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Diese Versicherungen brauchst Du wirklich!

Versichere Dich nicht über!

Auch wenn die Versicherungswirtschaft es gerne bestreitet: Die Deutschen gelten gemeinhin als überversichert. Das liegt vermutlich nicht zuletzt daran, dass Versicherungen auch Emotionen auslösen. Die Versicherer verkaufen ein Gefühl von Sicherheit und damit spielen sie auch in ihrer Werbung. Mehr als 2.000 Euro gibt jeder Deutsche für Versicherungen aus. „Von den sechs Versicherungen, die jeder im Schnitt besitzt, sind nicht wenige überflüssig.“ Oder nicht optimal auf die jeweilige Lebenssituation zugeschnitten. Wahrscheinlich hast Du auch keine Lust, Dich mit diesem lästigen Thema zu beschäftigen. Es kostet Zeit und Nerven. Einmal abgeschlossene Versicherungen werden daher häufig nicht mehr daraufhin überprüft, ob sie noch sinnvoll sind oder ob es nicht günstigere und bessere Alternativen gibt. Dadurch verlierst Du Geld.

Versicherungen: Unterschätze nicht existenzielle Risiken!

Noch schlimmer aber ist: Gegen die wirklich großen Risiken, die Dich finanziell in existenzielle Nöte bringen können, bist Du vielleicht gar nicht oder nicht optimal geschützt. Denn so viele unnötige Versicherungen die Deutschen einerseits besitzen, in vielen Haushalten fehlen andererseits auch wichtige Versicherungen. Doch woran liegt das? Ich meine, das hat zwei Gründe:

  1. Niemand denkt gern über echte Katastrophen im eigenen Leben nach, wie z.B. die Berufsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall, die Absicherung der Angehörigen bei Tod oder hohe Schadensersatzforderungen durch Dritte.
  2. Das Umfeld hat sich geändert. Der Staat gewährt für die großen finanziellen Notfälle des Lebens, wie z.B. Berufsunfähigkeit und Unfall, längst keinen Schutz mehr, der wesentlich über die Grundsicherung hinausgeht. Die Aufrechterhaltung des eigenen Lebensstandards ist dann nicht mehr möglich, ein finanzieller Absturz droht.
Mein Tipp

Ich gebe Dir 3 Tipps für Versicherungen mit auf Deinen Weg:

1. Prüfe sorgfältig, welche Risiken Du wirklich versichern musst. Welches Ereignis würde Dich in existenzielle Finanznöte bringen? Hast Du diese Risiken versichert? Wenn ja: Ist der Vertrag noch zeitgemäß oder gibt es inzwischen bessere/ günstigere Produkte? Wenn nein: Vergleiche die verschiedenen Produkte, lasse Dich beraten und schließe so schnell wie möglichen einen Versicherungsschutz ab.

2. Prüfe, ob Du Versicherungen für Risiken besitzt, deren Eintritt Dich nicht in existenzielle Nöte bringen würde. Wenn nein: Sehr gut! Du bist nicht überversichert. Wenn ja: Brauchst Du diesen Versicherungsschutz wirklich? Wenn nicht, dann ringe Dich dazu durch, diese Versicherung zu kündigen. Spare das Geld lieber an, damit Du einen finanziellen Puffer besitzt, um auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können.

3. Bleiben am Ball: Prüfe regelmäßig (etwa alle fünf Jahre) Deine Versicherungen. Passt Dein Versicherungsschutz noch zu Deiner Lebenssituation? Fehlen inzwischen wichtige Versicherungen? Benötigst Du andere nicht mehr? Musst Du bestehende Versicherungen anpassen? Gibt es inzwischen günstigere und/oder bessere Versicherungen? Möglicherweise lohnt sich ein Wechsel der Versicherungsgesellschaft oder eine Änderung der Police.

Lars Erichsen

Welche Versicherungen brauchst Du wirklich?

