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Investment-Strategien im Praxistest!

Investment-Strategien im Praxistest!

(Lars Erichsen) Long-Short-Equity gehört zu den bekanntesten Strategien im Hedgefonds-Bereich. Die Grundidee dahinter klingt zunächst sehr überzeugend. Man investiert in Unternehmen, denen man eine positive Entwicklung zutraut und setzt gleichzeitig auf fallende Kurse bei Unternehmen, die man für schwächer oder überbewertet hält. Im Idealfall verdient man dadurch nicht nur Geld, wenn die Börsen insgesamt steigen, sondern vor allem dann, wenn man die Gewinner und Verlierer richtig identifiziert.

Die Idee

Die Idee hinter Long-Short-Equity ist nicht neu und grundsätzlich logisch nachvollziehbar. Das Ziel besteht darin, weniger von der allgemeinen Marktentwicklung abhängig zu sein und stattdessen stärker von der Fähigkeit des Fondsmanagers zu profitieren, gute und schlechte Unternehmen auseinanderzuhalten. Dazu steuert der Manager nicht nur die gekauften und leerverkauften Positionen, sondern auch das gesamte Risiko des Portfolios, beispielsweise über Branchengewichtungen oder die Höhe der Marktabhängigkeit.

In der Praxis bedeutet es aber auch, dass Investoren einen Teil des klassischen Marktrisikos gegen andere Risiken eintauschen. Statt hauptsächlich vom Markt abhängig zu sein, hängt der Erfolg stärker von den Entscheidungen des Managers, den verwendeten Modellen und der Qualität der Umsetzung ab.


Long-Short-Equity

Quelle: AIMA

Die Ergebnisse

Wenn man die Strategie anhand der tatsächlichen Ergebnisse beurteilt, ergibt sich folgendes. Hedgefonds-Indizes, die nach Angaben der Anbieter bereits alle Gebühren und Kosten berücksichtigen, zeigen für den Zeitraum vom März 2021 bis März 2026 eine kumulierte Rendite von rund 39% bzw. etwa 6,8% pro Jahr für den HFRX Equity Hedge Index. Im gleichen Zeitraum kam der S&P 500 auf etwa 94% bzw. rund 14,1% pro Jahr. Das bedeutet: Während eines langen und starken Bullen-Marktes konnten Long-Short-Strategien nach Kosten mit einem einfachen Investment in den breiten US-Aktienmarkt nicht mithalten.

Ganz so einfach ist die Bewertung allerdings nicht. Befürworter der Strategie weisen zu Recht darauf hin, dass Long-Short-Equity nicht in erster Linie entwickelt wurde, um jede Aufwärtsbewegung des Marktes mitzumachen. Vielmehr soll die Strategie vor allem in schwierigen Marktphasen Verluste begrenzen. Genau das zeigen historische Krisen. Während der Finanzkrise 2007 und 2008 verlor der HFRI Equity Hedge Index rund 19%, während der MSCI World um etwa 35% fiel.

Im 1. Quartal 2020 während des Corona-Crashs betrug der Verlust etwa 15% gegenüber 21% beim MSCI World. Auch im schwierigen Börsenjahr 2022 schnitt der Index mit –10% deutlich besser ab als globale Aktien mit –18%. Das eigentliche Ziel besteht also häufig nicht darin, maximale Renditen zu erzielen, sondern Verluste in Krisenzeiten abzufedern.


Long-Short-Equity

Noch kritischer wird das Bild, wenn man sich anschaut, wie viel der Rendite tatsächlich auf das Können der Manager zurückzuführen ist. Der Datenanbieter Preqin kommt zu dem Schluss, dass viele Long-Short-Fonds in den vergangenen Jahren zwar positive Ergebnisse erzielt haben, ein erheblicher Teil dieser Renditen aber vom allgemeinen Marktanstieg stammte. Die eigentliche Zusatzleistung der Manager, das sogenannte Alpha, fiel oft enttäuschend aus.

Was ist Pair-Trading?

Im Zusammenhang mit Long/Short-Equity fällt auch oft der Begriff des Pair-Tradings. Long/Short-Equity und Pair-Trading werden oft verwechselt, sind aber nicht dasselbe.

Long/Short-Equity ist der Oberbegriff. Dabei werden gleichzeitig Aktien gekauft (Long) und leerverkauft (Short). Ein Fonds kann dabei viele verschiedene Positionen halten, nach Themen, Branchen oder Fundamentaldaten vorgehen und je nach Markteinschätzung netto long, neutral oder sogar netto short sein.

Pair-Trading ist deutlich spezieller: Hier werden meist zwei historisch eng miteinander verbundene Aktien betrachtet. Entfernt sich deren Kursverhältnis ungewöhnlich stark voneinander, wird die vermeintlich überbewertete Aktie geshortet und die unterbewertete gekauft. Die Wette lautet, dass sich die Kurse wieder annähern.

Wer also auf „KI-Gewinner gegen KI-Verlierer“ setzt, denkt meist wie ein Long/Short-Equity-Manager und nicht wie ein klassischer Pair-Trader.

Short-Wetten

Eine bei Privatanlegern beliebte Strategie sind sogenannte Long- oder Short-Wetten, die Anleger meist mittels Zertifikaten umsetzen. Für Daytrader durchaus beliebt und sinnvoll, für diejenigen, die langfristig Vermögen aufbauen möchten, sollte man sich damit eher weniger beschäftigen. Die Produkte sind komplex, so wird beispielsweise bei Turbo-Zertifikaten laufende Finanzierungskosten eingerechnet.

Außerdem existieren Knock-out-Schwellen, bei deren Erreichen das eingesetzte Kapital teilweise oder sogar vollständig verloren gehen kann. Anleger müssen daher nicht nur die richtige Marktmeinung haben, sondern auch die Produktmechanik, die Finanzierungskosten, den Hebel und die jeweiligen Bedingungen des Emittenten verstehen. Zur Wahrheit gehört auch, dass etwa 74% der Anleger mit sogenannten Turbo- und Knockout-Zertifikaten Geld verlieren.


Knock-out-Schwellen


Mein Fazit

Mein persönliches Fazit fällt deshalb nüchtern aus. Long/Short-Equity und Pair-Trading ist eine intelligente Strategie mit nachvollziehbarer Logik. In institutionellen Portfolios kann sie als Ergänzung sinnvoll sein und in Krisenzeiten helfen, Verluste zu begrenzen. Die historischen Daten zeigen jedoch, dass viele Fonds langfristig unter begrenzter Aufwärtsbeteiligung, hohen Gebühren und einer oft enttäuschenden Alpha-Generierung leiden.

Für Privatanleger liegt der größte Mehrwert meiner Ansicht nach nicht im Nachbauen solcher Strategien, sondern im Denken dahinter. Die wirklich interessante Frage im Bezug und am Beispiel von KI lautet eher: Welche Unternehmen profitieren von einem Trend wie künstlicher Intelligenz, und welche geraten dadurch unter Druck? Wer diese Frage richtig beantwortet, schafft die Grundlage für deutlich bessere Anlageentscheidungen.


Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:

Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: - - - | Diese Position ist Bestandteil des „Rendite-Spezialisten“-Depots. Die Informationen in diesem Beitrag stellen keine Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar.


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