Japan: Die geheime Erfolgsstory!
Japan im Fokus der Anleger
(Lars Erichsen) Der Nikkei hat eine bewegende Börsen-Historie hinter sich. Nach dem Platzen der Immobilien- und Aktienblase Ende der 1980er-Jahre fiel der Nikkei 225 von seinem damaligen Rekordstand von knapp 39.000 Punkten Ende 1989 bis auf rund 7.000 Punkte im Jahr 2009. Doch seit dem Herbst 2012 hat sich das Bild grundlegend verändert. Der Nikkei startete damals bei rund 10.400 Punkten einen langfristigen Aufwärtstrend und markierte inzwischen neue Rekordstände. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der vergangenen Monate: Allein in den letzten rund 3 Monaten legte der Index um gut 33% zu und gehört damit weltweit zu den stärksten Aktien-Märkten.

Quelle: TradingView
Was steckt hinter dem Nikkei-Index?
Der Nikkei 225 gilt als einer der sehr bedeutenden Leit-Indizes Asiens. Er umfasst 225 ausgewählte Unternehmen des Prime Market der Tokyo Stock Exchange. Der Index wird seit 1950 berechnet und bildet die Entwicklung großer und besonders liquider japanischer Unternehmen aus zahlreichen Wirtschaftssektoren ab. Beim Nikkei handelt es sich um einen preisgewichteten Aktien-Index. Das bedeutet, dass der Aktienkurs eines Unternehmens und nicht dessen Börsenwert über seinen Einfluss auf den Index entscheidet. Hochpreisige Aktien bewegen den Nikkei daher deutlich stärker als Unternehmen mit einem niedrigeren Aktienkurs, selbst wenn diese einen höheren Börsenwert besitzen.
So ist der Nikkei ausgerichtet
Charakteristisch für den Nikkei 225 ist seine starke Ausrichtung auf Technologie- und Industrie-Unternehmen. Zu den größten Schwergewichten gehören unter anderem der Bekleidungs-Konzern Fast Retailing, der Halbleiter-Testsystemspezialist Advantest, der Chipanlagen-Hersteller Tokyo Electron, die Technologie- und Investmentholding SoftBank Group, der Elektronik- und Batteriespezialist TDK, der Speicherchip-Hersteller Kioxia, der Robotik- und Automatisierungskonzern Fanuc sowie der Spezialchemie- und Siliziumwafer-Hersteller Shin-Etsu Chemical. Gerade Unternehmen aus den Bereichen Halbleiter, Automatisierung, Elektronik und Präzisionstechnik haben in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Dadurch profitiert der Nikkei 225 in besonderem Maße vom weltweiten Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz, Rechenzentren und moderne Halbleiter-Technologien.

Schwacher Yen
Der zweite große Treiber ist der schwache Yen. Ende Juni 2026 fiel der Yen zeitweise auf den schwächsten Stand seit rund 40 Jahren und notierte über 162 Yen je US-Dollar. Für japanische Exporteure ist das kurzfristig positiv, weil Auslandserlöse in Yen gerechnet höher ausfallen. Gleichzeitig fließt dadurch noch mehr Aufmerksamkeit auf japanische Export- und Technologiewerte. Das ist aber auch ein Risiko, weil Japans Regierung bei zu starker Yen-Schwäche wieder mit Deviseninterventionen reagieren könnte.
Straffere Geldpolitik
Auch die Geldpolitik ist ein Punkt, den der Aktien-Markt bislang erstaunlich gelassen hinnimmt. Die Bank of Japan hatte den kurzfristigen Leitzins bereits im Dezember 2025 auf 0,75% angehoben. Im Jahr 2026 folgte dann der nächste Schritt: Der Zielwert für den unbesicherten Tagesgeldsatz wurde auf rund 1,0% erhöht, den höchsten Stand seit Mitte der 1990er-Jahre. Damit verlässt Japan die Ära des extrem billigen Geldes Schritt für Schritt.
Bislang wird dieser Zinsanstieg vom Aktien-Markt weitgehend ignoriert, weil andere Kräfte stärker wirken: Der schwache Yen, hohe Gewinne der exportorientierten Konzerne, internationale Kapitalzuflüsse und vor allem der KI- und Halbleiter-Boom.
Mein Fazit
Mein Fazit zum Nikkei 225 fällt insgesamt positiv aus. Ich finde den japanischen Aktien-Markt weiterhin interessant, da mehrere strukturelle Faktoren wie die starke Halbleiter-Industrie, der KI-Investitionszyklus sowie die Reformen der Unternehmen derzeit unterstützend wirken. Mitte April wollte ich bei den „Rendite-Spezialisten“ bereits mit einer gehebelten Position auf den Nikkei 225 einsteigen, bin aufgrund meines Setups und meines konsequent gesetzten Limits jedoch nicht zum Zug gekommen. Nach dem kräftigen Kursanstieg der vergangenen Monate würde ich bei einem Neueinstieg aktuell eher auf eine günstigere Einstiegsgelegenheit warten und den Markt bis dahin aufmerksam weiter beobachten.
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