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Bitcoin-Kurssturz um 50%! - Erst der Anfang?

Korrektur oder Crash - Platzt nach dem Hype jetzt die Bitcoin-Blase?

(Lars Erichsen) Der Bitcoin-Kurs fiel in den letzten Wochen gegenüber seinem Hoch von Mitte Dezember bei fast 20.000 Dollar zeitweise auf weniger als 10.000 Dollar. Der Hype um die Kryptowährung scheint damit vorüber. Oder doch nicht? Ist das nur eine normale Korrektur auf dem weiteren Weg nach oben?

Lars Erichsen - Top-Trader & Geldanlage-Profi (zur Person)

Jedenfalls war es ein Absturz mit Ansage, so scheint es, denn immer mehr Finanzexperten hatten vor einem Kurseinbruch gewarnt, auch für mich war das nur eine Frage der Zeit.

Wie stark dann ein solcher Rückgang ausfällt und wann er genau kommt, lässt sich allerdings kaum vorhersagen, aber was schnell steigt, kann auch schnell fallen.

Nach der beispiellosen Rekordjagd des Jahres 2017 ging es für die Digitalwährung in den letzten Wochen schrittweise nach unten. Aktuell ist ein Bitcoin mit etwa 10.500 USD fast 50 Prozent weniger wert als im Hoch von Mitte Dezember.

Ganz genau lässt sich das aber nie sagen, denn der Kurs schwankt nicht selten um mehr als 1.000 Dollar innerhalb eines Tages:

Bitcoin: Test der 10.000-Dollar-Marke

Trotz des starken Kursrutsches ist ein Bitcoin immer noch fünfmal so viel wert wie im Juli 2017. Der folgende langfristige Chart des Bitcoin führt die Stärke der Rallye der letzten Jahre nochmals eindrucksvoll vor Augen.

Dabei habe ich den Kursverlauf des Bitcoin – wie z.B. auch bei Aktien üblich – logarithmisch dargestellt. Das heißt, die Kurse zeigen gleiche vertikale Abstände für identische, prozentuale Veränderungen an.

Eine Kursbewegung von 2.000 auf 4.000 entspricht z.B. der gleichen Wegstrecke wie für den Anstieg zwischen 4.000 und 8.000. Schließlich interessieren einen Anleger bei einem Investment weniger der absolute als der prozentuale Kursgewinn, sprich die Rendite.

Die Bitcoin Rallye bleibt beeindruckend

Bei den Bitcoin-Futures überwiegen die Short-Positionen

Ein Teil des irren Kursanstiegs in den letzten sechs Monaten war auf die Einführung von Bitcoin-Futures im Dezember 2017 zurückzuführen, die Kryptowährung schien damit in der traditionellen Finanzwelt angekommen.

Gewinnmitnahmen waren danach zu erwarten, doch in den letzten Wochen kam es dann knüppeldick. Man könnte sagen, das Establishment zeigt dem Bitcoin derzeit die kalte Schulter.

So setzte die Mehrheit der Future-Trader auf Bitcoin-Shorts und dürfte damit schöne Gewinne eingefahren haben. Damit zeigt sich: Die Futures können den Bitcoin-Kurs nach oben treiben, sie können aber auch einen Absturz beschleunigen.

Immer mehr Einschränkungen für den Bitcoin

Aber nicht nur die Futures-Trader trugen zum Kurssturz bei, auch die Regulierungsbehörden machen zunehmend Front gegen die Digitalwährungen. China hat schon 2017 den Anfang gemacht und den heimischen Börsen im übertragenen Sinn den Hahn abgedreht.

Die einst umsatzstärksten chinesischen Bitcoin-Handelsplätze spielen nun kaum noch eine Rolle. Auch die teils in Verruf geratenen Initial Coin Offerings (ICOs) wurden eingeschränkt.

Aber das kann eine universelle Währung wie den Bitcoin nicht stoppen, die Transaktionen finden dann eben an Börsen statt, die ihren Firmensitz irgendwo anders haben. Schwerer wiegt es da schon, dass Peking nun auch den Zugang zu inländischen und ausländischen Handelsplattformen ganz verbieten will.

