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Bitcoin – Warum der Preis der Digitalwährung fällt

Hält der Gegenwind für den Bitcoin an?

Bitcoin – Warum der Preis der Digitalwährung fällt

(Lars Erichsen) Lange haben die Börsen relativ gelassen auf den Kurs des US-Präsidenten reagiert, alle internationalen Handelsbeziehungen in Frage zu stellen. Gestern war es dann damit endgültig vorbei: Selbst an der erfolgsverwöhnten Wall Street brachen die Kurse ein.

Das scheint diejenigen zu bestätigen, für die ein "Absturz" am Aktienmarkt nur eine Frage der Zeit war und die daher lieber auf Gold oder den Bitcoin setzten. Keine gute Idee, wie die aktuelle Entwicklung zeigt, denn auch die Preise von Gold und Bitcoins sind gefallen. Eine Unze Gold kostet so wenig wie seit Ende 2017 nicht mehr und der Preis eines Bitcoin ist bis zu seinem Jahrestief bei 6.000 US-Dollar gefallen:

Bitcoin Chart

Durch den Kursrutsch der letzten Monate wurde die Mega-Rallye des 4. Quartals 2017, als sich der Preis mehr als vervierfachte wieder wettgemacht.


Dazu möchte ich die vier folgenden Punkte hervorheben:

1. Wir haben keinen Absturz am Aktienmarkt, sondern nur eine Korrektur.

2. Wenn die Aktienkurse fallen, heißt das nicht automatisch, dass die Notierungen von Gold oder dem Bitcoin steigen.

3. Selbst wenn sich der Kursrückgang am Aktienmarkt fortsetzt, muss sich daran nichts ändern, denn...

4. Eine Flucht in sichere Anlagehäfen wie Gold gibt es nur in einer echten Krise.

Tatsächlich hat die Preisentwicklung bei der Kryptowährung Bitcoin wenig bis nichts mit der Preisentwicklung am Aktienmarkt zu tun. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass sich viele Anleger, die noch nie in Aktien investiert haben, auf die Digitalwährungen gestürzt haben.

Umschichtungen zwischen diesen Anlageklassen – wenn man denn die neuen Digitalwährungen als solche betrachten will – finden kaum statt.

Kursmanipulation bei den Bitcoin-Futures?

Aber die aktuelle Misere des Bitcoin hat auch andere, hausgemachte Gründe. Sah es im 2017 noch so aus, als wäre der Bitcoin in der traditionellen Finanzwelt angekommen, gab es in den letzten Wochen einige Rückschläge.

So wurde die Einführung von Bitcoin-Futures Ende 2017 zuerst als Meilenstein gefeiert. Inzwischen aber ist die Euphorie vorbei, denn es gibt den Verdacht der Kursmanipulation durch die vier großen Bitcoin-Börsen Bitstamp, Coinbase, itBit sowie Kraken, die für die Preisbildung bei den Futures verantwortlich sind.

Die US-Aufsichtsbehörde für den Futureshandel CFTC ermittelt in dieser Richtung. Offenbar auch weil Transparenz nicht die Stärke der Bitcoin-Marktülätze ist. Die vier Börsen weigern sich seit Monaten der CFTC Einblick in ihre Preisbildung zu gewähren.

Betrug, Geldwäsche und Diebstähle bleiben Themen

Zudem reißen die Meldungen über Bitcoin-Diebstähle nicht ab. So wurden von einer koreanischen Bitcoin-Börse Coins im Wert von etwa 31 Millionen Euro gestohlen, 30 Prozent der insgesamt dort gehandelten Münzen. Kein riesiger Verlust, aber die Sicherheitsprobleme treiben die Branche weiter um.

In diesen Tagen hat die japanische Aufsichtsbehörde sechs Börsen für Digitalwährungen aufgefordert, ihre Sicherungen gegen Geldwäsche zu verbessern. Japan ist derzeit der größte Handelsplatz für Bitcoins weltweit.

