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Die Sicherheit einer Anleihe und die Chancen einer Aktie in Einem

Die Aktienanleihe bietet eine überdurchschnittlich hohe Zinszahlung!

Die Aktienanleihe (englisch: Reverse Convertibles) gibt es schon lange und sie erfreut sich immer noch einer ungebrochenen Beliebtheit. Möglicherweise liegt das auch am Namen, denn mit einer „Anleihe“ verbinden die meisten Anleger Sicherheit. Gleichzeitig bietet Ihnen eine Aktienanleihe aber einen weit über dem Marktzins liegenden Zinskupon, nicht selten im zweistelligen Bereich. Das scheint eine unschlagbare Kombination: Die Sicherheit einer Anleihe kombiniert mit einer hohen Rendite. Doch Sie sollten sich nicht zu früh freuen: Eine Aktienanleihe ist streng genommen keine Anleihe und das Chance/Risikoprofil ist nicht besser oder schlechter als bei anderen Anlagezertifikaten wie Discountzertifikate oder Bonuszertifikate, denn zu dieser Gattung zählt auch die Aktienanleihe.

Eine Aktienanleihe ist rechtlich gesehen eine Inhaberschuldverschreibung, die von einer Bank begeben wird. Somit gibt es ein Emittentenrisiko wie z. B. bei einer Unternehmensanleihe. Das heißt: Geht die Bank pleite, dann wird die Aktienanleihe möglicherweise wertlos. Eine Akteinanleihe wird nach dem Market Maker Prinzip an den Börsen Frankfurt und Stuttgart oder direkt mit dem Emittenten gehandelt und kann jederzeit während der Laufzeit ge- und verkauft werden.

Die Aktienanleihe ist keine Anleihe

Was die Aktienanleihe mit einer gewöhnlichen Anleihe gemeinsam hat: Es gibt eine feste Verzinsung auf einen bestimmten Anlagebetrag und die Laufzeit ist begrenzt. Die Unterschiede z.B. gegenüber einer Unternehmensanleihe bestehen zum einen im zumeist weit über dem üblichen Marktzins liegenden Zinskupon und zum anderen im Wahlrecht des Emittenten der Aktienanleihe, bei Fälligkeit statt einer Rückzahlung in Geld als Ersatz eine bestimmte Anzahl von Aktien zu liefern. Für den weit über dem Marktzins liegenden Zinskupon tragen Sie als Anleger daher das Risiko, am Laufzeitende anstatt des jeweiligen Nominalbetrags der Aktienanleihe (in der Regel 100 Prozent) eine bestimmte Anzahl von Aktien geliefert zu bekommen. Sie sehen schon, es ist wie immer an der Börse: Die höhere Verzinsung der Aktienanleihe ist auch mit einem höheren Risiko verbunden.

Die Aktienanleihe ist also keineswegs ein sicheres Anlageinstrument, denn es besteht das Risiko, dass Sie Ihren Kapitaleinsatz durch die Lieferung von Aktien zurückbekommen. Zusammengefasst lässt sich sagen: Die Aktienanleihe kombiniert überdurchschnittlich hohe Zinszahlungen mit dem Risikopapier Aktie.

Eine Aktienanleihe wird in Prozent notiert

Wie eine Anleihe so verfügt auch eine Aktienanleihe über einen so genannten Nominalbetrag. Dieser stellt die kleinste handelbare Einheit dar. Die Kursnotiz an der Börse erfolgt dann in Prozent dieses Nominalwertes. Angenommen der Nominalwert einer bestimmten Aktienanleihe beträgt 1.000 Euro und sie wird aktuell bei 95 Prozent notiert, dann müssen Sie für den Erwerb dieser Aktienanleihe 950 Euro zuzüglich Stückzinsen (plus Gebühren) zahlen. Stückzinsen werden beim Kauf der Aktie aufgeschlagen, um sicherzustellen, dass Sie als Inhaber einer Aktienanleihe nur für den Zeitraum Zinsen erhalten, in dem Sie die Papiere auch gehalten haben. Näheres dazu, wie eine Aktienanleihe konstruiert ist und wie der Preis gebildet wird, finden Sie z.B. im entsprechenden E-Book unseres Premium-Börsenmagazins DaxVestor.