Auch Südkorea will die Spekulation mit Bitcoins begrenzen

Außerdem will das Land das Schürfen (Mining) von Bitcoins einschränken – aus Umweltschutzgründen. Denn in China ist der Strom zwar relativ billig, aber er kommt hauptsächlich aus Kohlekraftwerken, die als Klimakiller gelten. Laut digiconomist.net kann allein mit dem Strom, den eine einzige Transaktion verbraucht, ein Kühlschrank für ein ganzes Jahr betrieben werden.

Und bei der Herstellung eines Bitcoins verbrauchen die Computer und Server so viel Energie wie zwei durchschnittliche US-Haushalte in einem Jahr.

Auch Südkorea hat in den letzten Tagen konkrete Pläne geäußert, um den Handel mit Kryptowährungen einzuschränken. So sollen die Bitcoin-Börsen dort bald 24,2 Prozent Steuern zahlen. Ein zuvor im Raum stehendes komplettes Verbot wird aber wohl nicht kommen.

Einen Bitcoin-ETF wird es vermutlich so schnell nicht geben

Nun muss man wissen, dass Südkorea eine Hochburg des Bitcoins ist, rund 15 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handels findet dort statt. Doch der Digitalwährung bläst noch mehr Wind ins Gesicht: Die mächtige US-Aufsichtsbehörde SEC hat vor kurzem vor Sicherheitsproblemen bei Anlageprodukten auf virtuelle Währungen gewarnt. Den von vielen herbeigesehnten börsennotierten Bitcoin-Fonds (ETF) wird es wohl in absehbarer Zeit nicht geben.

All das zusammengenommen zeigt meines Erachtens: Der Bitcoin hat sich mit seiner irren Preisrallye selbst ein Bein gestellt. Sah es Ende 2017 noch so aus, als würde die Digitalwährung auch in der traditionellen Finanzwelt immer mehr Akzeptanz finden, so haben nun – nicht zuletzt wegen der Preissprünge – die Kritiker Front gemacht.

So warnen die Regulierungsbehörden weltweit vor Investments in Digitalwährungen und versuchen den Handel zu regulieren und einzuschränken, z.B. durch Steuern. Auch die hohen Kosten des Mining rücken verstärkt in den Blickpunkt. Das ist nicht das Ende der Digitalwährungen – natürlich nicht – aber es macht die Spekulation mit ihnen unattraktiver.

Fällt der Bitcoin auf 1.000 bis 3.000 US-Dollar?

Und das mit Recht, denn der Verbreitung des Bitcoins als Zahlungsmittel haben die Preissprünge sehr geschadet. Die Kosten für einzelne Transaktionen sind stark gestiegen. Es wird Zeit, dass sich die Bitcoin-Gemeinde wieder auf das Wesentliche besinnt.

Für den Fondsmanager der milliardenschweren Bleakley Advisory Group Peter Boockvar könnte das einen Preiseinbruch von 70 bis 90 Prozent bedeuten. Er würde sich nicht wundern, wenn der Bitcoin auf 1.000 bis 3.000 Dollar fällt.

Fazit

sprechblase Kurz und kompakt

Ehrlich gesagt: Solche Prognosen wie die von Boockvar traue ich mir ganz sicher nicht zu. Sicher scheint nur, dass sich die Blockchain-Technologie an sich durchsetzt.

Aber welche Digitalwährung auf Dauer von den Menschen akzeptiert wird und zu welchem Preis, ist meiner Ansicht nach offen. Für Kursprognosen halte ich mich lieber an die Charttechnik.

Einen wichtigen "Nebeneffekt" des Preissturzes beim Bitcoin gibt es aber: Viele haben vermutlich auch deswegen Bitcoins gekauft, um gegen Krisen im Finanzsystem gewappnet zu sein. Die extremen Kurssprünge der letzten Wochen haben den Bitcoin in seiner Funktion als "digitales Gold" aber eher diskreditiert.

Das echte Gold könnte daher wieder verstärkt als Krisenmetall in den Blickpunkt rücken und von einem Zustrom an "Bitcoin-Geld" profitieren. Der Preisanstieg der letzten Wochen unterstützt diese These.

Lars Erichsen
Wenig Zeit?
Bildquellen:
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