Rendite trotz fallender Kurse?
Ist das möglich?
(Lars Erichsen) Die Aktien-Märkte wirken momentan etwas nervöser und zu den alten Sorgen rund um hohe Inflation, steigende Zinsen und hohe Anleiherenditen kommt jetzt auch noch Gegenwind aus dem KI-Sektor. OpenAI hat einen Börsengang 2026 ausgeschlossen, Anthropic-Chef Dario Amodei warnt vor dem hohen Tempo bei der Entwicklung immer leistungsfähigerer Modelle und auch Sam Altman und Elon Musk haben diese Sorgen aufgegriffen. Und inzwischen kommen ähnliche Warnsignale sogar aus China. Chinas Staatssicherheitsminister Chen Yixin warnt ebenfalls vor KI und den Gefahren für kritische Infrastruktur und Datensicherheit.
Gerade wenn die Märkte unruhiger werden, merken viele Anleger ziemlich schnell, wie viel Schwankung sie im eigenen Depot tatsächlich aushalten. Vier Verlusttage in Folge an der Wall Street in der vergangenen Woche waren dafür ein gutes Beispiel. Denn eines mögen die wenigsten Anleger, nämlich ständig ins Depot zu schauen und nicht zu wissen, wie weit es als Nächstes nach unten geht. Genau deshalb habe ich mir heute Aktien und ETFs angeschaut, die eher schwankungsarm sind und bei denen die Chancen auf eine ruhige Nacht etwas größer sind.
Low-Volatility-ETFs
Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist die Volatilität. Sie ist eine Messzahl dafür, wie stark der Kurs einer Aktie, eines ETFs oder einer anderen Anlageklasse innerhalb eines bestimmten Zeitraums schwankt. Je höher die Volatilität, desto größer waren die Kursschwankungen. Und genau an diesem Punkt kommen Low-Volatility-ETFs ins Spiel, denn sie setzen gezielt auf Aktien, die vergleichsweise wenig schwanken.
Das gibt es
Schaut man sich das Angebot in Deutschland an, gibt es derzeit rund 25 ETFs, die ausdrücklich auf eine Low-Volatility-Strategie setzen. Low-Volatility-ETFs gibt es für verschiedene Aktien-Märkte und Regionen. Dazu gehören unter anderem der MSCI World, der MSCI USA, der S&P 500 sowie der Euro Stoxx.
Am Markt gibt es außerdem ETFs, die eine niedrige Volatilität mit einer hohen Dividendenrendite kombinieren. Für europäische Aktien gibt es beispielsweise einen Euro Stoxx High Dividend Low Volatility ETF. Das gleiche Konzept gibt es auch für den amerikanischen Aktien-Markt auf Basis des S&P 500. Und auch für die Schwellenländer gibt es mit dem FTSE Emerging Markets High Dividend Low Volatility eine entsprechende Variante.

Das ist wichtig
Es ist wichtig, bei solchen ETFs nicht nur auf den Begriff Low-Volatility oder Minimum-Volatility zu schauen, sondern auch darauf, wie der zugrunde liegende Index genau aufgebaut ist, welche Länder und Branchen enthalten sind und nach welchen Regeln die Aktien ausgewählt werden. Viele dieser ETFs kombinieren die Auswahl inzwischen zusätzlich mit ESG-Kriterien. ESG steht für Environmental, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung und bedeutet vereinfacht gesagt, dass bestimmte Unternehmen je nach Nachhaltigkeitsregeln bevorzugt, schlechter gewichtet oder ganz ausgeschlossen werden können.
Vor- und Nachteile
Low-Volatility-ETFs spielen ihre Stärke meist dann aus, wenn die Börsen fallen, nervös werden oder über längere Zeit seitwärts laufen, denn die enthaltenen Aktien schwanken in der Regel weniger stark und verlieren in schwachen Marktphasen oft weniger. Genau das zeigen auch langfristige Untersuchungen von MSCI und S&P, nach denen Low Volatility Strategien in fallenden Märkten historisch häufiger besser abschnitten als der Gesamtmarkt. In starken Bullen-Märkten sieht es häufig anders aus, denn dann laufen wachstumsstarke und stärker schwankende Aktien oft davon und die ETFs bleiben zurück. Deshalb sollte man sie eher als defensiven Baustein sehen und nicht als Strategie, die in jeder Marktphase automatisch besser läuft.

Mein Fazit
Eine Vollkasko-Versicherung für schlechte Börsenzeiten sind diese ETFs nicht, auch sie können deutlich an Wert verlieren. Historisch haben solche Strategien ihre Stärke vor allem in fallenden und unruhigen Märkten gezeigt, während sie in starken Bullen-Märkten häufig hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben. Deswegen verstehe ich, dass einige Anleger mit diesen Produkten etwas besser schlafen können. Allerdings richte ich meine langfristige Strategie nicht auf die Phasen der Korrekturen aus, das hätte in den letzten 30 Jahren nur Rendite gekostet. Sinnvoller war es in der Vergangenheit, größere Korrekturen für Nachkäufe zu nutzen.
| Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: - - - | Diese Position ist Bestandteil des „Rendite-Spezialisten“-Depots. Die Informationen in diesem Newsletter stellen keine Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar. |
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