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DAX: Short-Attacke drückt die Kurse

Was für einen Kursrutsch spricht – und was dagegen!

(Lars Erichsen) Schon Mitte Februar machte die Meldung die Runde, dass die Börsenlegende Ray Dalio mit einem Kursabsturz des Deutschen Aktienindex (DAX) rechnet. Und nicht nur das, er wettet auch mit Milliarden von US-Dollar darauf!

Als Gründer des größten Hedge-Fonds der Welt, das ist Bridgewater Associates mit einem Fondsvolumen von rund 160 Mrd. USD, sind solche Spekulationen sein Geschäft.

Aktien shorten – so geht es!

Technisch geschieht das, indem Aktien "geshortet" werden. Das heißt Hedge-Fonds wie Bridgewater tätigen Leerverkäufe und spekulieren damit auf einen Kursrückgang.

Das funktioniert, indem sie sich die Aktie gegen eine Gebühr bei Banken oder Fonds oder einem Broker leihen und dann an der Börse verkaufen. Fällt die Aktie dann wie erwartet, dann können sie sie billiger zurückkaufen und erzielen einen Spekulationsgewinn.

Das scheint erfolgreich gewesen zu sein, denn von seinem Stand bei 12.500 Punkten Mitte Februar ist der DAX zwischenzeitlich um 700 Punkte gefallen. Und vermutlich ist Ray Dalio auch bereits bei höheren Kursen "short gegangen".

Hat die Börsenlegende also wieder einmal ihren Schnitt gemacht? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, in welche Aktien und in welchem Umfang Bridgewater Leerverkäufe getätigt hat, denn hier besteht eine Meldepflicht.

Ray Dalio setzt weiter auf fallende Kurse

Und offenbar sieht Dalio den Kursrückgang des DAX noch längst nicht am Ende, denn auch bei einem Kursniveau unterhalb von 12.000 Punkten hat sein Fonds die Short-Positionen nochmals aufgestockt, und zwar auf schätzungsweise 25 Mrd. USD. bzw. 15 Prozent des Fondsvolumens.

Dabei sind nicht nur deutsche Aktien das Ziel, sondern auch europäische Titel, wie z.B. italienische und französische Banken-Aktien. Tatsächlich ist der Index der 50 größten Aktien der Eurozone seit seinem Hoch im Januar kräftig gefallen:

Euro Stoxx 50

Der Euro Stoxx 50 Index konnte sich in den letzten Wochen stabilisieren und nach der
Bestätigung der Aufwärtstrendlinie bei 3.280 Punkten sogar wieder steigen.


Unter den deutschen Aktien ist das Industrie-Urgestein Siemens die größte Short-Position. Mehr als ein 1 Prozent der gesamten Aktien von Siemens sind geshortet. Daneben wettet Dalio beim Softwarekonzern SAP – ihres Zeichens die größte deutsche Aktiengesellschaft, beim Chemiewert BASF und beim Versicherungskonzern Allianz mit Short-Positionen auf einen Kursrückgang.

Hat die deutsche Konjunktur den Zenit überschritten?

Hat Bridgewater den Kursrückgang beim DAX mitverschuldet oder gar verursacht oder profitieren die Spekulanten nur davon? Das ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei.

Jedenfalls ist Bridgewater kein aggressiver Hedge-Fonds, der sich einzelne Aktien aussucht und diese dann unter Feuer nimmt, um von einem Absturz zu profitieren. Vielleicht erinnern Sie sich: Die TecDAX-Aktie Wirecard war zeitweise das Opfer solcher Angriffe.

Die Aktionen von Bridgewater sind Resultat einer klaren Analyse. Ansonsten hätte Ray Dalio das Unternehmen nicht zu einem der erfolgreichsten Hedge-Fonds der Welt machen können.

Und seine Diagnose lautet: Der Aufschwung in Deutschland und Europa wird überschätzt. Tatsächlich befindet sich die Konjunktur seiner Ansicht nach auf dem Höhepunkt des Zyklus und nun geht es abwärts.

Die Aufwertung des Euro wird zusätzlich auf die Konjunktur drücken, speziell in einem exportorientierten Land wie Deutschland. Ich selbst schätze Ray Dalio wegen seiner klugen Analysen, seiner guten Bücher und seiner Konsequenz als Anleger. Seine Meinung sollte man auf jeden Fall ernst nehmen.

Markieren schwache Konjunkturdaten den Wendepunkt?

Die jüngsten Konjunkturdaten aus Deutschland geben ihm jedenfalls Recht: Die Zahlen für Februar waren durchweg enttäuschend, sei es bei Industrieproduktion, Auftragseingängen, Einzelhandelsumsätzen und auch den Exporten.

Die Volkswirte tun sich schwer damit, das zu erklären, denn die Rahmenbedingungen für die Inlandsnachfrage sind dank hoher Beschäftigung und steigender Löhne weiterhin gut.

Konjunkturdaten Deutschland

Die Produktion und die Auftragseingänge in der deutschen Industrie fielen im Januar und Februar zwar zurück, aber dieser Rückgang erfolgte von einem Rekordhoch aus.


