz, Aktie
Bildquellen:
© ThyssenKrupp AG
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