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Gold – Setzt sich die Rallye fort?

Steigende Nachfrage nach Gold-ETFs treibt den Goldpreis nach oben...

Gold – Setzt sich die Rallye fort?

(Lars Erichsen) Nachdem starken Anstieg von Anfang Juni bis Anfang September ist die Erholung beim Goldpreis in den letzten Wochen wieder ins Stocken geraten. War es das schon wieder oder ist das nur ein Atemholen vor der nächsten Aufwärtsbewegung? Um diese Frage zu beantworten, muss man meiner Ansicht nach vor allem auf die Charttechnik zurückgreifen.

Das tue ich in diesem Report regelmäßig. So habe ich z.B. zuletzt geschrieben, dass ein Rücksetzer bis in die Unterstützungszone zwischen 1.460 und 1.478 US-Dollar nicht weiter kritisch wäre. Erst ein Fall unter diesen Bereich wäre ein klares Warnsignal. Dazu ist es bislang nicht gekommen.



Gold gehört in ein ausgewogenes Anlagedepot

Aber wie sieht es fundamental aus, was spricht in dieser Hinsicht für einen weiter steigenden Goldpreis? Darauf möchte ich gleich näher eingehen. Doch um Missverständnissen vorzubeugen, zuvor noch folgende wichtige Anmerkung:

Bei Gold – wie übrigens auch bei Aktien und anderen Anlageformen – sollte unbedingt die langfristige und die kurzfristige Perspektive auseinandergehalten werden. Langfristig halte ich zur Absicherung gegen Krisen einen Anteil von 10 bis 15% Gold am Anlagedepot für angemessen. Am besten physisch in Form von Münzen oder Barren. Das gilt unabhängig von der aktuellen charttechnischen Einschätzung.

Allerdings eignet sich Gold genauso wie Silber ebenfalls dafür, von kurz- und mittelfristigen Entwicklungen zu profitieren. Als Instrumente dafür sind wegen der geringen Transaktionskosten z.B. Gold-ETCs wie Xetra Gold oder Euwax Gold II geeignet.

Nachfrage nach Gold-ETFs legt 2019 wieder kräftig zu

Fundamental gesehen gibt es jedenfalls gute Argumente dafür, dass Gold weltweit weiterhin stark gefragt bleibt – was eine wichtige Bedingung für einen steigenden Preis wäre. Im 1. Halbjahr 2019 lag die Goldnachfrage jedenfalls um 8% über dem Niveau des Vorjahres, was dem höchsten Stand seit drei Jahren entspricht.

Es gibt Anzeichen dafür, dass sich diese Entwicklung im 3. Quartal fortgesetzt hat, die endgültigen Marktdaten dazu werden aber erst in den nächsten Tagen veröffentlicht. Ein wichtiger Treiber der Nachfrage waren weltweit steigende Zuflüsse in die Gold-ETFs. Diese Fonds hinterlegen die ihnen zufließenden Anlagegelder mit physischem Gold und treten daher in großem Umfang als Käufer am Goldmarkt auf.

2018 waren die Netto-Zuflüsse in die Gold-ETFs mit +69 Tonnen allerdings deutlich niedriger in den Vorjahren, was ein wichtiger Grund für den Preisrückgang bei Gold im letzten Jahr war. 2019 gab es aber eine Wende: Bis September legten die Zuflüsse in die Gold-ETFs um 13,5% gegenüber dem Vorjahr zu – damit wurde ein neues Rekordniveau erreicht.



Die Wende in der Geldpolitik hat die Anleger in Gold getrieben

Bis Mai war die Nachfrage noch verhalten oder sogar negativ, von Juni bis September aber schossen die Zuflüsse in die Gold-ETFs regelrecht nach oben. Das korrespondiert mit dem danach zu beobachtenden Anstieg beim Goldpreis. Im Oktober gab die Nachfrage nach ETFs allerdings offenbar wieder nach, der weltgrößte Gold-ETF SPDR Gold Shares verzeichnete sogar Abflüsse in Höhe von 2,35 Tonnen.

Zu den wichtigsten Ursachen für die steigende Nachfrage nach Gold-ETFs in den letzten Monaten zählten die Verunsicherung der Anleger infolge von Handelsstreit und Brexit sowie die Wende in der Politik der großen Notenbanken. Die US-Notenbank hat den Leitzins erneut gesenkt und die EZB tritt ebenfalls wieder stärker aufs Gaspedal.

