++ Bitcoins: Digitales Gold oder Luftblase? -> Jetzt downloaden ++
Zur Übersicht Aktien

Was taugen Gewinnprognosen für Aktienprognosen?

Aktien-Wissen Teil 1: Die Kurse sind oftmals schneller als die Prognosen der Analysten

Die Gewinnerwartungen wurden verfehlt. Die Prognosen wurden übertroffen. Sicher haben Sie schon öfters derartige Sätze gelesen, wenn es um die Beurteilung von Quartalsergebnissen oder Geschäftszahlen von Unternehmen geht. Meistens gibt es dann eine prompte, oft auch größere Reaktion der betreffenden Aktie. Doch wie kommen diese Prognosen zustande und welche Aussagekraft haben sie?

Schauen Sie sich die nachfolgende Grafik an, in der Sie die Entwicklung der Gewinnschätzungen der Deutschen Bank sehen. Anhand der Grafik erkennen Sie, dass sich die Prognosen für 2016 und 2017 zwar im Wesentlichen in die gleiche Richtung entwickeln, aber teilweise großen Veränderungen unterliegen. Der Grund ist einfach: Auch Analysten können nicht hellsehen und liegen oft falsch. Um das Fehlerrisiko zu verringern, wird ein Durchschnitt aus allen Prognosen für eine Aktie gebildet, die so genannte Konsensusprognose.

Deutsche Bank Gewinnprognose Aktienprognose

Aktienprognose: Nicht alles für bare Münze nehmen!

Oftmals werden Analystenprognosen von der Finanzpresse für eigene Zwecke ausgeschlachtet und manchmal auch von den Analysten selbst. Wer sich einen Namen machen will, muss sich als Crash-Prophet oder Superoptimist profilieren, wer mit der Masse der anderen Analysten schwimmt, fällt nicht weiter auf. Das macht die Prognosen nicht gerade treffsicherer.

Oftmals hilft es gerade bei wenig beachteten kleinen Aktien schon, wenn man den gesunden Menschenverstand einschaltet. Bei den großen Aktien, die von vielen Analysten untersucht werden, fallen Ausreißer nach oben oder unten bei der Ermittlung der Durchschnittsprognose nicht so stark ins Gewicht. Prognosen für Schwergewichte wie Daimler, BASF oder Coca-Cola sind unter diesem Gesichtspunkt verlässlicher. Auf der anderen Seite dauert es häufig erstaunlich lange, bis die Prognosen an neue Gegebenheiten angepasst werden. Die Wirklichkeit überholt die Gewinnprognosen daher oft.

Gewinnprognosen taugen nicht zur Aktienkursprognose

So fallen die Aktienkurse oftmals schon deutlich früher, als die Gewinnprognosen und umgekehrt. Zur Vorhersage von Aktienkursbewegungen eignen sich Gewinn-prognosen daher nur eingeschränkt. Natürlich kann man eine Menge mit Gewinn-prognosen anfangen, beispielsweise die Berechnung von Kennzahlen, anhand derer verschiedene Aktien verglichen werden können. Doch auch hier gibt es Tücken.

So gibt es unterschiedliche Berechnungsmethoden für den Gewinn und oftmals werden verschiedene Arten von Gewinn (Vorsteuergewinn, operativer Gewinn, etc.) durcheinander geworfen. Für den Laien ist außerdem nur schwer nachvollziehbar, wie die Prognosen zustande kommen und was genau dahinter steckt. Vertrauen Sie also nicht blind irgendwelchen Gewinnprognosen, sondern ziehen Sie bei der Aktienauswahl auch andere Hilfsmittel zu Rate. Gewinnprognosen sind gute Orientierungshilfen bei Käufen und Verkäufen, mehr jedoch nicht.

Meinung

sprechblase Böhms Praxistipp

Trotz aller Kritik erfüllen die Gewinnprognosen der Analysten eine wichtige Funktion. Sie geben Einblick in das Innenleben von Unternehmen und deren Zukunftsaussichten. Sie müssen die Prognosen und Rituale am Markt jedoch deuten können, um Nutzen daraus zu ziehen. Und Sie sollten Gewinnschätzungen nicht unkritisch konsumieren. Als direktes Prognoseinstrument für Aktienkurse sind Gewinnprognosen ungeeignet.

Meine abschließenden 6 Praxistipps für Sie lauten:

  1. Vergleichen Sie nicht die Bewertung von Aktien unterschiedlicher Branchen.
  2. Nehmen Sie nicht das KGV als einzige Grundlage für Ihre Anlageentscheidung.
  3. Achten Sie darauf, welcher Gewinn für die KGV-Berechnung verwendet wurde.
  4. Achten Sie darauf, auf welches Geschäftsjahr sich die Prognose bezieht.
  5. Sehen Sie sich die KGV-Bewertungen für mehrere Geschäftsjahre an.
  6. Wenn Sie das KGV auf Basis von Gewinnprognosen verwenden, dann denken Sie daran: Prognosen können sich ändern!
Stefan Böhm
Bildquellen:
Francis Gonzalez - Fotolia.com
'; exit-intend
exit-intend-close