Der Bitcoin-ETF kommt vorerst nicht

Bereits seit mehr als einem Jahr wird über die Einführung eines Bitcoin-ETF spekuliert und offenbar bemühen sich einige Fondsgesellschaften auch intensiv darum. Kein Wunder, winkt doch da ein Riesengeschäft – für die Fondsgesellschaften, nicht unbedingt für die Anleger. Doch die Aufsichtsbehörden sperren sich dagegen. Und gerade die Undurchsichtigkeit bei der Preisfindung dürfte den Bitcoin-ETF in weite Ferne rücken.

Die "Zentralbank der Zentralbanken" kritisiert den Bitcoin

Aber auch die extremen Kursschwankungen sind ein Hindernis, denn Preissprünge von 10 Prozent an einem Tag sind keine Seltenheit. Das erschwert den Einsatz des Bitcoin für reale Geldgeschäfte.

Als Geldanlage macht ihn das meiner Ansicht nach ebenfalls problematisch, denn der Preis wird zu sehr von kurzfristigen Spekulationen bewegt.

Das ist auch einer der wichtigsten Kritikpunkte in einer aktuellen Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), sozusagen die Zentralbank der Zentralbanken. Weitere Gründe, die die Experten gegen den Bitcoin als internationales Zahlungsmittel anführen:

1. Der hohe Energieverbrauch. Die beiden bedeutendsten dezentralen Blockchain-Infrastrukturen sollen zusammen mittlerweile mehr Elektrizität verbrauchen als die gesamte Schweiz. Das Mining findet daher zum großen Teil in China statt, wegen des dort verfügbaren billigen Kohlestroms. Ökologisch ist der Bitcoin also auch nicht.

2. Engpässe sind vorprogrammiert. Sollten tatsächlich viel mehr Transaktionen mit Bitcoins durchgeführt werden, würden die Kosten pro Transaktion in die Höhe schnellen, wie Ende 2017.

3. Das Demokratieversprechen wird nicht gehalten. Nicht zuletzt durch den hohen Energieverbrauche gibt es in der Bitcoin-Branche Tendenzen zu einer Konzentration des Mining in den Händen weniger.

Bitcoin-Befürworter werden einwenden: Die etablierten Zentralbanken sehen ihr Kerngeschäft in Gefahr und lassen deshalb kein gutes Haar an den Digitalwährungen. Doch diese Kritikpunkte sind nicht neu und werden von vielen Finanzexperten geteilt. Es sind echte Hindernisse auf dem Weg des Bitcoin zu einer Alternativwährung.

Fazit

sprechblase Kurz und kompakt

Der Bitcoin wird auf lange Sicht nicht zu einer globalen Währung, die andere ersetzen kann. Aber die Digitalwährungen im Allgemeinen besitzen trotz aller Kritik eine Fülle an Vorteilen, die ihre Verbreitung vorantreiben dürften.

Wenn Sie allerdings Geld in Bitcoins anlegen oder mit der Internetwährung spekulieren wollen, sollten Sie bedenken, dass der Kurs nicht nur nach oben geht, auch langfristig nicht. Das zeigt sich auch am aktuellen Kurseinbruch nach der Preisexplosion des Jahres 2017.

Zeitweise sah es so aus, als würde das Pendel beim Bitcoin in Richtung mehr Akzeptanz bei Behörden und Anlegern ausschlagen. Doch jüngste Entwicklungen wie die Manipulationsvorwürfe am Futuresmarkt lassen z.B. die Einführung eines Bitcoin-ETF eher in die Ferne rücken.

Rückschläge sind auch in Zukunft möglich, z.B. durch neue Betrugsfälle oder Regulierungsversuche der Behörden. Oder weil andere Digitalwährungen dem Bitcoin den Rang ablaufen.

Letztlich bietet der Bitcoin große Chancen – ist aber hochspekulativ und sicher nicht für Anleger geeignet, denen schon die Investition in Aktien zu riskant erscheint.

Lars Erichsen
Wenig Zeit?
Bildquellen:
Fotolia.com - © Travis
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