Private Haftpflichtversicherung

Unverzichtbar, aber keineswegs in allen Haushalten vorhanden, ist die private Haftpflichtversicherung. Vielfach kursieren im Internet noch Zahlen, dass 30 Prozent der Haushalte keine Haftpflichtversicherungen besitzen. Das ist durch neuere Untersuchungen des Statistischen Bundesamts widerlegt: Nur 15 Prozent der Haushalte besitzen keine Haftpflichtversicherung. Wenn Du keine haben solltest, schließe unbedingt eine ab. Sie kostet nicht viel, etwa 50 bis 100 Euro im Jahr, und sichert Dich gegen Schadensersatzansprüche ab, die leicht in die Hunderttausende gehen können.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Versicherung gegen Berufsunfähigkeit ist ebenfalls sehr wichtig. Zwar gibt es in einem Drittel der Haushalte inzwischen eine Berufsunfähigkeitsversicherung, aber viele verzichten bisher offenbar darauf. Dabei solltest Du bedenken: Die Fälle von Berufsunfähigkeit nehmen zu und immer häufiger sind dafür psychische Gründe verantwortlich. Das heißt: Alle Berufsgruppen sind betroffen. „2012 mussten 42 Prozent aller Frührentner ihre Arbeit aus psychischen Gründen aufgeben und der Anteil wird weiter zunehmen“ (Bundespsychotherapeutenkammer).

Die staatliche Erwerbsminderungsvertreterrente bietet für einen solchen Fall keinen Schutz, der wesentlich über der Grundsicherung durch Hartz IV liegt. Du erhältst 32 Prozent des letzten Bruttoeinkommens, wenn Du keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen kannst. Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente lag 2012 bei etwa 700 Euro im Monat. Vor allem aber: Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung bist Du dagegen geschützt, dass Du Deinen eigenen Beruf nicht mehr ausüben kannst.

Eine komplette Erwerbsunfähigkeit ist nicht nötig. Aber Vorsicht: Die Versicherer weigern sich wegen der hohen Kosten bei Berufsunfähigkeitsversicherungen besonders oft gegen Zahlungen. Viele Anbieter spielen hier auf Zeit und spekulieren darauf, dass ihre Kunden, die sich ohnehin zumeist in einer schwierigen Lage befinden, keine Nerven für einen langen Rechtsstreit haben. Du solltest daher am besten zusätzlich zur BU auch eine Rechtsschutzversicherung abschließen, um einen Rechtsstreit durchstehen zu können.

Für viele Risikoberufe (wie z.B. Dachdecker) werden keine Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit verkauft – oder die Beiträge sind wegen Vorerkrankungen zu teuer. In diesem Fall solltest Du prüfen, ob Du eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Schwere-Krankheiten-Versicherungen abschließen kannst. Auch eine Grundfähigkeitsversicherung oder eine Funktionsinvaliditätsversicherung sind möglich. Bei diesen Alternativen sind die Beiträge günstiger, allerdings ist der Versicherungsschutz auch deutlich geringer als bei einer BU.

Weitere wichtige Versicherungen

Manche Versicherungen sind nur für bestimmte Lebenssituationen geeignet, dann aber sind sie aus meiner Sicht unverzichtbar. Hausbesitzer z.B. sollten eine Gebäudeversicherung besitzen, die sie gegen Elementarschäden wie Feuer, Sturm etc. absichert. Wer für andere sorgt oder mitsorgt, sollte eine Risiko-Lebensversicherung abschließen, damit z.B. die Kinder nicht plötzlich ohne Versorgung dastehen. Woran Du vielleicht als Eltern noch nicht gedacht hast, ist eine Kinder-Invaliditätsversicherung. Im Gegensatz zu einer Unfallversicherung zahlt diese auch dann eine lebenslange monatliche Rente, wenn Kinder durch Krankheit invalide werden – was sehr viel häufiger der Fall ist als durch Unfall. Falls Du einen Hund besitzt, dann solltest Du eine Tierhalter-Haftpflicht abschließen, denn auch Haustiere können Schäden verursachen, für die Du haften musst. Für Pferdehalter empfiehlt sich eine solche Versicherung auch, Besitzer von Katzen oder anderen Kleintieren können dagegen darauf verzichten.

Kann-Versicherungen

Mit einer Hausrat-Versicherung verhält es sich wie mit einer Kasko-Versicherung für das Auto: Sie lohnt sich nur dann, wenn der Hausrat (bzw. das Auto) einen hohen Wert besitzt. Willst Du den Hausrat neuwertig ersetzt haben, z.B. im Falle eines Brandes, dann solltest Du darauf achten, dass Du nicht unterversichert bist. Vergiss nicht: Die Gebäudeversicherung zahlt nicht für Schäden an der beweglichen Habe.

