Energiehunger als Megatrend!
Wie können Anleger investieren?
(Lars Erichsen) Energie ist eines der wichtigsten Themen weltweit, weil inzwischen fast jede große Zukunftsfrage daran hängt. Ob Industrie, Geopolitik, Versorgungssicherheit oder technologische Souveränität, am Ende läuft vieles auf die gleiche Grundfrage hinaus: Wer hat genug verlässliche Energie, zu welchen Kosten und mit welcher Abhängigkeit?
Und genau hier kommt KI als zusätzlicher Beschleuniger ins Spiel. Der steigende Strombedarf ist kein vages Zukunftsbild mehr, sondern lässt sich bereits in Prognosen greifen. Die Internationale Energieagentur rechnet damit, dass der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden steigt und sich damit mehr als verdoppelt, wobei KI als zentraler Treiber genannt wird.
Auf Basis der Eurostat-Veröffentlichung im Juli sieht der Anteil der Stromerzeugung in Europa wie folgt aus:

Die zweite Grafik bildet den US-Strommix für 2025 bis Oktober ab, basierend auf den laufenden Year-to-Date-Daten der US Energy Information Administration:

Wie können Anleger investieren?
Energie ist das große Überthema, aber wer als Anleger den gesamten Energie-Sektor abdecken möchte, merkt schnell: Das ist gar nicht so leicht. Eine echte All-in-One-Lösung, die alle Energieformen in einem einzigen ETF sinnvoll bündelt, also fossile Energieträger, Erneuerbare und Nuklear, gibt es derzeit in der Praxis kaum oder nicht in der Form, die man als Anleger intuitiv erwarten würde.
So gibt es viele ETFs, die den Sektor der Erneuerbaren Energien abdecken und konventionelle Erzeugung oder Kernenergie komplett außer Acht lassen. Als pragmatischer Weg für eine Investition bleibt meist eine Kombination aus zwei bis drei Bausteinen, typischerweise ein großer, breiter Energy-ETF mit Schwerpunkt Öl und Gas plus ein Clean-Energy-ETF als Gegenpol, und je nach Risikoprofil optional ein dritter Baustein für Themen wie Kernenergie und Uran.
Baustein I: Oil & Gas ETF
Der iShares STOXX Europe 600 Oil & Gas ETF (WKN: A0H08M) bietet Zugang zum europäischen Erdöl- und Erdgas-Sektor und ist der einzige ETF, der den STOXX® Europe 600 Oil & Gas Index nachbildet. Der ETF bildet die Wertentwicklung des Index durch vollständige Replikation nach, die Dividendenerträge werden mindestens jährlich an die Anleger ausgeschüttet. Das aktuelle Fondsvolumen ist aktuell bei ca. 452 Mio. Euro bei einer Gesamtkostenquote von 0,47% p.a. Zu den 10 größten Positionen des ETFs gehören Shell, Total, Siemens Energy und Vestas Wind.
Baustein II: Clean-Energy-ETF
Der größte und zugleich einer der erfolgreichsten ETFs nach der Jahresperformance im Bereich der „sauberen“ Energien ist der iShares Global Clean Energy Transition ETF (WKN: A0MW0M). Der ETF bietet Zugang zu den größten und liquidesten Unternehmen weltweit, die im Geschäftsfeld Erneuerbare Energien tätig sind.
Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,65% p.a. Der ETF mit einem Fondsvolumen von etwa 2,4 Mrd. Euro bildet die Wertentwicklung des Index durch vollständige Replikation nach. Die Dividendenerträge im ETF werden an die Anleger halbjährlich ausgeschüttet. Unter den Top-10-Holdings befinden sich Konzerne wie First Solar, Bloom Energy, Iberdrola und Vestas Wind.
Baustein III: Uran und Nuklear
Der VanEck Uranium & Nuclear Technologies ETF (WKN: A3D47K) ist mit einem Fondsvolumen von aktuell etwa 1,8 Mrd. Euro einer der größten ETFs in der Sparte. Der ETF bietet Zugang zu Unternehmen aus aller Welt, die in den Bereichen Uranbergbau und Kernenergie-Infrastruktur tätig sind. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,55% p.a. und die Dividendenerträge werden in den ETF reinvestiert. Zu den größten Positionen des ETFs zählen Cameco, Oklo, Nexgen Energy und Uranium Energy.
ETF-Übersicht:

Mein Fazit
Energie bleibt aus meiner Sicht ein Thema, das uns noch lange begleiten wird, weil der weltweite Strombedarf weiter steigt und KI sowie Rechenzentren diesen Trend zusätzlich beschleunigen. Für Anleger gibt es zwar noch keinen ETF, der wirklich alle Energieformen auf einmal sauber abdeckt, aber mit einer Kombination aus Öl und Gas, Clean Energy und einem Nuklear Baustein lässt sich das Feld trotzdem gut abbilden.
Das ist aus meiner Sicht vor allem etwas für mittel- und langfristige Anleger, weniger für kurzfristige Trend-Trader, weil die Wege zwischendurch holprig sein können. Gerade der Nuklearbereich zeigt kurzfristig den stärksten Trend, ist aber auch der spekulativste Baustein.
Deshalb würde ich nicht automatisch stur je ein Drittel in die aufgeführten Bausteine investieren, sondern die Gewichtung stark an die eigenen Risiken anpassen. Anleger, die das Heft des Handelns in der Hand haben wollen, können statt ETFs auch gezielt einzelne Energie-Aktien auswählen und so ihr eigenes Portfolio zusammenstellen.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: VanEck Uranium & Nuclear ETF (WKN: A3D47K) | Die Informationen auf diese Webseite stellen keine Empfehlungen im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar.
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