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Wahrer Wert einer Aktie: Wie kommen Analysten zu ihren Kurszielen und Empfehlungen für Aktien?

Vielleicht haben Sie auch schon einmal eine Pressemeldung mit einem ähnlichen Inhalt wie diesem gelesen: „Der Aktienanalyst der Bank XY sieht für die Aktie A ein Kursziel von 100 Euro. Die Aktie A notiert derzeit bei 80 Euro. Der Experte empfiehlt daher die Aktie zum Kauf“.

Wenn ja, dann haben Sie sich vermutlich gewundert, wie die Analysten zu ihren genauen Kurszielen für Aktien kommen. Vermute ich richtig?

Die an der Börse ermittelten Preise für Aktien sind doch das Ergebnis von Angebot und Nachfrage vieler tausend Anleger, darunter auch vieler Profis. Wissen einzelne Experten (z. B. die Aktienanalysten der Banken) besser, was eine Aktie wert sein sollte und können sie deshalb Kurs-Ziele nennen? Oder schauen sie ganz einfach weiter in die Zukunft als die „Laien“?

Wohlwollend gesehen ist es eine Kombination aus beidem: Zum einen gelten die Kursziele meist für einen bestimmten Prognosezeitraum, z. B. auf Sicht der nächsten 12 Monate. Die Experten schauen folglich in die Zukunft. Zum anderen verwenden die Aktienanalysten theoretisch fundierte Berechnungsmethoden zur Ermittlung des „wahren Werts“ einer Aktie. Im Gegensatz dazu gibt der aktuelle Börsenkurs den „Marktwert“ wieder und dieser kann vom „wahren Wert“ abweichen, z. B. weil die Akteure an den Börsen nicht rational handeln und gerade zu optimistisch sind oder zu pessimistisch.

Die im Gegensatz dazu objektiven Berechnungsmethoden für den „wahren Wert“ basieren auf den Wirtschaftsdaten des Unternehmens und auf den Prognosen der Analysten über die künftige Entwicklung, z. B. die Konjunktur und die Unternehmensgewinne.

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info Die Schlussfolgerung daraus ist denkbar einfach

Börsenkurs der Aktie > wahrer Wert => Aktie zu teuer, verkaufen

Börsenkurs der Aktie < wahrer Wert => Aktie zu billig, kaufen

Wahrer Wert einer Aktie: Methoden zur Bewertung börsennotierter Aktien

Für viele ist die Kunst der Aktienanalysten ein Buch mit Sieben Siegeln. Das liegt auch daran, dass Transparenz nicht unbedingt ein Markenzeichen der Branche ist. Die Aktienanalysen sind in der Regel nicht für den Privatanleger geschrieben, sondern für Profiinvestoren, z. B. Fondsmanager. Entsprechend wimmeln die Analysen von Fachbegriffen, die den Laien praktisch ausschließen. Dieses Phänomen werden Sie vielleicht auch schon in anderen Branchen beobachtet haben, z. B. beim Einkauf im Elektronikgeschäft oder beim Gespräch mit Ihrem Arzt. Dabei ist die Aktienanalyse keine Kunst, sondern ein Handwerk.

Im Grunde gibt es zwei Methoden zur Bewertung börsennotierter Aktien:

  • Bei der einen Methode (z. B. dem so genannten DCF-Verfahren) werden – theoretisch gut fundiert – alle relevanten Informationen zu einem Unternehmen zusammengetragen, Prognosen über die zukünftige Entwicklung aufgestellt (Gewinnprognosen) und daraus ein theoretischer Unternehmenswert berechnet. Geteilt durch die Gesamtanzahl der Aktien ergibt sich dann der „wahre Wert“ der Unternehmensaktie.
  • Bei der anderen Methode wird die jeweilige Aktie anhand so genannter Aktienkennzahlen mit anderen Aktien derselben Branche verglichen. Die wichtigste Aktienkennzahl ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Die Durchschnittsbewertung der Vergleichsgruppe gilt dann als Maßstab für die Bewertung der analysierten Aktie.
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info Beispiel

Nehmen wir an, in einer Analyse werden die beiden Versorgeraktien aus dem DAX, E.ON und RWE, miteinander verglichen. Das ist in diesem Fall unsere zugegegenermaßen kleine Vergleichsgruppe (englisch: Peer Group). Wird E.ON aktuell an der Börse mit einem KGV von 7 und RWE mit einem KGV von 8 bewertet, dann läge die Durchschnittsbewertung bei einem KGV von 7,5. E.ON wäre demnach gegenüber RWE unterbewertet und damit kaufenswert. Tatsächlich verwenden Aktienanalysten größere Vergleichsgruppen, um zu verlässlichen Aussagen zu kommen. Zudem sichern sie ihre Ergebnisse ab, indem sie zum Vergleich mehrere Aktienkennzahlen heranziehen.

Doch weiter im Beispiel: Sie haben E.ON auf diese Analyse hin gekauft und die Aktie fällt trotzdem, z. B. weil die Versorgeraktien insgesamt wenig gefragt sind oder an der Börse allgemein Flaute herrscht. Sie sind sich daher unsicher, ob die Aktie wirklich unterbewertet ist. Da hilft die Bestimmung des „wahren Werts“ der Aktie weiter. Nehmen wir an, ein Aktienanalyst hat wie beschrieben auf Basis aller verfügbaren Informationen den „wahren Wert“ der E.ON-Aktie berechnet und der liegt unter dem aktuellen Aktienkurs. Dann wäre die Aktie dennoch nicht kaufenswert, obwohl sie günstiger bewertet ist als RWE. Dies ist in etwa die Vorgehensweise der professionellen Aktienanalysten und die Art und Weise, wie diese zu Kaufempfehlungen und Kurszielen kommen.