Auch eine private Krankenzusatzversicherungen ist eine Kann-Versicherung. Ob das Zweibettzimmer oder die Chefarztbehandlung wirklich nötig sind, musst Du für Dich selbst entscheiden. Zahnzusatzversicherungen können wegen der hohen Kosten bei Zahnbehandlungen sinnvoll sein, aber Du solltest genau prüfen, in welchem Fall und wieviel die Versicherung wirklich zahlt. Auch Pflege-Zusatzversicherungen könnten durchaus sinnvoll sein, sie sind aber teuer. Ein Abschluss lohnt sich wenn überhaupt nur in jungem Alter. Generell ist es besser wenn Du Kranken-Zusatzversicherungen nur für bestimmte Fälle abschließst. Häufig ist es sinnvoller, wenn Du selbst Geld für den Notfall ansparst und z.B. den Zuschlag für das Zweibettzimmer oder den Zahnersatz aus eigener Tasche zahlst. Krankentagegeld dagegen ist vor allem sinnvoll für Selbstständige, die den Einnahmeausfall durch Krankheit kompensieren wollen oder müssen.

Die Unfallversicherung lohnt sich – vor allem für die Versicherungskonzerne. Bei den Verbrauchern ist sie zwar sehr beliebt – wer versichert sich nicht gerne gegen Unfälle – aber wirklich nötig ist sie leider selten. Zum einen greift bei Arbeitsunfällen zumeist die gesetzliche Unfallversicherung, zum anderen ist Invalidität durch Unfälle seltener als viele denken. „Für mehr als 90 Prozent der Fälle von Invalidität sind Krankheiten verantwortlich“. Dafür zahlt die Unfallversicherung nicht. Die Unfallversicherung lohnt sich daher nur für Menschen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen oder sich diese nicht leisten können. Trotzdem gibt es in Deutschland 27 Millionen Unfallversicherungen – ein Großteil davon ist nicht wirklich nötig.

Es gibt Rechtschutzversicherungen für Verkehrsrecht, Eigentümer- und Mietrecht sowie Privat- und Berufsrecht für Selbständige und Nichtselbständige. Damit sind beispielsweise Klagen auf Schadensersatz nach einem Autounfall oder gegen eine Kündigung des Arbeitsplatzes versichert. Rechtschutzversicherungen, die in Kombination alles abdecken, sind relativ teuer und daher weniger sinnvoll. Und Du solltest auch nicht glauben, dass die Rechtschutzversicherung immer zahlt: Streitfälle bei Scheidungen, Kapitalanlagen sowie den Bau und die Finanzierung von Immobilien sind von vornherein ausgeschlossen. Auch sonst gilt der Rechtsschutz nur für die Fälle, die genau im Vertrag genannt sind. Wenn Du eine Rechtsschutzversicherung besitzt oder eine abschließen willst, solltest Du Dich genau darüber informieren, in welchen Fällen sie überhaupt zahlt. Sonst drohen Dir unliebsame Überraschungen. Die Rechtschutzversicherung ist aus meiner Sicht eher entbehrlich, da die Wahrscheinlichkeit für einen teuren Rechtsstreit gering ist und Du es selbst in der Hand hast, ob Du vor Gericht ziehst. Solltest Du bei Dir ein erhöhtes Risiko für Rechtsstreitigkeiten sehen, dann kannst Du für diesen Fall eine Einzelversicherung abschließen, z.B. als Vielfahrer eine Verkehrsrechtschutzversicherung. Auch um die Ansprüche gegen eine andere Versicherung, z.B. eine Berufsunfähigkeitsversicherung, durchsetzen zu können, kann eine Rechtsschutzversicherung gut sein.

Was tun, wenn die Versicherung nicht zahlt?

In den Medien häufen sich Berichte über Versicherungen, die bei berechtigten Ansprüchen nicht zahlen wollen. Eine Hinhaltetaktik zahlt sich für die Konzerne offenbar aus, da viele Kunden irgendwann entnervt aufgeben oder nicht die Kraft und das Geld haben, um einen langen Rechtsstreit durchzustehen. Leider gilt: Je höher die Summe, umso schwieriger die Schadensregulierung. Das kann, z.B. im Fall von Berufsunfähigkeit, existenzbedrohend sein. Gegen das skandalöse Verhalten vieler Versicherer gibt es leider kein Allheilmittel.

