A-ZBöhms Börsenlexikon

Lars Erichsen

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Lars Erichsen

Was sind Hedgefonds?

Hedgefonds sind eigenständige Anlageprodukte. Der Begriff, der auf das englische Verb „to hedge“ (= „absichern“) zurückgeht, weist auf die ursprüngliche Funktion als Schutz vor starken Kurseinbrüchen hin. Heute gelten Hedgefonds fast ausschließlich als hochspekulative Anlageform.

Im Unterschied zu typischen Investmentfonds sind Hedgefonds kaum an gesetzliche Restriktionen gebunden. Aus diesem Grunde fallen Aufbau, Zusammensetzung und Anlagerisiko der jeweiligen Hedgefonds sehr unterschiedlich aus.

Hedgefonds spekulieren in allen Bereichen der Finanzmärkte. Sie legen ihr Kapital auf den Devisenmärkten, den Rentenmärkte und Anleihemärkten, den Aktienmärkten und auch den Rohstoffmärkten an.

Es gibt viele verschiedene Anlagestrategien, die von „risikoarm“ bis „sehr riskant“ reichen. Hedgefonds werden aktiv durch in der Regel hochbezahlte Hedgefonds-Manager verwaltet Im Rahmen der von der Kapitalanlagegesellschaft gesteckten Grenzen können diese die Mittel zur Zielerreichung ihrer Anlagestrategie frei wählen.

Hedgefonds zielen darauf, auf den Finanzmärkten sowohl bei steigenden, als auch bei fallenden Kursen eine Rendite zu erzielen. Prägend für Hedgefonds ist die häufig hohe Umschlagsgeschwindigkeit des ihnen zur Verfügung gestellten Kapitals. Zur Erreichung ihrer Renditeziele bedienen sie sich unterschiedlichster Finanzinstrumente. Alle Arten von Wertpapieren und Derivaten kommen zum Einsatz. Häufig versuchen Hedgefonds über Fremdfinanzierung (siehe Fremdkapital) eine höhere Eigenkapital-Rendite zu erwirtschaften. Es wird hier vom „Hebeln“ gesprochen, da durch geringen Einsatz eigenen Kapitals eine höhere Rendite erzielt werden kann.

Info

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Das führt auch für den Hedgefonds zu einem großen Risiko. Entwickeln sich die Märkte anders als vom Hedgefonds-Manager erwartet, kann dieser zum raschen Auflösen von Positionen gezwungen sein. Wegen der schieren Größe vieler Hedgefonds hat dies mitunter auch gesamtwirtschaftliche Auswirkungen in Form von starken Kursturbulenzen an den Märkten. Daher werden nicht selten Hedgefonds für unerklärliche Kursbewegungen verantwortlich gemacht – nicht immer zu Recht.

Die den Hedgefonds zugrunde liegende Idee entwickelte sich bereits nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Anlageinstrument gewannen sie im Laufe der Zeit verstärkt an Bedeutung. In den letzten Jahrzehnten gehörten Hedgefonds zu den am stärksten wachsenden Anlageinstrumenten. Das weltweite Volumen der Hedgefonds beträgt mehrere Billionen US-Dollar. In Deutschland ist es Privatanlegern erst seit 2004 möglich, in Hedgefonds nach deutschem Recht investieren. Durch die negativen Auswirkungen der Finanzkrise kam es zu zahlreichen Regulierungen der Hedgefonds, die allerdings von Anlagestandort zu Anlagestandort unterschiedlich streng ausfielen. Viele Hedgefonds entziehen sich einer Regulierung, indem sie als Standort Länder mit schwachen Regulierungen wählen, wie z. B. die Cayman Islands und die Bermudas.

Neben John Paulson gilt George Soros als einer der bekanntesten Hedgefonds-Manager. Er verwaltet den Quantum Hedgefonds.

Was muss ich als Anleger beim Thema Hedgefonds beachten?

Als Anleger müssen Sie sich im Klaren sein, dass Investitionen in Hedgefonds mit zu den riskantesten Anlageformen gehören. Den angestrebten weit überdurchschnittlichen Renditen steht ein erhebliches Verlustrisiko gegenüber. Empirische Untersuchungen können nicht bestätigen, dass die Rendite von Hedgefonds nach Kosten überdurchschnittlich zu vergleichbaren Anlageprodukten ausfällt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Hedgefonds sind immens, manche Fonds erzielen in einzelnen Jahren Traumrenditen, andere gehen pleite.

Besondere Vorsicht ist bei externen Schocks oder überraschenden Ereignissen geboten. Das hat starke Kursschwankungen zur Folge. Damit sind für Sie als Anleger auch extreme Kursverluste keine Ausnahme, selbst Totalverluste sind in Einzelfällen möglich.

Informationen über die Anlagestruktur und die Risikozusammensetzung des jeweiligen Hedgefonds gehören zur absoluten Pflichtvoraussetzung, bevor Sie als Anleger in ein solch riskantes Anlageprodukt investieren. Schon die Auswahl eines bestimmten Hedgefonds setzt große Sorgfalt voraus. Es hat sogar schon Betrugsversuche mit einzelnen Hedgefonds gegeben.

Hedgefonds sind kein Anlageinstrument, das Sie ohne permanente Kontrolle in Ihrem Wertpapierdepot liegen lassen sollten. Eine begleitende Überprüfung der Performance, Zielerreichung und Anlagestrategie des jeweiligen Hedgefonds ist absolut empfehlenswert.

Hedgefonds bieten allerdings gute Möglichkeiten, gerade in uneinheitlichen bis schwachen Marktphasen dennoch positive Renditen zu erzielen. Als spekulative Depot-Beimischung sind sie daher in bestimmten Marktphasen für risikoreiche Anleger eine mögliche Alternative.

Meinung

sprechblase Böhms Praxistipp

Das Spektrum bei Hedgefonds ist riesig, Sie sollten sich daher genau informieren, bevor Sie in einen solchen Fonds investieren. Hedgefonds eignen sich daher nur für erfahrene und wegen der hohen Mindestanlagesumme in der Regel auch nur für vermögende Anleger. In keinem Fall sollten Sie Ihr Kapital nur in einen Hedgefonds investieren, das Risiko ist zu hoch. Bei einer Pleite des Fonds ist ein Totalverlust möglich.

Stefan Böhm
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