2 Gold-Aktien mit Hebel
(Lars Erichsen) Gold hat auf Monatssicht deutlich zugelegt. In US-Dollar kommt das Edelmetall auf ein Plus von gut 14%. Der Gold-Preis steht damit wieder bei rund 4.600 US-Dollar je Feinunze. Nach Angaben des World Gold Council wurde die Erholung im August unter anderem von einem schwächeren US-Dollar, veränderten Zinserwartungen und neuen Zuflüssen in Gold-ETFs unterstützt. Die Rallye bei Gold sorgte dafür, dass zahlreiche Goldminen-Aktien ebenfalls einen ordentlichen Sprung nach oben machten.
Quelle: www.prorealtime.com
Besonders auffällig sind Unternehmen mit südafrikanischen Wurzeln: Die US-Aktie von Harmony Gold legte auf Monatssicht rund 45% zu und Gold Fields kommt im gleichen Betrachtungszeitraum auf ein Plus von 40%. In meinem Report möchte ich deshalb diesmal speziell auf diese Konzerne eingehen. Der Grund dafür ist vor allem ihre Kostenstruktur.
Gerade südafrikanische Minen haben teilweise höhere Förderkosten als besonders günstig produzierende Minen in anderen Regionen. Das ist zunächst kein Vorteil. Wenn der Gold-Preis allerdings deutlich steigt und die Kosten nicht im gleichen Tempo nach oben gehen, kann sich der wirtschaftliche Überschuss je geförderter Unze stark verbessern.
Harmony Gold
Im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 produzierte Harmony insgesamt 724.099 Unzen Gold. Zusammengerechnet kamen damit rund 639.000 Unzen bzw. etwa 88% der Gold-Produktion aus Südafrika. Im 1. Halbjahr sank die Gold-Produktion um 9%. Gleichzeitig stiegen die All-in-Sustaining Costs (AISC) in US-Dollar um 25% auf 2.115 US-Dollar je Unze. Eigentlich keine besonders gute Kombination. Doch gleichzeitig erhöhte sich der durchschnittlich erzielte Gold-Preis um 40% von 2.437 auf 3.421 US-Dollar je Unze. Trotz weniger Produktion und deutlich höherer Kosten stieg der operative Gewinn deshalb um 61% auf 930 Mio. US-Dollar.
Was zusätzlich für Harmony Gold spricht
Die Bilanz ist derzeit vergleichsweise solide. Ende des 1. Halbjahres lag das Verhältnis aus Nettoverschuldung und EBITDA trotz der Expansion lediglich bei 0,18. Gleichzeitig verfügte Harmony über rund 895 Mio. US-Dollar an Liquidität und ungenutzten Kreditlinien. Harmony hat seine Ausschüttungspolitik angepasst und kann künftig bis zu 50% des Netto-Free-Cashflows ausschütten. Im 1. Halbjahr wurde bereits eine Rekord-Zwischendividende von insgesamt rund 204 Mio. US-Dollar beschlossen.
Das sollte man nicht ausblenden
Gerade weil Harmony so stark von Südafrika abhängig ist, muss man die andere Seite ebenfalls sehen. Die Kostenbasis besteht zu einem großen Teil aus Rand-Ausgaben für Personal, Strom und Verbrauchsmaterialien. Ein schwächerer Rand kann deshalb hilfreich sein.
Ein stärkerer Rand wirkt dagegen genau andersherum. Im 1. Halbjahr FY26 (Fiscal Year 2026) wertete der Rand gegenüber dem US-Dollar auf. Der durchschnittliche Wechselkurs lag bei 17,36 Rand je US-Dollar, nach 17,94 Rand im Vorjahr. Das war einer der Gründe dafür, dass die in Dollar ausgewiesenen Kosten stärker stiegen. Hinzu kommen Strom, Personal und die technisch anspruchsvollen Untertageminen.
Harmony nennt selbst steigende Elektrizitäts-, Personal-, Auftragnehmer- und Materialkosten als Belastungsfaktoren. Außerdem steigen bei höheren Gold-Preisen einige Kosten automatisch mit. Allein die südafrikanischen Förderabgaben erhöhten sich im vergangenen Geschäftsjahr wegen der gestiegenen Umsätze um rund 95 Millionen US-Dollar. Die Steuerbelastung nahm zusätzlich um etwa 162 Mio. US-Dollar zu.
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Gold Fields
Gold Fields ist ebenfalls ein südafrikanischer Goldminen-Betreiber und sowohl an der Börse Johannesburg als auch in New York notiert. Das Unternehmen ist heute allerdings wesentlich internationaler aufgestellt als Harmony. Etwa 12% der gesamten Produktion entfallen auf Südafrika und die South-Deep-Miene.
South Deep ist eine große Goldmine unter Tage, in der viele Arbeiten wie Bohren, Laden und der Transport des Gesteins von Maschinen übernommen werden. 2025 produzierte South Deep 308.800 Unzen Gold, 16% mehr als im Vorjahr. Die AISC lagen bei 1.841 US-Dollar je Unze. Für 2026 erwartet Gold Fields aufgrund höherer Kosten AISC von 2.150 bis 2.350 US-Dollar je Unze bei einer Produktion von 300.000 bis 320.000 Unzen.
Genau hier entsteht bei einem hohen Gold-Preis ein interessanter Hebel. Bei einem Gold-Preis von mehr als 4.600 US-Dollar liegt der Verkaufspreis weit über den Förderkosten. Steigt Gold weiter und bleiben die Kosten einigermaßen unter Kontrolle, kann der wirtschaftliche Überschuss je Unze prozentual deutlich stärker wachsen als der Gold-Preis selbst.
Warum Gold Fields interessant ist
Der Vorteil von Gold Fields liegt aus meiner Sicht in der Kombination aus Goldpreis-Hebel und Diversifikation. Gold Fields bietet damit einen etwas anderen Ansatz: Weniger direkter Südafrika-Hebel, dafür eine deutlich breitere geografische Aufstellung und trotzdem einen starken Hebel auf einen weiterhin hohen oder steigenden Gold-Preis.
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Mein Fazit
Harmony Gold und Gold Fields finde ich im aktuellen Gold-Umfeld spannend, auch wenn ich derzeit in keinem der beiden Unternehmen investiert bin. Harmony bietet den stärkeren direkten Hebel auf den südafrikanischen Gold-Bergbau, aber Vorsicht: Dieser Hebel wirkt auch in bärischen Marktphasen dementsprechend. Gold Fields ist international deutlich breiter aufgestellt und damit weniger abhängig von einzelnen Ländern oder Minen.
Wie stark dieser Hebel wirken kann, zeigt auch die Börsenentwicklung: Harmony Gold hat in den vergangenen 3 Monaten rund 36,9% zugelegt und damit etwa 15,5 Prozentpunkte besser abgeschnitten als Newmont mit rund 21,5%. Newmont ist der weltweit größte börsennotierte Gold-Produzent.
Die stärkere Entwicklung von Harmony ist zwar kein Beweis dafür, dass die Aktie dauerhaft besser laufen wird, sie zeigt aber, wie deutlich ein Produzent mit höheren Kosten und entsprechend stärkerem Ergebnishebel in einer guten Goldphase reagieren kann. Für die dauerhafte Anlage sind beide Konzerne meines Erachtens nicht geeignet.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
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