Fallende Zinsen bzw. Renditen am Anleihemarkt sind normalerweise gut für den Goldpreis, denn dadurch steigt die Attraktivität von Gold als Anlagegut gegenüber Anleihen. Auch der eine oder andere Aktien-Anleger dürfte aus Furcht vor einer Rezession einen Teil seines Depots in Gold umgeschichtet haben.

Die Notenbanken kaufen verstärkt Gold

Ob diese Entwicklung kurzfristig anhält, hängt nicht zuletzt von der weiteren Entwicklung am Aktienmarkt ab. Als konstanterer Preistreiber erweist sich da die steigende Goldnachfrage der Notenbanken.

So haben die Notenbanken weltweit 2018 so viel Gold gekauft wie noch nie. Mit einem Plus von 651 Tonnen gab es gegenüber dem Vorjahr einen kräftigen Zuwachs und es wurde auch das bisherige Rekordjahr 2013 übertroffen.

Auch im 1. Halbjahr lagen die Goldkäufe der Notenbanken deutlich über dem Niveau des Vorjahres. 2019 könnte also ein neues Rekordjahr werden. Allerdings war die Nachfrage im 1. Halbjahr 2019 niedriger als im 2. Halbjahr 2018. Diese leichte Abwärtstendenz hat sich in den Sommermonaten offenbar fortgesetzt. Möglicherweise haben die Notenbanken wegen des gestiegenen Goldpreises ihre Käufe etwas reduziert.

Bis August haben die Notenbanken weltweit ihre Goldreserven um insgesamt 450 Tonnen aufgestockt. Hält dieser Trend bis zum Jahresende an, dann wird in etwa das Rekordniveau des Vorjahres erreicht:



Als wichtigste Käufer treten dabei nicht die etablierten Notenbanken mit den höchsten Goldbeständen z.B. aus den USA, Deutschland oder Japan auf, sondern die Notenbanken von Schwellenländern.

Vor allem Russland, die Türkei, Polen und China haben 2019 kräftig Gold gekauft, etwa 416 Tonnen (von insgesamt 450t) entfielen auf die Notenbanken dieser vier Länder. Hauptmotiv dürfte dabei gewesen sein, die Devisenreserven zu diversifizieren und unabhängiger vom US-Dollar – der immer noch bei weitem wichtigsten Reservewährung der Welt – zu werden.

Diese Tendenz wird voraussichtlich anhalten, zumal die Notenbanken Chinas, Indiens, Russlands und anderer Schwellenländer weiterhin nur einen geringen Anteil ihrer Reserven in Gold halten. So bestehen z.B. die Devisenreserven der Bundesbank zu 73% aus Gold, bei China sind es nur 3,0%, in Russland immerhin schon 20,7% (Indien 7,0%, Polen, 9,5%, Türkei 19,0%).


Mein Fazit

Die Goldnachfrage ist 2019 vor allem wegen höherer Zuflüsse in die Gold-ETFs gestiegen. Die Gründe dafür: Die Wende in der Geldpolitik der großen Notenbanken und die Verunsicherung der Anleger. Dazu kommt die Aufstockung der Goldreserven durch die Notenbanken der Schwellenländer.

Ob sich diese Entwicklung fortsetzt, ist allerdings nicht sicher. Die letzten Monate haben erneut gezeigt, dass die Nachfrage nach ETFs stark schwankt und nicht selten das Zünglein an der Preiswaage ist – jedenfalls kurzfristig gesehen. Die Notenbanken erhöhen ihre Goldbestände zwar unter dem Strich weiter, aber sie haben keine Eile damit. Gut möglich, dass ihre Nachfrage nach dem starken Goldpreisanstieg nachlässt.

Ich orientiere mich daher für die kurz- und mittelfristige Preisprognose weiterhin an der Charttechnik, denn diese spiegelt die Sichtweise aller Marktteilnehmer wieder – und das ist letztlich entscheidend. Wie eingangs erwähnt, zeigt die Tendenz hier weiter nach oben, solange die Unterstützungszone zwischen 1.460 und 1.478 US-Dollar nicht unterschritten wird. Sollte das passieren, ist eine neue Einschätzung nötig.

Bildquellen:
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