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Lars Erichsen

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Lars Erichsen

Wo ist die Europäische Zentralbank?

Die Europäische Zentralbank hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Seit 2015 residiert sie in einem 201 Meter hohen Neubau im Frankfurter Ostend, das nicht direkt im Bankenviertel liegt.

Was ist die Europäische Zentralbank?

Info

info Die Europäische Zentralbank ...

  • ist eine Institution der Europäischen Union.
  • fungiert als Organ des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB).
  • verwaltet den Euro als einheitliche Währung der am Euro teilnehmenden Länder der Europäischen Union.
  • besitzt formal völlige Unabhängigkeit.
  • hat ihren Sitz in Frankfurt am Main.

Die Europäische Zentralbank ist wirtschaftshistorisch eine noch junge Notenbank. Ihre Einrichtung wurde im Rahmen des EU-Vertrages zur Gründung einer Wirtschafts- und Währungsunion 1992 beschlossen. Seit 1999 ist sie die gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion. Die Europäische Zentralbank bildet gemeinsam mit den Zentralbanken aller EU-Länder das Europäische System der Zentralbanken (ESZB). 

Die Europäische Zentralbank hat drei verschiedene Entscheidungsgremien:

  • Das Direktorium ist das ausführende Organ, das die Tagesgeschäfte überwacht. Es besteht aus sechs Mitgliedern. Ihm steht der Präsident vor.
  • Der EZB-Rat legt die Währungspolitik für den Euroraum fest. Seine Mitglieder sind die Präsidenten der nationalen Zentralbanken aus dem Euroraum und die Mitglieder des Direktoriums.
  • Dem Erweiterten Rat gehören neben Präsident und Vizepräsident der Europäischen Zentralbank die Präsidenten der nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten an. Die bisherigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank waren: Willem Duisenberg (1998–2003), Jean-Claude Trichet (2003–2011) und Mario Draghi (seit 2011).

Die Europäische Zentralbank ist vertraglich auf das vorrangige Ziel der Preisstabilität festgelegt. Als untergeordnetes Ziel ist die Unterstützung der allgemeinen Wirtschaftspolitik in der Union genannt. Hierdurch soll ein ausgewogenes Wirtschaftswachstum und eine in hohem Maße wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft, die auf Vollbeschäftigung und sozialen Fortschritt abzielt, erreicht werden.

Was macht die Europäische Zentralbank?

Die grundlegenden Aufgaben der Europäischen Zentralbank sind ebenfalls vertraglich festgehalten. Die Europäische Zentralbank legt die Geldpolitik für das Euro-Währungsgebiet fest, führt Devisengeschäfte durch, hält die offiziellen Währungsreserven der Mitgliedstaaten des Eurogebiets und fördert ein reibungsloses Funktionieren der Zahlungssysteme. 

Darüber hinaus ist die Europäische Zentralbank auch für die Aufsicht über Kreditinstitute, die in teilnehmenden Mitgliedstaaten niedergelassen sind, zuständig. Ausschließlich die Europäische Zentralbank genehmigt innerhalb des Euroraums die Ausgabe von Banknoten. Ferner nimmt sie für das Eurosystem Aufgaben innerhalb der internationalen und europäischen Zusammenarbeit wahr.

Info

info Wichtigstes Instrumentarium: Festlegung der Leitzinsen

  • den Zinssatz für das Hauptrefinanzierungsgeschäft
  • den Einlagesatz
  • den Spitzenrefinanzierungssatz

Die Entscheidung über den Leitzins liegt beim EZB-Rat.

Der Europäischen Zentralbank ist es untersagt, nationalen Regierungen Kredite unmittelbar zu gewähren.

Was muss ich als Anleger bei der Europäischen Zentralbank beachten?

Die Rolle der Europäischen Zentralbank hat sich seit der Finanzkrise von 2008 völlig gewandelt. Um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern, hat sich die EZB zu einem bestimmenden Hauptakteur für die Finanzmärkte entwickelt. Dabei wurde mit äußerster Entschlossenheit versucht, ein Auseinanderbrechen der Eurozone zu verhindern. Besonders gefährlich waren dabei die stark unterschiedlichen und weit auseinander laufenden Anleihe-Zinsen in den Euroländern.

Es gelang der Europäischen Zentralbank im Verbund mit den nationalen Regierungen und anderen Finanzmarktorganen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, die Zinsdifferenzen deutlich zu verringern und nach unten zu schleusen. Dabei schreckte gerade der Vorsitzende der EZB, Mario Draghi, nicht vor markanten verbalen Äußerungen zurück: „Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten“. 

Nachdem das zinspolitische Instrumentarium für die Europäische Zentralbank weitgehend ausgereizt schien, suchte sie nach alternativen geldpolitischen Instrumenten. Dazu zählt z. B. der direkte Kauf von Anleihen (englisch: Quantitative Easing). Der Ankauf von Staatsanleihen auf dem offenen Markt wird jedoch von manchen Kritikern als Verstoß gegen das Verbot gewertet, unmittelbar Kredite an Staaten zu vergeben. Die Wirkung geldpolitischer Entscheidungen überlagert zunehmend fundamentale Fakten und setzt zuweilen gängige Marktgesetze außer Kraft. 

Sie als Anleger können davon ausgehen, dass die Europäische Zentralbank ihren eingeschlagenen Weg des aktiven Krisenmanagements nicht so schnell aufgeben wird. Solange die Verschuldungssituation in den Euromitgliedsstaaten so angespannt und die politischen Reformanstrengungen der Mitgliedsstaaten so gering ausfallen, kann die Europäische Zentralbank nicht auf ihre Unterstützungsmaßnahmen verzichten.

Meinung

sprechblase Böhms Praxistipp

Die Europäische Zentralbank hat sich eine größtmögliche Transparenz und Kalkulierbarkeit auferlegt und dies in den letzten Jahren auch unter Beweis gestellt. Sie können sich als Anleger daher langfristig an den geldpolitischen Vorgaben orientieren. Notenbankentscheidungen nehmen dadurch eine immer wichtigere Bedeutung für die Entwicklung an den Märkten ein. Sie sollten Überreaktionen an den Märkten sowie stärkere Umschichtungen zwischen verschiedenen Anlagesegmenten einkalkulieren.

Beachten Sie zudem im Vorfeld von Entscheidungen der EZB auch immer die mehrheitlichen Erwartungen der Marktteilnehmer. Diese können bereits in die Kurse eingepreist sein, so dass die Marktentwicklung nicht zwangsläufig in eine sichere Richtung laufen muss.

Lesen Sie auch meine aktuellen Analysen zur EZB.

Stefan Böhm
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