Mein Tipp

Deshalb gebe ich Dir folgende Tipps

1. Gebe der Versicherung keine angriffsfläche. Sei ehrlich und penibel beim Ausfüllen des Antragsformulars. Verschweige nichts. Schon kleine Fehler können Versicherungen zum Anlass nehmen, sich vor dem Zahlen zu drücken.

2. Bleibe hartnäckig und lasse Dich nicht einschüchtern. Gebe auf keinen Fall sofort klein bei, wenn die Versicherung die Zahlung verweigert oder zur Schikane ewig lange Fragebögen schickt. Manche Versicherungen spekulieren darauf, dass vielen der Aufwand zu groß ist, ihr Recht einzufordern. Schicke den Antrag nochmals und bitte um eine sorgfältige Prüfung.

3. Wende Dich an die Verbraucherzentralen. Manche bieten nur eine Beratung, andere übernehmen die außergerichtliche Vertretung gegenüber einem Versicherer.

4. Wende Dich an den Versicherungs-Ombudsmann. Er schlichtet in Streitfällen. Für die angeschlossenen Versicherer sind seine Entscheidungen bindend. Du kannst aber auch nach einer Entscheidung trotzdem noch vor Gericht gehen. Bei einem Streitwert über 100.000 Euro ist der Ombudsmann nicht zuständig.

5. Nehme Dir einen Fachanwalt. Das lohnt sich aber nur bei größeren Schäden oder wenn Du eine Rechtsschutzversicherung besitzt.

Lars Erichsen

Auf diese Versicherungen kannst Du verzichten!

Reisegepäckversicherung

Unnötig sind aus meiner Sicht Versicherungen gegen die kleinen Risiken des Alltags, wie z.B. Glasbruchversicherung, Handyversicherung, Brillenversicherung oder ähnliches. Eine Reisegepäckversicherung ist besonders unnötig, wenn Du eine Hausratversicherung hast, denn der Hausrat ist bei den meisten Policen auch im Ausland versichert. Du solltest Dich aber keinen Illusionen hingeben: Sowohl Reisegepäckversicherung als auch Hausratversicherung zahlen nur sehr widerwillig. Du musst das Gepäck schon zwischen den Beinen stehen haben, damit Du es bei Diebstahl ersetzt bekommst. Den Dieb möchte ich sehen!

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass das sanfte Ruhekissen einer Versicherung auch täuschen kann. Entscheidend ist, wann die Versicherung in der Praxis tatsächlich zahlt. Ist das unwahrscheinlich, dann nützt Dir auch die schönsten Versprechungen nichts. Die Versicherung ist unnötig und Du solltest Dein Geld lieber für andere Dinge ausgeben.

Insassen-Unfallversicherung

Unnütz ist auch die Insassen-Unfallversicherung, denn sie zahlt überwiegend nur bei Risiken, die schon durch Deine Auto-Haftpflicht-Versicherung abgedeckt sind. Früher gab es hier eine Versicherungslücke, so dass Insassen in bestimmten Fällen keine Ansprüche gegen die Autohaftpflicht des Halters geltend machen konnten. Diese Lücke ist geschlossen. Verkauft wird die Versicherung den noch weiter. Die Versicherungsindustrie ist da schmerzfrei. Angeboten wird, was sich absetzen lässt. Und natürlich fallen den Marketingabteilungen auch immer gute Gründe ein, warum Du die eine oder andere Versicherung doch unbedingt brauchst.

Fazit

sprechblase Kurz und kompakt

Es ist schwer, den richtigen Versicherungsschutz für sich zu finden. Schließlich will man am Ende nicht als der Dumme dastehen: „Hätte ich doch...“. Doch auch bei Versicherungen gilt, dass Du sorgfältig Kosten und Nutzen abwägen solltest. Viele Versicherungen sind bei einer rationalen Abwägung nicht sinnvoll. Falle nicht auf die Versprechungen und Werbesprüche der Versicherer herein!

Nicht verzichten solltest Du aber auf eine Haftpflicht- und eventuell eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Daneben gibt es noch die von mir genannten wichtigen Versicherungen für bestimmte Lebenssituationen. Bei vielen anderen Versicherungen gilt aber, dass es möglicherweise besser ist, wenn Du das Geld stattdessen gut anlegst, um im „Schadensfall“ ein Finanzpolster zu besitzen.

Und jetzt wünsche ich Dir, dass Du Deine Versicherungen nie in Anspruch nehmen musst!

Dein Lars Erichsen

Lars Erichsen
Wenig Zeit?
Bildquellen:
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