Basiswerte einer Aktienanleihe können im Übrigen nicht nur Aktien, sondern auch ein Aktienindex wie z.B. der DAX sein. Die Tilgung erfolgt bei Indexanleihen in der Regel durch die Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder die Zahlung des aktuellen Indexstandes in Geld.

Wie funktioniert die Aktienanleihe?

Jeder Aktienanleihe liegt eine bestimmte Aktie (gelegentlich auch mehrere Aktien) als Basiswert zugrunde. Liegt der Kurs der Aktie am Ende der Laufzeit (am so genannten Ausübungstag) über dem Basispreis, so erhalten Sie den Nominalbetrag der Aktienanleihe zu 100 Prozent zurückgezahlt. Das ist das positive Szenario: Sie konnten über die Laufzeit der Aktienanleihe hinweg den überdurchschnittliche Zinskupon einstreichen und erhalten am Ende Ihren Kapitaleinsatz zu 100 Prozent zurückgezahlt. Das negative Szenario sieht so aus: Der Kurs der Aktie entwickelte sich negativ und liegt am Ende der Laufzeit unter dem Basispreis. Nun wird der Emittent die Aktienanleihe durch die Lieferung der zuvor festgelegten Anzahl von Aktien tilgen. Diese ergibt sich aus dem Bezugsverhältnis und wird Ihrem Depot gutgeschrieben.

Das Gute ist: Die sich aus der Höhe des Zinskupons ergebenden Zinszahlungen erhalten Sie trotzdem. Einen Verlust aus dieser Investition machen Sie daher erst dann, wenn der Kursverlust, der sich aus der Lieferung der Aktien ergibt, die aufgelaufenen Zinszahlungen übersteigt. Die Zinszahlungen wirken daher wie der Risikopuffer bei einem Bonuszertifikat. Sowohl Basispreis als auch Bezugsverhältnis werden bei Emission der Aktienanleihe festgelegt. Übrigens: Basispreis multipliziert mit der Aktienanzahl ergibt den Nominalbetrag.

Info

info ​Die Funktionsweise einer Aktienanleihe lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen:


  • Basiswert: Deutsche Muster AG
  • Zinssatz: 6,00% p.a.
  • Nominalbetrag: 1.000 EUR
  • Basispreis: 125,00 EUR
  • Anzahl Aktien: 8,00
  • Kurs Basiswert bei Emission: 150,00 EUR
  • Kumulierte Zinszahlungen bis Laufzeitende: 200 Euro.


Aktie und Aktienanleihe im Vergleich

Notiert die Aktie zum Laufzeitende über dem Basispreis von 125 Euro, so erhalten Sie die Anleihe zu 100 Prozent zurückgezahlt. Ihr Ertrag besteht in den Zinszahlungen von 200 Euro. Das Direktinvestment in die Aktie wirft einen höheren Ertrag als die Aktienanleihe ab, wenn sich die Aktie positiv entwickelt und der Kursgewinn der 8 Aktien zusammengenommen die Zinszahlungen übersteigt. Im Beispiel ist dies ab einem Kurs von 175 Euro der Fall. Bleibt die Aktie zum Laufzeitende unter diesem Kurs, dann stellt sich der Käufer der Aktienanleihe stets besser als der Käufer der Aktie. Die gestrichelten grünen Linien entsprechen von links nach rechts dem Basispreis (125,00), dem Aktienkurs bei Kauf (150,00) und dem Punkt, ab dem die Aktie eine bessere Performance zeigt als die Aktienanleihe (175.00 Euro).

Wie wählen Sie die richtige Aktienanleihe?

