ThyssenKrupp, Telekom, E.ON: Fusionsfieber am Aktienmarkt

ThyssenKrupp und Tata formen einen europäischen Stahlriesen. Das Fusionsfieber greift um sich.

ThyssenKrupp Stahlwerk

(Stefan Böhm) Schon seit geraumer Zeit gab es Spekulationen über ein Zusammengehen beim europäischen Stahlgeschäft von ThyssenKrupp und Tata Steel (wir berichteten). Nun gibt es die Bestätigung: ThyssenKrupp und Tata Steel machen in Europa gemeinsame Sache und gründen ein Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in den Niederlanden. Eine entsprechende Absichtserklärung gaben beide Konzerne am Mittwoch morgen ab. Beide Unternehmen sind je zur Hälfte beteiligt, der Name des neuen Unternehmens wird ThyssenKrupp Tata Steel lauten. Beim Jahresumsatz ist mit 15 Milliarden Euro zu rechnen. Rund 48.000 Mitarbeiter werden rund 21 Mio. Tonnen Flachstahl produzieren. Nach Arcelor Mittal würde der zweitgrößte Stahlkonzern Europas entstehen. Für die Aktionäre macht die Fusion Sinn, denn es werden Synergieeffekte von 400 bis 600 Mio. Euro pro Jahr erwartet. Rund 4.000 der 48.000 Mitarbeiter müssen jedoch um ihren Job bangen, denn sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung will das neue Unternehmen mit weniger Personal auskommen. Die Arbeitnehmervertreter haben daher bereits Widerstand angekündigt. Die Stahlfusion aufhalten werden sie aber wohl nicht können. Die ThyssenKrupp-Aktie reagierte heute mit Kursgewinnen auf die Meldung. Die Aussichten für die ThyssenKrupp-Aktie bleiben auch aus charttechnischer Sicht positiv.

Chart & Info
  • WKN / ISIN
    750000 / DE0007500001
  • Aktueller Kurs
    25,93 EUR
  • KGV 2017e / 2018e
    14,9 / 12,7
  • Dividendenrendite 2017e
    0,8 Prozent
  • Meine Einschätzung
    kurzfristig auf langfristig auf

T-Mobile US: Fusion in den USA?

Auch die Aktie der Deutschen Telekom konnte heute deutlich zulegen. Nach vielen Irrungen und Wirrungen (siehe auch hier) stehen die Chancen am US-Mobilfunkmarkt für eine Fusion der Nummer Drei und Nummer Vier – T-Mobile US und Sprint – inzwischen wieder deutlich besser. Dies berichteten Reuters und auch der US-Sender CNBC. So soll die Sprint-Mutter, der japanische Softbank-Konzern, auf die Mehrheit verzichten. Sollten die Berichte stimmen, dann stehen die Chancen für T-Mobile-Chef John Legere sehr gut, auch beim neuen fusionierten Konzern den Chefposten zu besetzen. Noch gibt es jedoch keine offizielle Stellungnahme der Unternehmen. Klar ist jedoch, dass die Telekom ein Gewinner eines solchen Deals sein wird, denn die Bonner halten immer noch rund zwei Drittel der T-Mobile US-Aktien. Die Telekom-Aktie bleibt damit aussichtsreich.

E.ON wird die Resterampe Uniper los

Damit nicht genug: Der finnische Versorger Fortum will die E.ON-Tochter Uniper übernehmen. Diesbezügliche Gerüchte gab es schon länger. Nun heißt es, dass die Gespräche zwischen E.ON und Fortum schon weit fortgeschritten seien. Angeblich ist ein Preis von 22 Euro je Uniper-Aktie im Gespräch. E.ON kann damit auf Einnahmen in Höhe von 3,8 Mrd. Euro hoffen. Allerdings müssen die Behörden und Gremien noch zustimmen, weshalb es nicht sicher sei, dass Fortum am Ende der Verhandlungen tatsächlich ein Angebot vorlegt. Die Angelegenheit könnte sich daher durchaus noch bis Anfang 2018 hinziehen. Die E.ON-Aktie reagierte heute mit der Bestätigung des Supports bei 9,15 Euro positiv auf die Entwicklungen. Die Charttechnik deutet weitere mögliche Kurssteigerungen an.

Fazit

sprechblase Kurz und kompakt

Fusionen und Übernahmen sind zumeist Kurstreiber, so auch jetzt wieder bei ThyssenKrupp, E.ON und der Deutschen Telekom. Wie lange die positive Stimmung anhält, hängt jedoch vom Einzelfall ab. Bei ThyssenKrupp könnte die Aktie mittelfristig neu und somit höher bewertet werden, denn mit der Trennung vom zyklischen Stahlgeschäft entwickelt sich das Unternehmen zum Industriedienstleister weiter. Bei E.ON und der Deutschen Telekom gilt es dagegen die offiziellen Statements abzuwarten, denn eine Investmententscheidung, die nur auf Spekulationen basiert, ist riskant.

Stefan Böhm
Wenig Zeit?
Wertpapier: ThyssenKrupp, Deutsche Telekom, E.ON, Uniper, Tata Steel, Fortum
Themen: Fusion, Übernahme, Stahl, Telekom, Versorger, Aktie
Bildquellen:
© ThyssenKrupp AG
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