Und auch der Welthandel wächst trotz des Störfeuers aus den USA insgesamt kräftig. Möglicherweise spielten das sehr kalte Wetter und die intensive Grippewelle eine Rolle. Doch das kann den Rückgang nicht ganz erklären. Der Aufschwung verliert wohl an Tempo.

Die Weltkonjunktur ist so robust wie lange nicht

Soweit könnte Ray Dalio also richtig liegen. Aber müssen deswegen die Kurse am deutschen Aktienmarkt weiter fallen? Darüber kann man anderer Meinung sein. Viele Volkswirte erwarten zwar keine weitere Beschleunigung der deutschen Konjunktur, aber eben auch keine klare Abschwächung.

Die unterstützenden Faktoren sind nach wie vor stark. Dazu zählen der historisch hohe Beschäftigungsstand und die Robustheit des Welthandels. Die Weltkonjunktur hatte lange keine so breite Basis mehr wie aktuell.

Doch gerade letzteres scheint durch den Handelsstreit der USA mit China und überhaupt durch den wachsenden Protektionismus des US-Präsidenten gefährdet. Doch hier wird sehr vieles heißer gekocht als gegessen.

Donald Trump will mit Drohungen und bilateralen Verhandlungen die Rahmenbedingungen für den Welthandel verändern. Und auch wenn es in den Medien manchmal anders dargestellt wird: Die Europäische Union und noch viel mehr China haben aktuell höhere Zölle und Handelsschranken als die USA.

Handelsstreit sorgt für Kursturbulenzen

Das Hin und Her im Handelsstreit zwischen den USA und China sorgte in den letzten Wochen für ein Auf und Ab an den Märkten. In den letzten Tagen ging es wieder nach oben, weil der chinesische Präsident in einer Rede die Bereitschaft zum Senken von Zöllen und einem erleichterten Zugang für Ausländer zum chinesischen Markt bekundete.

Das veranlasst viele Anleger offenbar dazu die gedrückten Kurse an den Aktienmärkten als Einstiegschance zu sehen. Ob zu Recht, das wird sich in Zukunft zeigen.

Besonders auch der chinesische Aktienmarkt reagierte positiv auf diese Nachricht:

Hang-Seng China Enterprises

Der Hang-Seng China Enterprises Index hat nach dem Kursrückgang seit dem Hoch im Januar in den letzten Tagen wieder zugelegt. Ein Befreiungsschlag ist das aber noch nicht.

Ist das Thema damit bereits vom Tisch? Wohl eher nicht. Denn Reden sind eine Sache und Taten eine andere. Das wahrscheinlichste Zukunftsszenario ist aus meiner Sicht, dass das Thema in nächster Zeit einfach weiter köchelt.

Denn die US-Regierung kann die angekündigten Zölle frühestens Ende Juli / Anfang August in Kraft treten lassen. Diese Zeit werden Peking und Washington für Verhandlungen bzw. gegenseitige Drohungen nutzen.

Verunsicherung ist schlecht für die Konjunktur

Ich weiß nicht, wie Ray Dalio diese Situation einschätzt. Wahrscheinlich wird das seine Analyse nicht wesentlich beeinflussen. Die Art und Weise, wie Donald Trump Politik betreibt, auch internationale Handelspolitik, bringt aber vor allem eines mit: Verunsicherung. Und das ist nie gut für die Konjunktur, denn verunsicherte Unternehmer halten sich mit Investitionen und verunsicherte Verbraucher mit wichtigen Kaufentscheidungen zurück.

Fazit

sprechblase Kurz und kompakt

Aber das muss nicht heißen, dass Ray Dalio richtig liegt und der DAX weiter fällt. Falsche Einschätzungen gehören zum Geschäft der Hedge-Fonds dazu. Es kann auch sein, dass Bridgewater nicht nur auf fallende Aktien setzt, sondern auch Long-Positionen im Depot hat, möglicherweise in anderen Märkten. Oder vielleicht erhält der deutsche Aktienmarkt jetzt eine Verschnaufpause und es kommt später im Jahr zu einem weiteren Kursrutsch.

Du solltest jedenfalls noch zwei Punkte bedenken:

1. Falls sich die Konjunktur wirklich abkühlt, egal ob in den USA oder in Europa, dann würden die Notenbanken weiter auf niedrige Zinsen und eine expansive Geldpolitik setzen. Und egal welche negativen Folgen das langfristig haben könnte, kurzfristig wäre das positiv für Aktien.

2. Falls die Börsen wieder steigen und Ray Dalio seine Einschätzungen ändert oder ändern muss, dann muss sein Hedge-Fonds die verkauften Aktien zurückkaufen. Das würde die Kurse noch stärker nach oben treiben.

Wir als Anleger sollten uns nicht einseitig festlegen, sondern in jeder Marktphase die sich bietenden Chancen nutzen. Aktuell könnte es erfolgversprechend sein, auf Aktien aus China zu setzen.

Lars Erichsen
Wenig Zeit?

Bildquellen:
© JiSign – fotolia.com

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