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Wie funktioniert der Handel an der Börse?

Börsenhandel: "Billigst" ist nicht immer billig!

Eine Aktie zu kaufen, ist einfach. Sie müssen lediglich – Liquidität und die entsprechende Risikoklassifizierung vorausgesetzt – eine Order bei der Bank aufgeben werden. Diese kann per Internet oder per Telefon erteilt werden. Die Order umfaßt in der Regel:

  • Kauf/Verkauf Stückzahl
  • Wertpapierkennummer bzw. ISIN
  • Name
  • Limit
  • Börsenplatz
  • Gültigkeit (Tagesorder, Monatsultimo, etc.)

Wird eine Order ohne Limit aufgegeben, so wird diese beim Kauf „billigst“ und beim Verkauf „bestens“ ausgeführt. Es ist jedoch ein Irrtum, dass eine „bestens“-Verkaufsorder impliziert, dass der höchste Tageskurs dem Verkaufskurs entspricht. Tatsächlich wird die Order zum nächstmöglichen Kurs abgewickelt, egal wie stark sich dieser von den vorangegangenen Kursen unterscheidet. Folglich wird beim „billigst“-Kauf auch nicht zum günstigsten Kurs abgerechnet.

Um vor Überraschungen gefeit zu sein, sollte man seine Order mit einem Limit versehen. Beim Kauf wird dann maximal bis zu diesem Kurs geordert, beim Verkauf erlöst der Anleger mindestens den vorher festgelegten Preis. Mit der Limit-Erteilung können Anleger zugleich bestimmen, wie lange der Auftrag gültig sein soll. Üblich sind tages- und ultimogültige Orders. Bei Ultimoorders gilt der Auftrag bis zum letzten Handelstag eines Monats.

Gelegentlich liest man auch, dass man Limits generell nicht nutzen sollte (entweder man kauft die Aktie zum aktuellen Kurs, weil man von dem Unternehmen überzeugt ist, oder man lässt es sein). Dies mag früher zutreffend gewesen sein, wo in vielen Aktien nur ein Kurs (Kassakurs) am Tag fixiert wurde. Inzwischen hat sich dies geändert, nachdem zumeist auch eine einzelne Aktie bereits variabel gehandelt wird. Nicht in jeder Börsensitzung können alle vorliegenden Aufträge ausgeführt werden. Deshalb werden bestimmte Kurszusätze verwendet, um ein besseres Bild von Angebot und Nachfrage abzugeben (siehe nachfolgende Grafik).

Börse Kurszusätze

Börsenhandel: Auktionatorprinzip und Market Making

Wie funktioniert eigentlich die Preisbildung an der Börse? Bei Aktien gilt zuerst einmal das Auktionatorprinzip. Wird bei einer Bank eine Order abgegeben, so leitet diese sie an einen Makler oder ein elektronisches Handelssystem (Xetra) weiter. Der Makler ermittelt nun den Kurs, zu dem der Auftrag ausgeführt wird, indem er in einem Orderbuch Kauf- und Verkaufsaufträge gegenüber stellt. Dabei prüft er, bei welchem Kurs der höchste Umsatz zustande kommt. Der Makler muss dabei natürlich die angegebenen Limits beachten. In der nachfolgenden Abbildung ist ein Beispiel für ein Orderbuch dargestellt.

Orderbuch

Die nächste Grafik zeigt dann, welches Ergebnis der Makler bei der Gegenüberstellung von Käufen und Verkäufen erhält: Bei einem Kurs von 210 kommt der höchste Umsatz zustande.

Order

Der Börsenmakler kann allerdings auch selbst zum Kontrahenten werden und Kauforders mit Aktien aus dem eigenen Bestand bedienen oder bei Verkaufsorders Aktien in den eigenen Bestand aufnehmen. Durch diesen Kauf oder Verkauf auf eigene Rechnung wird der Makler zum Market Maker. Market Maker garantieren die fortwährende Handelbarkeit von Wertpapieren und stellen so die Marktliquidität und Funktionsfähigkeit einer Börse sicher. Durch ihre ständige Bereitschaft im Handel als Gegenpartei zu fungieren, kompensieren Market Maker den asynchronen Orderfluss der Investoren und stabilisieren kurzfristige Marktungleichgewichte. Market Maker werden vor allem bei umsatzschwachen Wertpapieren eingesetzt.

Die Deutsche Börse schreibt in ihren Statuten daher vor, dass weniger liquide Aktien über einen so genannten Designated Sponsor verfügen müssen. Designated Sponsors sind nur auf Xetra aktiv und sind dazu verpflichtet, auf Anfrage Geldkurse und Briefkurse für eine Aktie zu stellen. Sie sorgen für zusätzliche Liquidität in einem Aktienwert; ob auf eigene Initiative, auf Anfrage der Markteilnehmer (Quote-Request) oder in Auktionen. Da die Quotes im Orderbuch sichtbar sind, erhalten Anleger dadurch eine höhere Bewertungssicherheit für die Limitierung ihrer Orders. Das Mindestordervolumen und die maximale Geld-Brief-Spanne sind dabei verbindlich vorgeschrieben.

Meinung

sprechblase Böhms Praxistipp

Gänzlich anders funktioniert die Preisbildung jedoch bei Optionsscheinen und Zertifikaten: Hier sind es die Emittenten der betreffenden Papiere, die jederzeit als Kontrahenten zur Verfügung stehen müssen. Die Preisbildung erfolgt dabei nicht nach Angebot und Nachfrage, sondern ergibt sich aus den optionspreistheoretischen Modellen oder der Konstruktion der Zertifikate. Liquidität ist also immer gegeben und entsprechend spielen die Umsätze für die Handelbarkeit eines Optionsscheins keine Rolle. Da der Preis immer vom Emittenten bestimmt wird, garantieren im Übrigen hohe Umsätze keine fairere Preisbildung.

Stefan Böhm
Bildquellen:
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