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Die große Flucht aus FIAT-Geld!

Die große Flucht aus FIAT-Geld!

(Lars Erichsen) Der Begriff „Die stille Enteignung!“ klingt komplizierter, als er ist. Hinter dem Debasement-Trade steckt im Kern eine alte Idee: Wenn Staaten immer höhere Schulden anhäufen, wächst der politische Anreiz, diese Last nicht nur durch Sparen und höhere Steuern zu bewältigen, sondern auch über Wachstum und Inflation. Schulden bleiben nominal gleich, verlieren real aber an Gewicht, wenn die Kaufkraft des Geldes sinkt. Neu ist das Prinzip nicht. Früher reduzierten Herrscher den Gold- oder Silber-Gehalt ihrer Münzen und ersetzten einen Teil durch billigere Metalle.

Die Historie

Die Geschichte des Geldes ist zugleich die Geschichte seiner Entwertung.

• Das Römische Reich reduzierte über Jahrhunderte den Silber-Anteil seiner Münzen, um steigende Staatsausgaben zu finanzieren.

• Nach dem Ende des Bretton-Woods-Systems 1971 wurde der US-Dollar vollständig vom Gold entkoppelt und trat in das Fiatgeld-Zeitalter ein.

• Seit der Finanzkrise 2008 haben die großen Zentralbanken ihre Bilanzen massiv ausgeweitet, um Finanzmärkte und Staatshaushalte zu stabilisieren. Viele Makro-Investoren argumentieren, dass jede ungedeckte Währung langfristig zur Entwertung tendiert, weil die politischen Anreize stets in Richtung höherer Ausgaben und höherer Verschuldung wirken.


Staatsverschuldung


Die Realität

Das vielleicht stärkste Argument liefert derzeit ausgerechnet die Entwicklung der amerikanischen Staatsfinanzen. Nach den aktuellen Projektionen des Congressional Budget Office liegt die von Investoren gehaltene US-Staatsverschuldung 2026 bei rund 101% der Wirtschaftsleistung.

Bleibt die Politik im Wesentlichen auf ihrem bisherigen Kurs, erwartet das CBO bis 2056 einen Anstieg auf 175%. Würden die Zinsen im Durchschnitt nur einen Prozentpunkt höher ausfallen als unterstellt, wären es sogar 222%. Nach meiner Einschätzung ist die Erwartungshaltung eine äußerst optimistische, der tatsächliche Grad der Verschuldung liegt in 10 Jahren wahrscheinlich deutlich höher.

Das bedeutet nicht, dass die USA vor einem unmittelbaren Zahlungsausfall stehen oder der US-Dollar vor dem Zusammenbruch steht. Die entscheidende Frage ist eine andere: Wie lange können hoch verschuldete Staaten hohe reale Zinsen aushalten, ohne dass Zinszahlungen immer größere Teile ihrer Haushalte auffressen?

Das sagen Ray Dalio & Co.

Ray Dalio beschäftigt sich seit Jahren genau mit diesem Problem. Der Gründer von Bridgewater sagte bereits 2025, die Welt sei „abundant in debt“. Für ein breit gestreutes Portfolio hielt er einen Gold-Anteil von 10-15% für sinnvoll. Sein Argument: Je höher die Zinslast wird, desto stärker verdrängt der Schuldendienst andere staatliche Ausgaben.

Noch deutlicher formulierte es BlackRock-Chef Larry Fink. Gold und Krypto-Währungen seien für viele Anleger inzwischen „Assets of Fear“. Der Grund, so Fink: „You’re frightened of the debasement of your assets.“ Anleger sorgen sich also darum, dass der reale Wert ihres Vermögens durch steigende Schulden und eine langfristige Entwertung des Geldes erodiert.

Auch Michael Hartnett von der Bank of America argumentiert in diese Richtung. Sein bevorzugter Schutz bleibt Gold. Im August schrieb er, Gold sei weiterhin der „best hedge against dollar debasement“.

Das passt ins Bild

Die großen Notenbanken selbst liefern ein interessantes Puzzlestück. Im 2. Quartal 2026 kauften Zentralbanken netto 289 Tonnen Gold. Allein China erhöhte seine Bestände in diesem Zeitraum um 33 Tonnen. Nach einer Umfrage des World Gold Council erwarteten 89% der befragten Zentralbanken, dass die weltweiten Goldreserven in den kommenden 12 Monaten weiter steigen werden.

Neben Gold ist inzwischen auch Bitcoin Teil dieser Diskussion. Das Argument ist einfach: Während Dollar, Euro oder Yen theoretisch unbegrenzt geschaffen werden können, ist die maximale Zahl der Bitcoins auf 21 Millionen begrenzt. Genau deshalb wird Bitcoin von einem Teil der institutionellen Anleger zunehmend als digitale Variante eines knappen Werts betrachtet. Aktuell ist dieser Trade wieder deutlich zu beobachten. StoneX zufolge stieg Bitcoin allein im laufenden Quartal bis zum 23. September um 44%, während Gold rund 8% zulegte. Gleichzeitig flossen seit Mitte August rund 4,6 Mrd. US-Dollar in amerikanische Bitcoin-ETFs.


Sachwerte

Zusammenfassung

Die Schulden vieler großer Staaten sind hoch, der Finanzierungsbedarf wächst und gleichzeitig ist politisch nur schwer vorstellbar, dass Regierungen ihre Haushalte über Jahre mit massiven Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen sanieren. Nicht der Zusammenbruch des Papiergeld-Systems ist das Thema.

Es geht um die schleichende Frage, wie viel Kaufkraft eine Geldeinheit über 10 oder 20 Jahre behält. Deswegen könnten Sachwerte auch in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen.

Gold profitiert von seiner Knappheit und seiner jahrtausendealten Funktion als Wertspeicher. Bitcoin bietet ebenfalls Knappheit, allerdings bei deutlich höheren Schwankungen. Aktien können einen gewissen Schutz bieten, wenn Unternehmen Preise erhöhen und Gewinne nominal mitwachsen lassen. Immobilien und Infrastruktur besitzen reale Vermögenswerte, reagieren dafür aber empfindlich auf Finanzierungskosten. Aber hinter all diesen Anlagen steckt dieselbe Frage. Wenn Staaten ihre Schulden langfristig nicht vollständig wegsparen können, wer trägt am Ende einen Teil der Rechnung?

Historisch war es häufig auch der Besitzer des Geldes.


Mein Fazit

Für mich ist der Debasement-Trade auf lange Sicht kaum zu vermeiden und wird sich in seiner Ausprägung eher noch verstärken. Die Schuldenberge vieler Staaten sind so groß, dass ich nicht daran glaube, dass sie allein über Wachstum, Sparprogramme oder höhere Steuern wieder eingefangen werden können. Deshalb rechne ich damit, dass Kaufkraftentwertung und Inflation uns weiter begleiten werden. Genau deshalb bleiben Sachwerte für mich ein zentraler Baustein für die kommenden Jahre. Gerade und besonders auch in Krisenzeiten.



Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:

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