Der Kauf einer Aktienanleihe ergibt keinen Sinn, wenn Sie einen starken Kursanstieg der zugrunde liegenden Aktie erwarten. In diesem Fall wären Sie mit dem direkten Kauf der Aktie besser bedient. Interessant ist eine Aktienanleihe jedoch, wenn Sie davon ausgehen, dass sich die zugrunde liegende Aktie während der Laufzeit seitwärts bzw. nur leicht nach oben entwickeln wird. Am Anfang einer Kaufentscheidung sollten Sie daher eine Einschätzung über den Kursverlauf der zugrundeliegenden Aktie über den Zeitraum der Laufzeit der Aktienanleihe vornehmen. Und Sie sollten eine Aktie aussuchen, der Sie vertrauen. Die Wahl des Basispreises muss dann vor dem Hintergrund der Frage erfolgen: Kann die Aktie am Laufzeitende über diesem Niveau notieren?

Der Basispreis der ausgewählten Aktienanleihe sollte dabei in der Nähe des aktuellen Aktienkurses liegen. Liegt der Basispreis deutlich unter dem aktuellen Aktienkurs, notiert die Aktienanleihe also über 100 Prozent, dann ist auch die Rendite womöglich erheblich niedriger als es der Zinskupon aussagt. Die Aktienanleihe wird damit unattraktiv. Liegt der Basispreis aber deutlich über dem aktuellen Aktienkurs, dann ist zwar die Rendite erheblich höher als der festgelegte Zinskupon, aber auch das Risiko der Lieferung von Aktien am Laufzeitende ist höher. Am besten ist es daher, wenn Sie eine Aktienanleihe auszuwählen, die bei etwa 100 Prozent notiert.

Und noch etwas sollten Sie bedenken: Der Zinskupon einer Aktienanleihe ist in der Regel umso höher, je kürzer die Laufzeit der Aktienanleihe ist. Denn: Je kürzer die Laufzeit ist, umso höher ist auch das Risiko, dass die Aktie zum Laufzeitende unter dem Basispreis notiert. Dieses höhere Risiko tragen Sie und es wird Ihnen mit einem höheren Zinssatz pro Jahr vergütet. Daneben hängt der Zinskupon auch vom Risiko der Aktie selbst ab. Bei Nebenwerten besteht z.B. ein größeres Kursrisiko als bei Aktien aus dem DAX. Dementsprechend ist bei einer Aktienanleihe auf einen Nebenwert auch die Verzinsung höher.

Wertung der Experten von Böhms DAX-Strategie

Die Chancen und das Risiko einer Aktienanleihe entsprechen in etwa denen eines Discountzertifikats oder eines Bonuszertifikats. Im Gegensatz zu diesen lassen sich Aktienanleihen aber schlechter miteinander vergleichen. Dennoch ist die Aktienanleihe ein attraktives Anlageinstrument, wenn Sie eine Seitwärtsbewegung des jeweiligen Basiswerts erwarten. Ein wichtiger Vorteil ist, dass Sie schon während der Laufzeit Zinszahlungen erhalten und nicht erst am Ende schauen müssen, ob Sie einen Kursgewinn erzielt haben oder nicht.

Info

info Merke:

Eine Aktienanleihe …

  • bietet hohe jährliche Zinszahlungen, ihre Gesamtrendite hängt aber letztlich von der Entwicklung des zugrundeliegenden Aktienkurses ab
  • ist nur dem Namen nach eine Anleihe und ist eher mit anderen Anlagezertifikaten vergleichbar
  • ist dem direkten Kauf der Aktie NICHT vorzuziehen, wenn Sie einen starken Kursanstieg erwarten
  • bedeutet im Vergleich zum direkten Kauf der Aktie, dass Sie auf die Zahlung der Dividende verzichten

Meinung

sprechblase Böhms Praxistipp

  • Ziehen Sie beim Kauf Aktienanleihen vor, die bei etwa 100 Prozent notieren
  • Lassen Sie sich von einem hohen Zinskupon nicht blenden, ihm steht auch ein hohes Risiko gegenüber, dass die Anleihe nicht zu 100 Prozent zurückgezahlt wird und Sie stattdessen die Aktien geliefert bekommen
  • Lassen Sie von zu komplizierten Konstruktionen wie Aktienanleihen, die sich auf mehrere Aktien beziehen oder Aktienanleihen mit zusätzlicher Stopp-Schwelle lieber die Finger

Stefan Böhm
Bildquellen:
© psdesign1 - Fotolia.com
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