A-ZBöhms Börsenlexikon

Lars Erichsen

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Lars Erichsen

Was ist das Bruttoinlandsprodukt?

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP, engl. Gross Domestic Product - kurz: GDP) ist ein Maß für den Wert aller Güter und Dienstleistungen, die in einem Jahr in einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden. Es gehen nur die Güter in die Berechnung ein, die für den Endverbrauch bestimmt sind. Mit anderen Worten: Vorleistungen werden vom BIP abgezogen. So zählen zum Beispiel die in Deutschland produzierten Autos zum Bruttoinlandsprodukt.

Die von einem Zulieferer an den Automobilkonzern gelieferten Bleche gelten dagegen als Vorleistungen im Produktionsprozess und gehen nicht ins BIP ein, denn sie sind im Wert des Endprodukts bereits enthalten.

In der öffentlichen Diskussion und auch an den Finanzmärkten wird allerdings mehr auf die Veränderungsraten des BIP geschaut als auf dessen absolute Höhe. Denn eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts drückt das Wachstum einer Volkswirtschaft aus.

Als Abgrenzungskriterium für das BIP dient die Landesgrenze. So werden Leistungen von Ausländern, die innerhalb des jeweiligen Landes arbeiten, beim Bruttoinlandsprodukt berücksichtigt. Dagegen werden Leistungen von Inländern, die im Ausland arbeiten, nicht zum Bruttoinlandsprodukt gezählt.

Beim früher gebräuchlichen Bruttosozialprodukt wurden die von Inländern hergestellten Güter erfasst, egal ob diese im Inland oder im Ausland wohnten. Diese Abgrenzung hat sich aber als nicht praktikabel erwiesen.

Reales und nominales Bruttoinlandsprodukt - was ist das?

Von den statistischen Ämtern werden ein nominales und ein reales BIP berechnet. Das reale Bruttoinlandsprodukt ist um Preisveränderungen bereinigt und gilt daher als Maßstab für die Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft. Es ist für volkswirtschaftliche Fragen sehr viel aussagekräftiger. Meist wenn vom BIP die Rede ist, ist das reale BIP gemeint. 

Info

info Technische Berechnung des realen BIPs

Der aktuelle Wert des BIPs wird auf konstante Preise eines Bezugsjahres bezogen. Basisjahr ist aktuell 2010. Das heißt, das reale BIP für das Jahr 2014 gibt an, wie hoch der Wert der im Jahr 2014 produzierten Güter in Preisen des Jahres 2010 ist.

Bei der Ermittlung des nominalen Bruttoinlandsprodukts werden hingegen Preissteigerungen berücksichtigt.

Wie wird das Bruttoinlandsprodukt berechnet?

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info Das BIP kann unterschiedlich berechnet werden

  • Bei der sogenannten Entstehungsrechnung wird das Bruttoinlandsprodukt von der Seite seiner Entstehung ermittelt. Dabei wird die Wertschöpfung der einzelnen Wirtschaftsbereiche, z. B. des verarbeitenden Gewerbes, des Bausektors etc., berechnet und zusammengezählt.
  • Bei der sogenannten Verwendungsrechnung zur Ermittlung des BIPs wird auf der Nachfrageseite angesetzt. Hier werden der private Konsum, der staatliche Verbrauch, die Investitionen der Unternehmen und der Außenbeitrag (Exporte minus Importe) zusammengezählt.

Allerdings gibt es Teile des Wirtschaftgeschehens, die nicht vom Bruttoinlandsprodukt erfasst werden, dazu zählen alle Formen von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung. Ebenso wenig werden Heimarbeit, ehrenamtliche Tätigkeiten oder Haus- und Familienarbeit erfasst. Der Anteil dieser so genannten Schattenwirtschaft wird in Deutschland auf 5 bis 10 Prozent des BIP geschätzt. In anderen Ländern kann dieser Anteil aber sehr viel höher sein. Das erschwert internationale Vergleiche der Wirtschaftsleistung anhand des Bruttoninlandsprodukts.

In Deutschland wird das Bruttoinlandsprodukt vom Statistischen Bundesamt berechnet.

Das Bruttoinlandsprodukt ist kein Wohlstandsindikator, auch wenn es gelegentlich so verwendet wird. Das BIP misst nur die Menge der produzierten Güter. Das spielt zwar für den Wohlstand einer Gesellschaft eine große Rolle, es kommen aber weitere Faktoren hinzu: Dazu zählen Lebenszufriedenheit, Einkommens- und Vermögensverteilung oder negative Umweltwirkungen.

Meinung

sprechblase Böhms Praxistipp

Es gibt eine zeitliche Verzögerung bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts. Zudem werden wegen der sehr komplexen Berechnung die anfangs veröffentlichten Zahlen nicht selten später korrigiert. Legen Sie daher die veröffentlichten Daten nicht zu sehr auf die Goldwaage. 

Die Tendenz ist wichtiger als die Frage, ob die gemeldete Wachstumsrate nun 0,1 Prozent höher oder niedriger liegt. Für die Finanzmärkte, an denen die zukünftigen Erwartungen gehandelt werden, spielen ohnehin die Prognosen über die Veränderungen des Bruttoinlandsprodukts eine größere Rolle. 

Erhöhen sich beispielsweise die Wachstumsprognosen des Bruttoinlandprodukts für einen Wirtschaftsraum, dann verbessern sich auch die Gewinn-Aussichten der Unternehmen. An den Aktienmärkten kann dies zu Kurssteigerungen führen.

Stefan Böhm
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