Das klingt doch alles schlüssig, warum also nicht einfach die Aktien kaufen, bei denen die Aktienanalysten Kurssteigerungen erwarten? Die Aktienanalysten verstehen – wenn sie gut sind – ihr Handwerk. Trotzdem kommen verschiedene Experten auch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Es gibt für die meisten Aktien sowohl Kauf- als auch Verkaufsempfehlungen. Sie werden mit der Frage allein gelassen, welchem Experten Sie vertrauen sollen. Aber warum kommen die Experten zu unterschiedlichen Ergebnissen?

Zum einen hat jeder Aktienanalyst trotz der im Großen und Ganzen einheitlichen Bewertungsmethoden unterschiedliche Ansätze, wie er zu seinen Ergebnissen kommt. So gibt es z. B. bei der Ermittlung des „wahren Werts“ einer Aktie viele Stellschrauben in den Bewertungsmodellen, an denen der Experte drehen kann. Entsprechend ändern sich die Ergebnisse. Ähnliches gilt bei der – insgesamt gebräuchlicheren – Bewertung über eine Vergleichsgruppe. Allein schon unterschiedliche Vergleichsgruppen bringen unterschiedliche Durchschnittswerte bei den Kennzahlen und damit unterschiedliche Ergebnisse.

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info Beachten Sie

Noch wichtiger ist ein grundsätzliches Problem: Die gängigen Methoden zur Aktienbewertung basieren auf Prognosen über die zukünftige Unternehmensentwicklung.

Welchen Gewinn erzielt das Unternehmen also im laufenden und in den nächsten Geschäftsjahren? Der eine Aktienanalyst erwartet in Zukunft höhere Gewinne und bewertet daher auch die Aktie höher, der andere ist skeptischer, was die Zukunft betrifft, und kommt zu einer niedrigeren Bewertung. Zudem können zukünftige Entwicklungen natürlich nicht sicher vorausgesagt werden, deshalb treten unvermeidlich Prognosefehler auf. Da es meistens anders kommt als man denkt, erweisen sich auch die Kursziele der Aktienanalysten im Nachhinein oftmals als falsch, bzw. die Experten ändern ihre Prognosen mitunter rasch und drastisch. Gewinnschätzungen sind daher mit Vorsicht zu genießen.

Wahrer Wert einer Aktie: Sind Analysten "Herdentiere"?

Insbesondere zeigt sich, dass auch die Analysten wie alle Menschen „Herdentiere“ sind. So sind die Gewinnschätzungen zu Beginn einer Rezession in aller Regel zu hoch, da die positive Entwicklung der Vergangenheit einfach in die Zukunft fortgeschrieben wird. Wer von den Aktienanalysten die Gefahr einer Rezession sieht, traut sich zumeist nicht, in seiner Einschätzung deutlich von den anderen Experten abzuweichen und die bevorstehende Rezession in seine Prognosen einfließen zu lassen. Das Risiko als einziger daneben zu liegen, ist zu groß. Das Umgekehrte gilt am Beginn eines Aufschwungs, dann kommt es nicht selten zu einer Unterschätzung des Gewinnwachstums. Sie sollten sich auch aus diesem Grund nie auf eine Prognose allein verlassen, sondern nach Möglichkeit aus unterschiedlichen Quellen Schätzungen einholen.

Heißt das nun, dass Sie sich auf die Mehrheitsmeinung der Aktienanalysten verlassen sollten? In den meisten Finanzportalen im Internet finden Sie Informationen darüber, wie viele Analysten derzeit eine bestimmte Aktie zum Kauf empfehlen und wie viele zum Verkauf der Aktie raten. Sie könnten Ihre Anlageentscheidungen folglich danach ausrichten. Die aus verschiedenen Prognosen gebildete durchschnittliche „Konsensus-Prognose“ verringert zwar das Risiko, dass Sie der Fehleinschätzung einer einzelnen Studie aufsitzen, aber auch kollektiv liegen die Experten nicht selten daneben. Das liegt am besagten „Herdentrieb“.

Meinung

sprechblase Böhms Praxistipp

Wann ist eine Aktie langfristig kaufenswert und zu welchem Kurs können Sie einsteigen? Und wann sollten Sie sich besser wieder von einer Aktie trennen? Die Ergebnisse der Aktienanalysten sind trotz aller Probleme und Mängel auch für Privatanleger eine wichtige Informationsquelle. Doch es erfordert einiges an Erfahrung und Fachwissen, um diese Ergebnisse zu interpretieren und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sowohl in meinem Premium-Börsenmagazin DaxVestor als auch in meinem Geldanlage-Magazin Rendite-Spezialisten stellen mein Team und ich Ihnen unsere langjährige Erfahrung dazu zur Verfügung.

Meine Tipps zur Verwendung von Kurszielen:

  • Hegen Sie eine gesunde Skepsis gegenüber den Methoden der Aktienanalysten.
  • Verwenden Sie die Ergebnisse der Aktienanalysten als Entscheidungshilfe – mehr nicht.
  • Verlassen Sie sich nicht nur auf die Ergebnisse eines Aktienanalysten und einer Analysemethode, ziehen Sie möglichst jeweils mehrere zu Rate.
  • Bilden Sie sich eine eigene Meinung über die Zukunft, denn alle Bewertungsmethoden stehen und fallen mit der Qualität der Prognosen.
  • Gerade an konjunkturellen Wendepunkten, z. B. nach einem Boom oder nach einer Rezession, liegen die Aktienanalysten häufig kollektiv falsch.

Weitere Informationen zum Thema wahrer Wert einer Aktie finden Sie auch in meinem Börsenlexikon.

Stefan Böhm
Bildquellen:
LaCatrina - Fotolia.com
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