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Hochfrequenzhandel erobert den Devisenmarkt!

Fluch oder Segen?

Der sogenannte Hochfrequenzhandel wurde in den letzten Jahren für so manche Kurs-Turbulenz an den Börsen verantwortlich gemacht. So soll z.B. der Flash-Crash (Blitz-Crash) im Mai 2010, als der Dow Jones in Sekunden um 1.000 Punkte fiel, auf den automatisierten Computerhandel zurückzuführen gewesen sein.

Am 7. Oktober 2016 gab es ein Beispiel vom Devisenmarkt: Der Wechselkurs des Britischen Pfunds zum US-Dollar (GBP/USD) stürzte in Sekundenschnelle um mehr als sechs Prozent ab, um kurz darauf den größten Teil des Absturzes wieder rückgängig zu machen. Auch hier wurden so genannte High Frequency Trades dafür verantwortlich gemacht.

Was ist der Hochfrequenzhandel?

Im Hochfrequenzhandel, auch Algorithmic Trading, Algo Trading oder Flash-Trading genannt, nutzen Computerprogramme kleinste Preisunterschiede und kaufen und verkaufen in Milli-Sekunden. Durch die immensen Umsätze bringt das den High-Frequency-Traders schöne Gewinne – oft jedenfalls. Der Zeitvorsprung gegenüber anderen Tradern eröffnet dem Hochfrequenzhandel allerdings auch Möglichkeiten zur Kursmanipulation, das behaupten jedenfalls die Kritiker. Konkrete Beweise gibt es zwar nicht, aber meine Erfahrung zeigt, wo Betrug auf leichte Weise und ohne große Gefahr von Sanktionen monetäre Erfolge verspricht, wird er auch praktiziert.

High Frequency Trading schließt Lücke am Devisenmarkt

Mehr und mehr entdeckt jetzt der Hochfrequenzhandel den Devisenmarkt für sich, von 2014 bis 2016 hat sich dessen Umsatz verdreifacht. Computerprogramme sorgen so für 200 Mrd. Dollar Umsatz am Tag. Das ist zwar in Relation zum Devisenmarkt insgesamt nicht viel, aber bei einigen Forex-Plattformen stammen schon drei Viertel der Umsätze von High Frequency Traders. Diese füllen damit auch eine Lücke, die die Banken hinterlassen. Denn viele Institute haben den Währungshandel wegen Skandalen und neuen Regulierungen eingeschränkt. Von 2010 bis 2015 sind die Umsätze der 12 größten Banken am Devisenmarkt um 28 Prozent gefallen.

Hochfrequenzhandel für Flash-Crashs verantwortlich?

Ist das nun gut oder schlecht? Viele Kritiker sehen im computerbasierten Handel die Ursache dafür, dass die Märkte zunehmend ein abgehobenes Eigenleben führen. Viele Marktbewegungen, die sich nicht erklären lassen, wie z.B. die berüchtigten Flash-Crashs, werden diesen Programmen in die Schuhe geschoben. Ich denke, das ist trotz der zweifellos bestehenden Gefahr, übertrieben.

Die wachsende Bedeutung des Hochfrequenzhandels kann im Gegenteil auch dafür sorgen, dass die Liquidität am Devisenmarkt erhalten bleibt. So schränkten trotz der hohen Volatilität nach dem Brexit-Votum im Juni 2016 die High-Frequency-Traders den Handel nicht ein und sorgten damit dafür, dass auch private Händler weiter traden konnten. Die Händler der Banken dagegen stellen in solchen Phasen oft die Stellung von Kursen ein.

Meinung

sprechblase Böhms Praxistipp

Blitzartige Kursbewegungen wie der bei GBP/USD am 7. Oktober 2016 kosten Trader oft viel Geld und bringen selten einen Gewinn – denn die Broker werden von der Geschwindigkeit der Kursbewegungen überfordert. Was bedeutet das für Sie und mich? Leider nichts Gutes: Schützen kann man sich vor solchen Flash-Crashs kaum, denn wegen der Slippage werden Stop-Loss-Orders oft erst viel zu spät ausgeführt.

Eine Stop-Loss-Order mit gleichzeitigem Limit würde zwar vor einem vorzeitigem Verkauf bei einem Flash-Crash schützen. Trotzdem ist aber auch das keine Lösung, denn man weiß ja erst im Nachhinein, ob es sich um einen Flash-Crash handelt, auf den eine schnelle Gegenbewegung folgt. Setzt sich dagegen die schnelle Kursbewegung fort, dann läuft die eigene Position weiter in den Verlust, obwohl die Stop-Loss-Order doch längst gegriffen haben sollte.

Mein Tipp für Sie: Wo das möglich ist, sollten Sie Positionen über Nacht schließen, denn gerade im asiatischen Handel sind die Umsätze dünn. Auch der Flash-Crash bei GBP/USD fand in den frühen Morgenstunden statt, als gerade die asiatischen Händler von ihren Kollegen in den USA den Handel übernahmen.

Stefan Böhm
Bildquellen:
RioPatuca Images - Fotolia.com
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